voller Saal bei einer Bürgerversammlung in Derben
Der Saal in der Derben war rappelvoll. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bürgerversammlung in Derben Naturschutzprogramm stößt auf Ablehnung

Die Bürger in Derben lehnen die Pläne für das Naturschutzprogramm "Natura 2000" ab. Einige Flächen der Gemeinde Elbe-Paray im Jerichower Land sollen ab 2019 zur Naturschutz-Zone erklärt werden. Die Derbener fürchten, dass dadurch Elberad-Touristen künftig wegfallen und ihre Grundstücke nichts mehr wert sind. Auch die Mitarbeiter einer Werft im Ort bangen um ihre Jobs. Bei einer Versammlung wurde über das Vorhaben informiert und lebhaft diskutiert.

voller Saal bei einer Bürgerversammlung in Derben
Der Saal in der Derben war rappelvoll. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Derben im Jerichower Land haben am Donnerstagabend Bürger über das Naturschutzprogramm "Natura 2000" ihren Unmut bekundet. Mehr als 150 besorgte Menschen kamen zu dem Informationsabend. In der völlig überfüllten Gaststätte wurde über das Vorhaben informiert und debattiert.

Einige Flächen werden den Plänen zufolge ab 2019 zur Naturschutz-Zone erklärt. Viele Grundstücks- und Hausbesitzer befürchten, dass sich der Wert ihrer Häuser verringern oder Radtouristen fernbleiben könnten.

Werft bangt um 50 Mitarbeiter

Auch entlang von Unternehmensgrundstücken können sich einige Grenzen ziehen. Werftsbesitzer Herrmann Barthel aus Derben sagte, seine Werft sei betroffen. Denn die Slipanlage, an der die Schiffe ins Wasser gelassen werden, führe durch das Schutzgebiet. Deshalb würden die 50 Mitarbeiter der Werft um ihre Arbeitsplätze bangen. Der Werftsbesitzer bezeichnete das Naturschutzvorhaben als menschenverachtend.

Der Landrat des Landkreises Jerichower Land, Steffen Burchhardt, sicherte zu, dass die Werft keine Existenzängste haben müsse. Auch wenn ein Unternehmen an eine Schutzzone grenze, wären Einzelüberprüfungen zu baulichen Veränderungen möglich. In dem Fall genüge es, einen Antrag zu stellen. Das Familienunternehmen in Derben wird bereits in dritter Generation geführt.

Landesverwaltungsamt will Bedenken und Hinweise prüfen

Das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt teilte auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT mit, dass Verwaltung, Vereine und Anwohner bereits frühzeitig – sogar noch vor der gesetzlichen Frist – über das Natura-Projekt informiert worden seien. "Uns ist es wichtig, mit den Betroffenen in den Dialog zu gehen", hieß es. Neben Vor-Ort-Terminen gebe es auch eine Webseite sowie einen Facebook-Account zu dem Vorhaben. Mit Stand Januar seien beim Landesverwaltungsamt etwa 350 Stellungnahmen eingegangen. Deren Hinweise und Anregungen sollen jeweils geprüft und so "alle Belange bestmöglich berücksichtigt" werden. Dies könne noch bis Ende 2018 dauern, so die offizielle Mitteilung.

Die Europäische Union will die Artenvielfalt in Europa schützen und hat deshalb das Schutzprogramm "Natura 2000" ins Leben gerufen. In der Verordnung wurden Grenzgebiete festgelegt, in der schützenswerte Tieren und Pflanzen leben.

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Quelle: MDR/ahr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 16. Februar 2018 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2018, 15:07 Uhr

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4 Kommentare

18.02.2018 10:22 Florian 4

[...] Umso trauriger macht es mich zu sehen, wie Menschen aus den „betroffenen“ Regionen auf die Barrikaden gehen, weil diese destruktive Entwicklung aufgehalten werden soll. Warum freut man sich denn nicht einfach über das, was man besonderes in seiner direkten Umgebung hat. Darüber das es möglicherweise auch den Kindern und Enkeln noch vergönnt sein kann den Ruf eines Wachtelkönigs zu hören, einen Seeadler durch die Luft gleiten zu sehen oder die sibirische Schwertlilie in ihrer Schönheit zu bewundern. Stattdessen wird vollkommen unnötig über den fallenden Wert eines Grundstückes gezetert. Also für mich wird ein Grundstück in dieser Lage, mit einem intakten Schutzgebiet vor der Türe, in dem die Radtouristen durch eine naturnahe Kulturlandschaft radeln können deutlich aufgewertet. Und auch die Regelung, dass für Vorhaben, welche in dem Gebiet verwirklicht werden sollen eine Verträglichkeitsprüfung notwendig ist, ist nicht neu. Auch dies ist bereits seit 2000 bzw. seit 1992 so.

18.02.2018 10:02 Florian 3

Liebe Derbener und andere „Betroffenen“, auch ich habe ein Natura2000 Gebiet direkt vor der Haustüre und freue mich im Grunde genommen darüber. Freuen tue ich mich hingegen nicht, wenn ich sehe, wie dieses eigentlich wertvolle Gebiet bislang keinem wirklichem Schutzregime unterlag. Denn im Jahr 2000 hatte es nur einen schönen Namen bekommen. Dies soll mit der neuen Natura2000 Verordnung nun endlich geändert werden. Und das ist gut so. Und so verstehe ich den ganzen Wirbel nicht. Ihr Gebiet wie das unsere wurden übrigens, auf Grundlage einer Rechtsnorm aus dem Jahr 1992, schon im Jahr 2000 als solche gemeldet und ausgewiesen. Konkrete Schutznormen und ausreichende Förderungen gab es bislang jedoch nur unzureichend. Eine Ausweisung nach nationalem Recht wurde bislang, rechtswidrig, nicht vorgenommen. Und so verschwinden die Naturschätze die wir vor unseren Haustüren haben langsam aber sicher unter dem Einfluss, insb. zu intensiver oder auch fehlender extensiver Landbewirtschaftung. [...]

16.02.2018 23:15 Eulenspiegel 2

Hier wurde ein Naturschutzprogramm erarbeitet. Dann kam die Gesetzlich vorgeschriebene Bürgeranhörung. Die Bedenken der Bürger müssen dann natürlich berücksichtigt werden. Und wenn die Bürger dann feststellen das beim überarbeiteten Naturschutzprogramm ihre bedenken nicht oder nicht genug berücksichtigt wurden dann haben sie immer noch die Möglichkeit der Klage. So läuft das in einer Demokratie. Also ich kann nur jeden empfehlen sich damit genau zu befassen.