Live auf Instagram 30 Jahre Mauerfall: Den 9. November in Echtzeit noch einmal erleben

Der 9. November 1989 ist ohne Zweifel einer der wichtigsten Tage in der deutschen Geschichte. Es ist der Tag des Mauerfalls, der sich kommende Woche zum 30. Mal jährt – und an den bundesweit erinnert wird. Bei MDR SACHSEN-ANHALT können User den 9. November in Echtzeit noch einmal erleben – und zwar bei Instagram.

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Luca Deutschländer, MDR SACHSEN-ANHALT

Journalisten und Grenzbeamte umringen am 09.11.1989 in Helmstedt (Niedersachsen) den Wartburg der Ärztin Annemarie Reffert, die als erste DDR Bürgerin die zuvor angekündigte Reisefreiheit testet und ungehindert über den Grenzübergang der A2 in Helmstedt fährt.
Zeitgeschichte: Annemarie Reffert (rechts) und ihre Tochter Juliane testeten am 9. November 1989 als erste DDR-Bürger die von Schabowski verkündete Reisefreiheit. Das Bild zeigt sie in ihrem Wagen, umringt von Reportern, am Grenzübergang Marienborn. Bildrechte: MDR/Collage/dpa

9. November 1989. Als Juliane Reffert und ihre Mutter Annemarie an diesem Donnerstagabend in ihrem Wartburg unterwegs sind, ist es schon dunkel. Mutter und Tochter, beide aufgewachsen und zu Hause in Vogelsang bei Gommern, haben sich an diesem Abend etwas vorgenommen: Sie wollen in die Bundesrepublik Deutschland fahren. Es ist 21:20 Uhr, als sie mit ihrem Wagen auf den Grenzposten zufahren und den ahnungslosen Grenzer darum bitten, in die BRD fahren zu dürfen – aus reiner Neugier, wohlgemerkt.

Es wird ihnen gelingen.

Heute gelten Juliane und Annemarie Reffert als erste DDR-Bürger, die die Grenze an diesem Tag überquert haben. Es waren die weltberühmten Worte von SED-Funktionär Günter Schabowski, die Mutter und Tochter damals überhaupt auf die Idee gebracht hatten. Reisefreiheit für DDR-Bürger? Das konnte sich kaum einer vorstellen. Doch es war Realität. Wenig später fiel die Mauer.

30 Jahre danach: Den 9. November in Echtzeit noch einmal erleben

Eine besondere Geschichte, keine Frage. Da überrascht es wenig, dass über die Erinnerungen beider Frauen schon in einigen Medien erzählt worden ist. Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls kommenden Sonnabend wird MDR SACHSEN-ANHALT die Geschichte der Refferts erneut aufgreifen – allerdings auf andere Art und Weise, als bislang bekannt. Die User können den Tag von Juliane live bei Instagram erleben und Revue passieren lassen. Dort erzählt MDR SACHSEN-ANHALT in Echtzeit über 9. November aus Sicht der Refferts – ganz so, als hätte Juliane damals Instagram nutzen können. Juliane Reffert war damals 15 Jahre. MDR SACHSEN-ANHALT wird den Tag aus ihrer Perspektive nacherzählen.

Ein ähnliches Projekt hatte die Redaktion 2012 bei Twitter umgesetzt. Dass MDR SACHSEN-ANHALT sich nun für Instagram entschieden hat, hat einen ganz einfachen Grund: "Instagram ist das soziale Netzwerk, das am stärksten wächst", erzählt Olga Patlan. Sie ist Online-Redakteurin bei MDR SACHSEN-ANHALT und für das Projekt verantwortlich. "Instagram boomt. Außerdem erreichen wir da die jungen Menschen – die Leute also, die den Mauerfall nicht bewusst miterlebt haben."

Instagram – mehr als schöne Bilder

Olga Patlan im MDR Landesfunkhaus Magdeburg
Zuständig für das Projekt: MDR SACHSEN-ANHALT-Online-Redakteurin Olga Patlan Bildrechte: Gaby Conrad

Anfangs hauptsächlich für schöne Fotos oder niedliche Tierfilmchen genutzt, finden sich auf der Fotoplattform inzwischen immer mehr Nachrichten oder Erklärstücke. Auch MDR SACHSEN-ANHALT setzt seit mehr als einem Jahr auf Erklärelemente bei Instagram – mit Erfolg. Nun also der nächste Schritt: Instagram als Plattform, um ein Stück Zeitgeschichte hautnah zu erzählen.

Um die Geschichte möglichst detailgetreu darstellen zu können, hat Redakteurin Olga Patlan in den vergangenen Monaten viel recherchiert. Sie hat sich mit Juliane und Annemarie Reffert getroffen und mit ihnen über den 9. November 1989 gesprochen, hat sich an der Gedenkstätte Marienborn informiert, außerdem Dokus angesehen und in Archiven gelesen. Aufbauend auf die Recherche ist ein sehr konkreter Plan entstanden, den Tag in Echtzeit und mit Schauspielern nachzuerzählen.

