#MDRklärt Mundschutz in Bus und Bahn – wieso Kontrollen schwierig sind

Wer mit Bus und Bahn in Sachsen-Anhalt unterwegs ist, muss laut Landesverordnung weiterhin einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Aber nicht jeder hält sich daran. Kontrollen könnten helfen. Doch Ausnahmen, verschiedene Zuständigkeiten und Befugnisse machen die Sache kompliziert.

Ein Mann sitzt mit Mundschutz und Handy in einer Strassenbahn in Magdeburg.
Mund-Nase-Bedeckung in der Straßenbahn – im Sommer nicht angenehm, laut Landesverordnung aber Pflicht und unter Infektionsschutz-Aspekten geboten. Bildrechte: imago images/Christian Schroedte

Wer muss eine Maske tragen und wer nicht?

Das regeln nicht die Verkehrsbetriebe selbst, etwa durch ihre Beförderungsbedingungen, sondern das Land Sachsen-Anhalt auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes.

Zugbegleiter der Deutschen Bahn tragen Gesichtsmasken am Bahnsteig kurz vor der Abfahrt eines ICE Zugs
Zugbegleiter bei der Bahn müssen einen Mundschutz tragen – denn sie sind innerhalb des Zuges unterwegs. Bildrechte: imago images / Jochen Eckel

Laut Landesverordnung muss seit dem 23. April in Sachsen-Anhalt im öffentlichen Nahverkehr sowie beim Einkaufen ein Mundschutz getragen werden. Konkret lautet die aktuelle Formulierung: "Jede Nutzerin und jeder Nutzer des ÖPNV und öffentlicher Fernverkehrsmittel hat eine textile Barriere im Sinne einer Mund-Nasen-Bedeckung … zu tragen."

Doch es gibt Ausnahmen: Kinder bis 6 Jahre, Schwangere, Gehörlose und Schwerhörige sowie Menschen mit gesundheitlichen Problemen gehören unter anderem dazu. Ein Attest ist laut Landesverordnung nicht nötig – es muss lediglich glaubhaft gemacht werden, dass eine Ausnahmeregel greift. Auch Fahrer im ÖPNV sind von der Mundschutz-Pflicht befreit. Sie sitzen separiert von den Fahrgästen.

Wie sinnvoll ist es, in Bus und Bahn eine Maske zu tragen?

Ein wesentlicher Übertragungsweg des Corona-Virus ist die Tröpfcheninfektion durch Tröpfchen in der Atemluft, sogenannte Aerosole. Die Mund-Nase-Bedeckung ist fällig, weil in Bussen und Bahnen der geforderte Mindestabstand zwischen Personen in der Regel nicht eingehalten werden kann. Er dient vor allem dem Schutz Dritter. Die Stoffbarriere soll verhindern, dass ein potenziell infizierter Träger beispielsweise durch Husten oder Sprechen grobe Tröpfchen mit Virus in seinem direkten Umfeld verteilt.

Die Bedeckung kann somit helfen, eine Ausbreitung des SARS-​CoV-2 weiter einzudämmen. Darauf weist auch das Robert-Koch-Institut hin. Voraussetzung sei, dass genügend Menschen so einen Schutz tragen. Es gehe vor allem darum, Risikogruppen vor einer Infektion zu schützen. Das RKI mahnt, dass Masken weder im Gesicht zurechtgezupft noch um den Hals getragen werden sollten.

In Bussen und Bahnen werden Fahrgäste zudem mit Aushängen, Schildern in den Fahrzeugen und/oder Durchsagen daran erinnert, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

#MDRklärt Pro/Contra Mundschutz

Pro/Contra Mundschutz
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Pro/Contra Mundschutz
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Masken schützen andere vor dem Virus.
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Die meisten Masken schützen nicht den Träger. So kann ein falsches Gefühl von Sicherheit entstehen.
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Je mehr Menschen Masken tragen, desto mehr Menschen sind geschützt
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Mundschutzmasken sind Mangelware und werden von Medizinern benötigt.
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Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 31. März 2020 | 14:00 Uhr

Quelle: MDR/mx
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Pro/Contra Mundschutz
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Reichen Durchzug und Klimaanlage in Bus und Bahn nicht aus?

Nein. Lüften und aktive Klimaanlagen tragen zwar dazu bei, mögliche Corona-Aerosole zu verdünnen beziehungsweise zu verwehen. Wie stark und schnell ein Durchzug-Effekt ist, hängt jedoch von der Wetter- und Verkehrssituation ab und ist somit nicht mit Sicherheit vorhersehbar. Zudem kann Durchzug auch Viruspartikel aufwirbeln.

