Coronavirus Diese Missverständnisse gibt es um das Tragen der Maske

In fast allen öffentlichen Bereichen sind Masken seit Monaten Pflicht. Getragen wird der Mund-Nasen-Schutz beim Einkaufen oder im öffentlichen Nahverkehr. Die MDR-Sendung FAKT IST! hat in einer Umfrage verschiedene Menschen zum Tragen der Maske befragt. Ein Befund: Rund um die Maske gibt es viele Missverständnisse und Mythen. Hier räumt MDR SACHSEN-ANHALT mit einigen dieser Mythen auf.

Mundnasenschutzproduktion
Die Meinungen zum Tragen der Maske ist geteilt. Bildrechte: imago images/BildFunkMV

In fast allen öffentlichen Bereichen sind Masken seit Monaten Pflicht. Getragen wird der Mund–Nasen-Schutz beim Einkaufen oder im öffentlichen Nahverkehr. Auffallend sind immer mehr unzufriedene Menschen, die den Schutz als störend oder unrein bezeichnen. Dadurch kursieren rund um die Maske viele Missverständnisse und Mythen. Das machen sich dann auch Parteien zunutze: So kam es neulich im Landtag – auf Antrag der AfD – zu der Debatte, die Maskenpflicht in Sachsen-Anhalt abzuschaffen. Der Antrag wurde abgelehnt, das Thema aber bleibt. MDR SACHSEN-ANHALT will die häufigsten Missverständnisse aus dem Weg räumen und verschafft einen Überblick darüber, was davon wahr sein könnte – und was nicht.

Mythos 1: Stoffmasken sind keine medizinischen Produkte. Durch ihr grobes Gewebe werden keine Viren aufgehalten!

Im Prinzip ist diese Aussage korrekt. Doch es wird nicht versucht, mit einer Maske ein einziges Virus aufzuhalten. Aufgehalten werden sollen Tröpfchen, auch Aerosole, an denen sich viele der Viren sammeln.

Verschiedene Masken hängen an Haken an einer Tür
Die Maske dient dazu, Aerosole abzuhalten und das Umfeld zu schützen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Den Träger schützen die Masken somit kaum. Es werden aber die Tröpfchen zurückgehalten, die sonst beim Niesen, Husten oder beim Sprechen in die Luft abgehen würden. Somit schützt die Maske das Umfeld des Trägers und das Umfeld wiederum den Träger.

An der frischen Luft und mit ausreichend Abstand zu anderen Menschen ist die Maske aber überflüssig. Die infizierten Tröpfchen verfliegen an der frischen Luft recht schnell. Riskant wird es erst wieder in geschlossenen Räumen. Die Aerosole können hier nicht entweichen und sich über längere Zeit in der Luft sammeln.

Diskussion über Corona-Maßnahmen Bei FAKT IST! wird am Montag ab 20.30 Uhr im Livestream un ab 22.05 Uhr im MDR Fernsehen über die Corona-Maßnahmen diskutiert. Unter anderem geht es dabei um die Maskenpflicht.

Mythos 2: Falsch getragene und unhygienisch aufbewahrte Masken sind sinnlos bzw. gesundheitsschädlich!

Masken sollte man regelmäßig austauschen, damit sie nicht zu Keimschleudern werden. Durch die Atemluft werden sie feucht und die Barrierefunktion wird somit vermindert. Doch auch durch ständiges Anfassen der Maske kann man sich das Coronavirus dann über eine sogenannte Schmierinfektion einfangen. Das passiert vor allem häufig durch das Zurechtrücken der Maske oder das Schieben der Maske unter das Kinn und dann wieder zurück vor Mund und Nase.

