Porträtaufnahme des Germanisten Ulrich Wenner von der Uni in Halle.
Dr. Ulrich Wenner arbeitet an der Martin-Luther-Universität in Halle als Germanist. Bildrechte: Markus Scholz/Universität Halle

Neues Wörterbuch Muggel, kisefretsch und Co.: Mittelelbischen Wörtern auf der Spur

Mittelelbisch – Deutsch, Deutsch – Mittelelbisch: In einem neuen Wörterbuch über das in Sachsen-Anhalt gängige Mittelelbische tauchen jede Menge Wörter auf, die vom Aussterben bedroht sind – weil sie nur noch in einigen wenigen Regionen und Orten genutzt werden. Der Germanist Ulrich Wenner von der Universität in Halle hat für MDR SACHSEN-ANHALT einige Beispiele zusammengetragen – Übersetzung inklusive.

Porträtaufnahme des Germanisten Ulrich Wenner von der Uni in Halle.
Dr. Ulrich Wenner arbeitet an der Martin-Luther-Universität in Halle als Germanist. Bildrechte: Markus Scholz/Universität Halle

Ulrich Wenner sammelt mit seinen Kollegen Wörter die vom Aussterben bedroht sind – das macht Wenner, von Beruf Germanist an der Martin-Luther-Universität in Halle, schon seit fast 30 Jahren. Zwei Bände des "Mittelelbischen Wörterbuchs" sind seitdem schon erschienen, von den Buchstaben A bis P. Nun gibt es die Sammlung alter mittelelbischer Begriffe auch im Internet.

Mit dabei sind auch diese fünf Begriffe, die Wenner exemplarisch für MDR SACHSEN-ANHALT übersetzt hat.

Heilebar, der

Blaue Grafik mit mittelelbischem Begriff samt hochdeutscher Übersetzung und Erklärung
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Wer auf den Spuren des mittelelbischen Wortes Heilebar ist, der sollte nach Meinung von Ulrich Wenner diesen Kinderreim kennen: "Heilebart du Langbein, wenner wutt de wefglein, wenn de Rogge ripet, wenn de Müse pipet, wenn de Plaug tau Felle geit, wenn de Möle stille steit." Entnommen ist dieser Reim dem Wernigeröder Wörterbuch.

Ficke, die

Blaue Grafik mit mittelelbischem Begriff samt hochdeutscher Übersetzung und Erklärung
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

"Iss dich rund un digge, schdegge awwor nischd inne Figge": Was nach Angaben von Germanist Ulrich Wenner aus Aderstedt bei Bernburg kommt, kommt in anderen Redensarten auch als Wörtchen Ficke vor. Wer als geizig gilt, dem wird im Mittelelbischen demnach gern mal gesagt, er kann nicht mit'n Ellbogen in de Ficke kommen.

malheuren

Blaue Grafik mit mittelelbischem Begriff samt hochdeutscher Übersetzung und Erklärung
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Das mittelelbische Wörtchen malheuren hat Ulrich Wenner zufolge gleich mehrere Bedeutungen: Neben missraten kann es auch dafür stehen, dass Mensch oder Tier etwas zugestoßen ist – oder etwas unglücklich verlaufen ist. Beispiel: "Kochs is en Peerd mallört". Malheuren steht in diesem Zusammenhang für gestorben.

Muggel, die

Blaue Grafik mit mittelelbischem Begriff samt hochdeutscher Übersetzung und Erklärung
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Wenn eine Kröte im Keller herumsitzt, dann sagt man in Teilen des Jerichower Landes gern mal, de Muggel sitt in Kella und frett Müngng.

kisefretsch

Blaue Grafik mit mittelelbischem Begriff samt hochdeutscher Übersetzung und Erklärung
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Diesen Begriff kennt sicher so mancher, der im heutigen Altmarkkreis Salzwedel aufgewachsen ist. Da wird das Wörtchen kisefretsch nämlich ganz gern mal verwendet, sagt Ulrich Wennert.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29.11.2018 | 08:10 Uhr

Quelle: MDR/ld

Zuletzt aktualisiert: 29. November 2018, 20:54 Uhr

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4 Kommentare

30.11.2018 11:53 Erni01 4

Oder wie der Bördebewohner zu sagen pflegt: "Jeh mich wech von die Wiese, das is die Zicke sein Jrass!"

30.11.2018 11:24 realist 3

Spottdrossel: Warum soll soetwas nicht gepflegt werden. Unsere Sprache wird immer mehr verstümmelt, indem man alles "verenglischt".

30.11.2018 09:32 Vesperbrett 2

Lassen Sie anderen Menschen doch ihre Freude. Es kann doch jeder selbst entscheiden, womit er sich befassen möchte.