Den 9. November noch einmal erleben – Was wir auf Instagram planen

Den Tag von Juliane und Annemarie Reffert in Echtzeit zu begleiten, bedeutet: Es geht früh los. Um 5:50 Uhr, um genau zu sein. Um diese Zeit hat am 9. November 1989 der Wecker von Juliane Reffert geklingelt. Also wird am 9. November 2019 in der Instagram-Story von MDR SACHSEN-ANHALT der erste Slide um 5:50 Uhr hochgeladen. Genau 30 Jahre danach. So geht es Eintrag für Eintrag weiter, bis Juliane und Annemarie Reffert am Abend gegen 21:20 Uhr die Grenze überqueren und in der Bundesrepublik Deutschland sind. Enden wird die Geschichte schließlich wieder in der Wohnung der Refferts – am Abend zu den Tagesthemen, in denen Hajo Friedrichs die offene Grenze in Berlin vermeldet.

Bereits ab Sonntag, 3. November, wird es auf dem Instagram-Account von MDR SACHSEN-ANHALT einen Countdown geben.

Juliane Reffert wird von der 13-jährigen Charlotte Sobottka von der Kinderschauspielschule Magdeburg gespielt, ihre Mutter Annemarie von Charlottes Mutter Franziska. Mutter und Tochter spielen also Mutter und Tochter. Beide haben im Oktober vor der Kamera gestanden – im Wartburg am früheren Grenzübergang Marienborn oder in einer DDR-Wohnung in Magdeburg. An beiden Orten sind die Szenen gedreht worden.

Vier Schauspieler stehen rund um einen Wartburg an der Gedenkstätte Marienborn.
Beim Dreh an der Gedenkstätte Marienborn: Charlotte Sobottka (Zweite von links) als Juliane und ihre Mutter Franziska Sobottka als Annemarie Reffert. Außerdem im Bild: die MDR SACHSEN-ANHALT-Redakteure Fabian Frenzel (links) und Luca Deutschländer als Grenzsoldaten der NVA Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Redakteurin Olga Patlan betont, warum die Geschichte der Refferts so wichtig ist: "Wenn über den Mauerfall berichtet wird, geht es oft um Berlin. Wir wollen daran erinnern, dass auch Marienborn eine wichtige Rolle gespielt hat und dass die beiden Frauen die ersten Mutigen waren." Marienborn ist schließlich der größte und bedeutendste innerdeutsche Grenzübergang gewesen.

Eine junge Frau mit Brille in den 80ern
Aus dem Archiv: Das Bild zeigt Juliane Reffert 1989 Bildrechte: Juliane Reffert

Deshalb sei auch das persönliche Gespräch mit Juliane und Annemarie Reffert so wichtig gewesen. Das mache es möglich, die Geschichte sehr viel realitätsgetreuer nachzuerzählen. "Mein Ziel war, ein Gefühl für die beiden Frauen zu bekommen", erzählt die Redakteurin. Natürlich hat sie Juliane und Annemarie Reffert auch gefragt, was ein Tag dieser 9. November 1989 für beide war. Die Antwort von Juliane Reffert fiel unspektakulär aus. Der Tag selbst sei bis auf den Abend und die Fahrt über die Grenze so gewöhnlich gewesen, dass sie sich nur in Bruchstücken daran erinnern könne, erzählte Juliane Reffert.

An das Gefühl und die Stimmung von damals erinnern

MDR SACHSEN-ANHALT-Redakteurin Olga Patlan hat bei der Recherche und Umsetzung des Projekts viel gelernt. Schließlich ist sie selbst zu spät geboren, um sich bewusst an den Mauerfall und die Stimmung damals erinnern zu können. Die Recherche und viele Interviews haben es ihr aber möglich gemacht, sich in die Protagonisten hereinzudenken. Dieses Gefühl wollen Patlan und ihr Team nun den MDR SACHSEN-ANHALT-Usern weitergeben.

Auch Juliane und Annemarie Reffert werden dann ganz genau hinsehen und ihren 9. November 1989 noch einmal Revue passieren lassen – bei Instagram und im wahren Leben. Beide werden am Sonnabend die Gedenkstätte Marienborn besuchen – und den Fall der Mauer 30 Jahre zuvor noch einmal feiern.

Der 9. November bei MDR SACHSEN-ANHALT

Neben der Echtzeit-Berichterstattung auf Instagram wird sich MDR SACHSEN-ANHALT am 9. November live per Facebook von der Gedenkstätte Marienborn melden. Außerdem wird das Fernsehmagazin SACHSEN-ANHALT HEUTE ab 19 Uhr live von der Gedenkstätte gesendet. Auch im Hörfunk wird das Gedenken an den 9. November 1989 und die Feier zum 30. Jahrestag des Mauerfalls eine Rolle spielen.

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Luca Deutschländer arbeitet seit Januar 2016 bei MDR SACHSEN-ANHALT – in der Online-Redaktion und im Hörfunk. Seine Schwerpunkte sind Themen aus Politik und Gesellschaft. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat der gebürtige Hesse bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine in Kassel gearbeitet. Während des Journalistik-Studiums in Magdeburg Praktika bei dpa, Hessischem Rundfunk, Süddeutsche.de und dem Kindermagazin "Dein Spiegel". Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind das Schleinufer in Magdeburg und der Saaleradweg – besonders rund um Naumburg. In seiner Freizeit steht er mit Leidenschaft auf der Theaterbühne.

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Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 22. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. November 2019, 10:51 Uhr

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