Obst und Gemüse in einem Lagerraum in der Tafel in Zeitz
Jeder vierte Tafelkunde ist Rentner. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Altersarmut Mehr Rentner nutzen die Tafeln

Die Tafeln in Sachsen-Anhalt beobachten zunehmend Rentner unter ihren Kunden. Bei vielen Senioren reicht die Rente nicht, sodass sie auf Lebensmittelspenden angewiesen sind. Die Gründe liegen meist in der Erwerbsbiografie.

Obst und Gemüse in einem Lagerraum in der Tafel in Zeitz
Jeder vierte Tafelkunde ist Rentner. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Jeder vierte Tafelkunde in Sachsen-Anhalt ist im Rentenalter. Wie der Vorsitzende des Landesverbands der Tafeln, Andreas Steppuhn, MDR SACHSEN-ANHALT sagte, ist die Tendenz steigend. "Wir haben zunehmend Menschen, die als Neukunden zu den Tafeln kommen", sagte Steppuhn, der für die SPD im Magdeburger Landtag sitzt. Vielen Neukunden reiche die Rente nicht aus. Steppuhn sagte, wer arbeitslos war oder zu Niedriglöhnen gearbeitet habe, bekomme eine Rente, die nicht höher als die Grundsicherung sei. "Und genau da liegt das Problem." Die Politik müsse entgegensteuern, findet Steppuhn. Er hoffe mit Blick auf die Sondierungsgespräche in Berlin, dass sich bei den Renten etwas tue. Das Rentenniveau solle erhöht oder so stabilisiert werden, dass es nicht weiter absinke.

Essen gegen einen Schein vom Sozialamt

Die Leiterin der Magdeburger Tafel, Anja Rohrbeck, bestätigte das Problem. Sie sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Kunden im Rentenalter kämen nicht mit ihrer Rente aus. Einige bekämen Grundsicherung oder Wohngeld hinzu gezahlt, andere wiederum bekämen keine zusätzlichen Zahlungen. Sie bekämen einen Schein vom Sozial- und Wohnungsamt, der sie zum Einkauf bei der Tafel berechtige. In Sachsen-Anhalt gibt es in 28 Orten Tafeln, die Anlaufstellen für Bedürftige bieten.

Die Tafeln Deutschlandweit gibt es mehr als 900 Tafeln mit rund 2.100 Tafel-Läden und Ausgabestellen. Bei ihnen engagieren sich circa 60.000 ehrenamtliche Mitarbeiter. Alle zusammen versorgen sie mehr als 1,5 Millionen Menschen mit Lebensmitteln, die sie als Spenden im Handel und bei Herstellern gesammelt haben.

Zu den Tafel-Nutzern zählen vor allem Langzeitarbeitslose, darunter viele Alleinerziehende und Migranten, aber auch zunehmend Rentner und Geringverdiener. Knapp ein Drittel sind nach Angaben der Tafeln Kinder und Jugendliche, die Hälfte Erwachsene im berufsfähigen Alter und ein Viertel im Rentenalter. Die Tafeln finanzieren sich ausschließlich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. Verteilt werden hauptsächlich Lebensmittel, in kleineren Mengen auch Kleidung, Spielsachen und Bücher. Einige Tafel-Stellen bieten auch warme Mahlzeiten an oder beliefern soziale Einrichtungen. Die Tafel-Idee stammt aus den USA.

Quelle: MDR/ap

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | Mittagsreport | 09. Januar 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2018, 20:55 Uhr

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31 Kommentare

10.01.2018 22:52 Udo K 31

@ Normalo 26
Können Sie eigentlich selbst noch zählen, wie oft Sie immer dieses eine Beispiel hier anbringen?
Wie wäre es mit weiteren?
Und was hat das mit dem Artikel zu tun?

Deutschland ist mal ein Land gewesen, wo jeder gut und gerne leben konnte.
Es ist ein Armutszeugnis sondergleichen, wenn Rentner nach einem Arbeitsleben "betteln" gehen müssen, nichts anderes ist das Leben von Tafeln.

10.01.2018 18:14 Dada 30

Es ist schon ganz schön traurig und beschämend das in einem ach so reichen Land immer mehr Menschen und vor allem Rentner zur Tafel müssen. Aber diese Menschen haben keine Lobby und sind für diesen Staat nicht mehr wichtig. Sie bringen keine Werte mehr und Kosten nur. Aber gerade diese haben für den Reichtum des Landes viel beigetragen. Aber leider ist in den letzten Jahren die Menschlichkeit hier abhanden gekommen.

10.01.2018 17:24 Kritischer Bürger 29

@wwdd 9: NUR HINKOMMEN MÜSSEN DIE ARMEN und ALTEN LEUTE=RENTNER oder sich auf Andere verlassen, die wiederum selten etwas für nichts tun! Kommen Sie mal auf ein Dorf und dann wiederholen Sie Ihre Worte noch einmal! *** MDR-Anmerkung zu Kom.25: Wie viel an Geld wurde diesen freiwillig in die Heimat gehenden Menschen mit auf den Weg gegeben? ** Ich selbst würde dafür stimmen das aus den gesamten Einkommen, also vom Bundeskanzler(in) bis zu den Jobbern eine Durchschnitt zu errechnen ist und dieses Ergebnis Maßgabe sein möchte wie hoch die Grundsicherung dann ist. Die liegt dann sicher auch bei den heute armen Rentnern bei gute 1500 Euro/monatl. aufwärts. Damit könnte man leben und wo die Rentenbeiträge nicht reichen haben die betreffenden Politiker aus Steuergeldern den fehlenden Betrag für diese armen Bürger/Rentner auszugleichen. Bei soviel Steuereinnahmesteigerung (Steigerung der BIP) der letzten Jahre dürfte das doch kein Problem bedeuten!

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