Bei Klimaanlagen gibt es eine zeitliche Verzögerung. Laut Deutscher Bahn dauert es etwa 7,5 Minuten, bis die Luft eines ganzen ICE-Zuges ausgetauscht ist. Sie weist zudem darauf hin, dass durch die Luftbewegung mittels Klimaanlage keine Verbreitung von Viren stattfindet.

Doch trotz eines Luftaustausches kann in der Regel kein Mindestabstand zwischen Fahrgästen in Bus und Bahn eingehalten werden – womit ein Mund-Nase-Schutz geboten bleibt.

Wie viele Fahrgäste halten sich an die Maskenpflicht?

Die Hallesche Verkehrs AG (HAVAG) teilt auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT mit, die Mundschutz-Pflicht würde "annähernd zu 100 Prozent" durch ihre Fahrgäste eingehalten.

Die Regeln zum Tragen eines Mund- Nasenschutzes werden annähernd zu 100 % durch unsere Fahrgäste in den Fahrzeugen der HAVAG eingehalten.

Iris Rudolph | Pressesprecherin der Stadtwerke Halle

Das scheint allerdings nicht die Regel zu sein. In Sozialen Netzwerken werden hitzige Debatten zu Maskenpflicht-Verstößen in Bussen und Bahnen geführt. So kritisierte zuletzt auch ein Magdeburger Straßenbahnfahrer die mangelnde Disziplin der Fahrgäste und erhielt dafür Bestätigung.

Die MVB erklärten MDR SACHSEN-ANHALT, die große Mehrheit der Fahrgäste verhalte sich vorbildlich und trage eine Mund-Nasen-Bedeckung. Lediglich in weniger stark besetzten Fahrzeugen hielten sich nicht alle an die Vorgaben. Gleichwohl verweist das Unternehmen auf die geltenden Ausnahmen.

Wer kontrolliert, ob alle Fahrgäste Masken tragen?

Laut Landesverordnung sind es die "Leistungserbringer" selbst (§3, Absatz 3). Sie sollen überwachen und bei Nichtbeachtung dafür sorgen, die jeweilige Person sogar "von der Beförderung auszuschließen".

Ein Mann sitzt auf dem Weg zur Arbeit in einer Straßenbahn und trägt einen Mundschutz.
In Bussen und Bahnen wird die Maskenpflicht in der Regel nur bei Fahrscheinkontrollen überprüft. Bildrechte: dpa

In der Praxis in Sachsen-Anhalt stellt sich das so dar: Ein Bus- und Straßenbahnfahrer selbst "kann das nicht tun", so die Magdeburger Verkehrsbetriebe bei Twitter. Auf MDR-Nachfrage erklärt das Unternehmen, man sehe es "als Aufgabe der Ordnungsbehörden an, die Tragepflicht zu kontrollieren, da es sich um eine hoheitliche Aufgabe handelt". Allerdings: "Kontrollen zur Tragepflicht werden im Rahmen der normalen Fahrscheinkontrolle durchgeführt", so die MVB.

Auch die HAVAG erklärt, dass nur das zusätzliche Prüfpersonal die Maskenpflicht kontrolliere. Bei der Deutschen Bahn achten die Zugbegleiter laut Unternehmen bei der regelmäßigen Ticketkontrolle darauf, ob die Fahrgäste einen Mundschutz tragen.

Die tatsächliche Kontrolle, ob Fahrgäste in Bus und Bahn Mundschutz tragen, kann folglich nur mit mehr Personal verbessert werden. Die HAVAG äußerte sich auf MDR-Nachfrage nicht dazu, inwieweit diese Kontrollen aufgestockt wurden. Laut MVB wurde Anfang Juni ein Mobilteam eingesetzt, um zusätzlich an die Tragepflicht zu erinnern. Derweil haben die Verkehrsunternehmen wegen stark eingebrochener Fahrgastzahlen ab März enorme Einnahmeverluste zu schultern.

Was passiert, wenn Fahrgäste keine Maske tragen?

Solange in Bussen und Straßenbahnen keine zusätzlichen Kontroll-Mitarbeiter unterwegs sind, müssen Fahrgäste ohne Mund-Nase-Schutz derzeit nicht mit Konsequenzen rechnen – von bösen Blicken einiger Mitreisenden abgesehen.