Wasserdampf entweicht aus den Bodenporen eines Dampfbügeleisens
Es gibt verschiedene Wege die Masken keimfrei zu bekommen. Eine davon ist das Bügeln. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Die meisten Masken, die getragen werden, sind zwar Einmal-Masken, können aber dennoch gereinigt werden. Empfohlen wird vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, die Masken heißt zu waschen. Masken, Tücher und andere wiederverwendbare Mundschutze können in die Waschmaschine. Bei mindestens 60 Grad – optimaler sind 95 Grad – sollten diese gewaschen werden.

Der Virologe Christian Drosten empfiehlt, Masken zur Desinfektion zu bügeln, sollte man diese nicht waschen können. Andere Möglichkeiten, die Maske zu reinigen, sind: In einem Topf mit Wasser aufkochen, im Backofen erhitzen und aufhängen und mehrere Tage abwarten.

Mythos 3: Unter den Masken bildet sich so viel CO2, dass es gesundheitsschädlich wird!

Ärztin Dr. Julia Fischer sagt ganz allgemein: "Kann man durch eine Maske einatmen, kann man durch sie auch ausatmen".

Die eingeatmete Luft enthält 21 Prozent Sauerstoff. Die ausgeatmete Luft enthält nur noch 17 Prozent Sauerstoff. 4 Prozent wurden somit in CO2, Kohlenstoffdioxid, umgewandelt. Es wird dann von vielen angenommen, dass sich der CO2-Gehalt in der Maske bei zu langem Tragen zu sehr erhöht.

Der Pneumologe Dr. Michael Barczok sagt: "Wenn es um die Alltagsmasken geht, die mit einer Maskenpflicht gemeint sind, ist das kein Problem, weil man will ja nur erreichen, dass der Träger grobe Partikel beim Husten oder Niesen nicht einfach in den Raum schleudert, sondern dass die sich in diesem Tuch verheddern. Auf den Gasaustausch haben diese Tücher überhaupt keinen Einfluss".

Auch Tücher, selbstgenähte Masken oder Schals haben immer Öffnungen, durch die die Atemluft entweichen kann. Luft sucht sich nämlich immer den Weg des geringsten Widerstands.

Dennoch soll auf das Körpergefühl geachtet werden. Die Studienlage zu diesem Thema ist noch weitgehend unbefriedigend. Sollte man das Gefühl haben, zu wenig Sauerstoff zu bekommen oder Atemnot zu fühlen, sollte man die Maske absetzen, so der Intensivmediziner und Infektiologe Dr. Peter Walger.

Mythos 4: Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Masken Infektionen verhindern, also sind sie nutzlos!

Bis jetzt ist die Datenlage zum Tragen der Maske und ob diese negative gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen hat, sehr gering. Um aussagekräftige Studien zu diesem Thema zu erhalten, braucht es wohl auch noch einige Zeit.

Unscharfe Frontalaufnahme einer Frau, die in die Armbeuge hustet. Durch die Luft fliegen montierte, weiße Partikel unterschiedlicher Größe und Schärfe frontal Richtung Kamera.
Eine Maske schützt nicht immer. Denn verschiedene Viren werden über verschiedene Wege übertragen. Bildrechte: imago images/Photothek (M), MDR

Gerade in der Erkältungszeit werden doch mehr Menschen krank, trotz Tragens einer Maske. Das liegt aber auch vor allem daran, dass man sich mit verschiedene Viren über unterschiedliche Wege anstecken kann. Das klassische Rhinovirus, also der Erreger einer gewöhnlichen Erkältung, wird meist über Schmierinfektion übertragen und seltener über Tröpfcheninfektion.

Wichtig ist: Die Maske ist aber auch kein Allheilmittel, um das Virus von sich abzuhalten. Das Tragen einer Maske ergibt nur Sinn in Verbindung mit dem nötigen Abstand zu anderen Menschen. Auch die Hygiene, wie regelmäßiges Händewaschen, spielt dabei eine große Rolle.

Mythos 5: Masken sind eine große Gefahr für Kinder!

