Menschen in einem Einkaufszentrum
Auch kurz nach Weihnachten zieht es stets viele Menschen in die Geschäfte (Archivbild). Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Magdeburg Verdi klagt gegen Sonntagsöffnung

13 verkaufsoffene Sonntage sind der Gewerkschaft Verdi zufolge im Jahr 2017 allein in Magdeburg erlaubt worden. Verdi wünscht sich, dass die Stadt die Anträge genauer prüft. Eine für das kommende Wochenende geplante Sonntagsöffnung des Einkaufszentrums "Börde Park" sei gekippt worden. Zuletzt hatte das Thema bereits in Halle die Gemüter erhitzt.

Menschen in einem Einkaufszentrum
Auch kurz nach Weihnachten zieht es stets viele Menschen in die Geschäfte (Archivbild). Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Die Gewerkschaft Verdi will stärker gegen die Vielzahl verkaufsoffener Sonntage in Magdeburg vorgehen. Wie Verdi MDR SACHSEN-ANHALT mitteilte, wurde ein geplanter Shopping-Sonntag am kommenden Wochenende (7. Januar) im Einkaufszentrum "Börde Park" auf Antrag der Gewerkschaft bereits vom Magdeburger Verwaltungsgericht gekippt. Ob der Möbel-Markt Maco im Stadtteil Hopfengarten am Sonntag wie geplant öffnen darf, wird demnach noch entschieden.

Der Gewerkschaftssekretär des Verdi-Bezirks Sachsen-Anhalt Nord, Torsten Furgol, sagte: "Die zuständigen Erlaubnisbehörden schauen schnell über die Anträge der Einzelhändler hinweg und prüfen nicht, ob es einen konkreten Anlass für Sonderöffnungszeiten gibt, der auch mehr Besucher anzieht." Dazu würden oft mit viel Phantasie besondere Anlässe vorgeschoben – etwa Herbst- oder Winterfeste.

Verdi fordert sensibleren Umgang

Furgol verwies darauf, dass im Jahr 2017 allein in Magdeburg an 13 Sonntagen Erlaubnisse erteilt worden seien, Läden zu öffnen. Gestattet seien laut Gesetz nur vier. Die Kommune habe aber die Möglichkeit genutzt, die Genehmigungen auf verschiedene Stadtgebiete aufzuteilen. "Wir sind der Meinung, dass ein Zeichen gesetzt werden muss und die Stadt Magdeburg sensibler mit dem Thema umgeht", so Furgol.

Ich bin traurig, dass Verdi das rechtliche Korrektiv sein muss, um das Grundgesetz umzusetzen.

Verdi-Gewerkschaftssekretär Torsten Furgol

Verdi kündigte an, die Genehmigungen der Stadt Magdeburg künftig genauer zu prüfen. Gegen die geplante Öffnung der Geschäfte in der Magdeburger Innenstadt am kommenden Sonntag will die Gewerkschaft jedoch nicht vorgehen.

Auch Streit in Halle

Erst Ende des 2017 hatte es einen Streit um eine Sonntagsöffnung in Halle gegeben. Dort hatten Geschäfte im Neustadt Centrum am dritten Advent geöffnet, obwohl ein Gericht dies zuvor verboten hatte. Auch in diesem Fall hatte Verdi geklagt – gegen die Erlaubnis der Stadt Halle.

Gesetz über Ladenöffnungszeiten in Sachsen-Anhalt In Sachsen-Anhalt dürfen Geschäfte an höchstens vier Sonn- und Feiertagen pro Jahr öffnen. Ausgenommen sind der Neujahrstag, der Karfreitag, der Ostersonntag, der Ostermontag, der Volkstrauertag, der Totensonntag, der 1. und 2. Weihnachtsfeiertag sowie der Heiligabend, wenn dieser auf einen Sonntag fällt.

Voraussetzung für die Öffnung ist laut Gesetz ein besonderer Anlass. In Einzelfällen können Geschäfte auch dann öffnen, "wenn dies im öffentlichen Interesse notwendig ist".

Für anerkannte Kur- und Erholungsorte gibt es Sonderregeln, ebenso für bestimmte Branchen – etwa Bäckereien.