Hinweistafel zum Verhalten in einer Bahn
Hinweise auf Hygiene-Regeln gehören derzeit im ÖPNV dazu. Bildrechte: MDR/André Plaul

Anders ist die Situation bei der Fahrscheinkontrolle: "Uneinsichtige Fahrgäste, die bei einer Kontrolle nicht glaubhaft nachweisen können, von der Verordnung ausgenommen zu sein und mit Vorsatz ohne Maske unsere Fahrzeuge nutzen, schließen wir von der Beförderung aus", so die MVB. Wie häufig das passiert – dazu gibt es keine Zahlen.

Die HAVAG verweist auf MDR-Nachfrage auf "Einzelfälle", in denen Fahrgäste aus Bus oder Bahn geworfen worden seien, weil die Maskenpflicht nicht eingehalten wurde.

Die Deutsche Bahn erklärt, wenn Zugbegleiter auf einen Mitfahrer ohne Mund-Nase-Schutz trifft, dann "wird er diesen auf die Tragepflicht hinweisen". Das Unternehmen sei nicht befugt, Verstöße zu sanktionieren, heißt es. Bei Konfliktfällen kann jedoch etwa die Bundespolizei hinzugezogen werden.

Wieso gibt es keine härteren Strafen gegen Maskenverweigerer?

In Berlin droht Maskenverweigerern ab dem 27. Juni ein Bußgeld von 50 bis 500 Euro. Damit wird die Angelegenheit zur Ordnungswidrigkeit – und es gelten andere Regeln.

Für Sachsen-Anhalt würde das bedeuten, dass laut Verordnung dann die Gesundheitsbehörden diese Verstöße verfolgen und ahnden müssen. Für Berlin stellt es sich somit so dar, dass etwa die Bundespolizei – sie ist für Bahn-Angelegenheiten zuständig – die Bußgelder nicht verhängen wird, weil sie nicht zuständig ist. Sie könne bei Verstößen lediglich Personalien aufnehmen und diese an die Gesundheitsämter weiterleiten, so eine Sprecherin auf RBB-Anfrage. Die Gewerkschaft der Polizei erklärte, sie werde bei Kontrollen unterstützen, das sei aber nicht flächendeckend möglich.

Eine Sprecherin der HAVAG erklärte MDR SACHSEN-ANHALT, das Unternehmen begrüße so eine Bußgeld-Regel für Sachsen-Anhalt grundsätzlich, "für mehr Disziplin im ÖPNV".

Auch die MVB stellt auf Nachfrage klar, dass sie, falls auch in Sachsen-Anhalt ein Bußgeld eingeführt wird, nicht befugt sei, dies bei Verstößen einzutreiben.

Wo Kontrollen nicht stattfinden und Strafen nicht abschrecken, bleibt somit nur der Appell an die Fahrgäste, die Regeln einzuhalten. Die Berliner Verkehrsbetriebe fassen dies auf ihren Social-Media-Kanälen so zusammen:

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Quelle: MDR/ap

22 Kommentare

Grosser Klaus vor 1 Wochen

Die Stadt Jena macht bis heute keine Angaben zu:
- Gesamtzahl der positiven bzw. negativen Testungen,

- Die sprunghafte Entwicklung,

- Die Fallverteilung,

- Sind Mehr Frauen als Männer betroffen,

- Die Infektionsursachen,

- Die Altersverteilung,

- Die Krankheitsverläufe.

Im Übrigen ist das Klinikum, das Universitätsklinikum Jena und hat somit der Stadt Jena und seiner Stadtverwaltung nichts zu tun!
Das Universitätsklinikum Jena hat im Unterschied zur Stadt Jena, eine hervorragende Arbeit geleistet.

Grosser Klaus vor 1 Wochen

Es ist nicht nur das verfehlte Corona-Krisenmanagement, sondern auch die verfehlte Finanzpolitik der Jenaer Stadtregierung. Das trotz der Haushaltssperren im August 2019 und im Januar 2020, der Vertrag für den Neubau des Stadions im März 2020 unterzeichnet wurde zeigt, dass es in der Stadt Jena nicht mit rechten Dingen zugeht.

Grosser Klaus vor 1 Wochen

Die Datenlage ist auch nach zirka sechs Monaten des Ausbruches von Covid-19 sehr schlecht.
Es stellt sich also nicht die Frage, ob man den Analysen glauben kann, diese Analysen gibt es schlichtweg nicht.
Ausgenommen die sehr gute Heinsberg-Studie von Hendrik Streeck.

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