Auch bei Kindern gilt, ähnlich wie bei Erwachsenen: Die Maske regelmäßig waschen oder austauschen. Es könne sonst zu "einer Kontamination der Maske mit der Mund-Nase-Rachen-Flora kommen", warnt das Robert Koch-Institut.

Leiterin einer Grundschule, bindet einem Schüler am Eingangstor der Schule einen Mundschutz an.
Auch wenn Kinder eine Maske tragen, gilt das gleiche wie bei den Erwachsenen. Bildrechte: dpa

Auch, was die Aufnahme von zu viel CO2 angeht, kann Entwarnung gegeben werden. Der Berliner Mediziner und Pressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Jakob Maske sagt, bei gewöhnlichen Stoffmasken entstehe das Problem nicht. Ein Luftstau sei beim Atmen ausgeschlossen, da nur wenige Millimeter zwischen Gesicht und Maske liegen. Von geschlossenen Masken rät der Kinderarzt ab und auch Kinder unter zwei Jahren sollten demnach keinen Gesichtsschutz tragen.

Quelle: MDR/mf

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN – FAKT IST! | 21. September 2020 | 20:30 Uhr

29 Kommentare

Denkschnecke vor 5 Wochen

Sie haben den Sinn eines Mund-Nasen-Schutzes immer noch nicht verstanden. Der Mund-Nasen-Schutz schützt den Träger wenig, aber er schützt die Umwelt vor dem möglicherweise infizierten Träger. Für über aerosole übertragene Infektionen gibt es reichlich Literatur (s. Offeddu et al., 2017, Clin. Infect. Dis.), ebenso, dass infektiöses Aerosol beim Husten und Niesen schon mal 7 Meter weit getragen werden kann (Jones et al., 2015, J. Occup. Environ. Med.). Für Sars-CoV2 ist angesichts der kurzen Zeit auch schon erstaunlich viel veröffentlicht, so dürfte auch die 1,5-Meter-Faustregel wissenschaftlich gut untermauert sein. Sehen Sie selbst auf Pubmed.
Was ICH nicht mehr hören kann sind die, die sich von einer einfachen Gesichtsmaske schon gegängelt fühlen, und die nicht verstehen, dass die von Ihnen eingeforderte "Freiheit" immer die Freiheit des Gegenübers ist.

Grosser Klaus vor 5 Wochen

Es wäre sehr hilfreich, wenn die einzelnen Bundesländer zeitnah einen umfassenden Lagebericht zu den Ereignissen, Entscheidungen und Fakten der letzten Monate veröffentlichten würde. Also nicht nur Zahlen und Verordnungen, sondern mal eine gründliche Aufarbeitung, was, wann zu welchen Entscheidungen geführt hat. Etwas wo man auch nachvollziehen kann, warum es ist wie es ist. Ähnlich wie die AGES in Österreich regelmäßig einen sehr ausführlichen Situationsbericht herausgibt.
In Österreich wurden bereits mehrfach COVID-19 Studie durchgeführt.
Und in Deutschland?
Wo aber finde ich denn entsprechende konkrete Zahlen, dass Social Distancing und vielleicht auch die Maskenpflicht effektiv ist?
Wie viele Neuinfektionen, wurden durch diese Corona-Maßnahmen konkret verhindert?
Gibt es etwa zur Effektivität der Corona-Maßnahmen keine konkreten Zahlen?

Freies Moria vor 5 Wochen

Hallo MDR-Team: Mein Rauch-Argument und das von Prof. Kekulé schließen sich nicht aus.
Eine FFP3 Maske filtert bestimmte Aerosolgrößen aus, die für die Viren wichtig sind - sofern die FFP3 Maske wirklich dicht getragen wird, und dann auch nur wenige Stunden lang.
Bei Alltagsmasken strömt die Luft ungehindert außen herum ein und aus - deshalb riechen Sie keinen wirklichen Unterschied und die Aerosole mit Virus kommen auch auf diesem Weg hinein und hinaus.

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