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Quelle: MDR/kb,as

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 03. Januar 2018 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2018, 07:49 Uhr

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7 Kommentare

04.01.2018 11:46 Nicky 7

"Ich bin für die vollständige Abschaffung der sogenannten Sonntagsruhe! Endlich kann ich shoppen gehen wie es mir gefällt , meine Behördengänge erledigen, Handwerkerleistungen durchführen lassen ( ohne extra frei zunehmen) e.t.c. Ach ja, die Elternabende könnte man auch auf Sonntag verlegen, dann haben endlich alle dafür Zeit.
Moment mal....., wenn ich von anderen fordere am Sonntag zu arbeiten und sei es nur zum Einkaufsbummel, wie ist es dann mit meiner Arbeit? Nicht das mein Chef mich dann auch arbeiten lässt, freiwillig natürlich.......!
Ich bin bin übrigens in der Pflege tätig und habe unter anderen am 24.12. Spätdienst gemacht. Viele meiner Kollegen lehnen trotz allem ein Sonntagsshoppen ab. Warum wohl?

03.01.2018 10:09 kjrgens 6

Das Thema "Laden auf, Laden zu" , wann und wie lange, lösen unsere türkischen und syrischen Mitbewohner in diesen wirren Zeiten ganz einfach: Sie öffnen immer. Auch am Neujahrstag mit vollem Angebot (MD , Nicolaiplatz) . Aber Verdi hatte da Feiertag.

03.01.2018 09:38 Nordharzer 5

Schon im 18. Jahrhundert schrieb ein dt. Theologe: "Die Nichtachtung des Sonntags ist auch ein laut schreiender Zeuge, wie tief das Christentum unter Christen gesunken ist." Wenn wir also in Deutschland den Anspruch erheben, dass das Christentum die leitreligion ist, dann sollte man sich auch mal an die Grundlagen der Sonntagsruhe erinnern. Das das Ladenschlußgesetz aus dem letzten Jahrtausend ist unstrittig, dass es notwendig ist ebenso. Es ist gut, dass ver.di sich für die Interessen der Beschäftigten einsetzt und auch aufzeigt, dass die Behörden selbst hier Gesetzeslücken aktiv ausnutzen, um mehr Steuereinnahmen zu generieren. Dass bei Arbeit am WE diese auch vernünftig bezahlt werden muss, halte ich für selbstverständlich, ebenso die Einhaltung der Arbeitszeit. Ich weiß aus eigener Erfahrung in anderen Branchen, dass längere Arbeitszeit (auch gern über 12h/Tag) leider nicht mit einem Mehr an Personal abgedeckt wird, sondern nur mit längeren Arbeitszeiten.

03.01.2018 08:45 Henne2003 4

@2
Ich bin weder Einzelhändler noch Familienlos. Und gehe Sonntags auch nicht einkaufen. Aber wer gehen will, der soll! Warum soll ich anderen Menschen Vorschriften machen?! Wenn überhaupt dazu eine gesetzliche Regelung notwendig ist, dann die über die Vergütung der Verkäufer/innen; deren Arbeitsbedingungen (max. 5 Tage pro Woche Arbeitszeit, zusätzliche Vergütung am WE/ Nachtarbeit) - den Rest regelt dann schon der Markt.

03.01.2018 08:02 Spottdrossel 3

Sollten nicht generell alle Sonn- und Feiertage gestrichen werden? Stattdessen mehr Urlaubstage und pro Kalenderwoche zwei zusammenhängende freie Tage, die aber nicht überall Sa. und So. sein müssen. Jedes Unternehmen und auch jeder Laden kann täglich 24 stunden arbeiten, muss jedoch entsprechen Personal zur Besetzung der rollenden Woche einstellen. Die Wirtschaft würde brummen! Die Arbeitslosigkeit auf Null Prozent sinken. Ja, alle Zuwanderer könnten sofort zur Arbeit gehen. Die Wirtschaft würde mühelos fast unbegrenzten Zuzug verkraften.

03.01.2018 07:49 Daniel 2

@ 1
Also sie sind wohl selbst Einzelhändler oder haben keine Familie!?
Alleine die Diskusion ist doch unnötig! Ich boykottiere diese unnötigen Öffnungszeiten immer! Von mir aus könnte auch Samstags geschlossen bleiben! Ich arbeite zwar nicht im Einzelhandel aber die Menschen dort tun mir leid!
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, wenn geöffnet ist fährt er los wenn er etwas benötigt. Wenn nicht dann bleibt er auch zu Hause!

03.01.2018 06:52 Henne2003 1

Dieses Gesetz über Ladenöffnungszeiten ist ein Relikt aus dem letzten Jahrtausend. Es kann ersatzlos abgeschafft werden. Wie wäre es denn mal, wenn im Namen der Demokratie dazu mal eine Volksbefragung durchgeführt wird? Da die Läden im verkaufsoffenen Sonntag gut gefüllt sind, wäre das Ergebnis wohl vorhersehbar!