Streicherprobe in der Musikschule Querfurt
Die öffentlichen Musikschulen in Sachsen-Anhalt haben etwa 25.000 Schüler. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

#MDRklärt Wie es um die Musikschulen in Sachsen-Anhalt steht

In Halle haben Musikschüler beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" ihr Können gezeigt. Auch knapp 100 Schüler aus Sachsen-Anhalt waren unter den etwa 2.900 Teilnehmern. Wie steht es um die musikalische Ausbildung in Sachsen-Anhalt? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Streicherprobe in der Musikschule Querfurt
Die öffentlichen Musikschulen in Sachsen-Anhalt haben etwa 25.000 Schüler. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie viele Musikschulen gibt es in Sachsen-Anhalt?

Nach Angaben des Verbands deutscher Musikschulen (VdM), dem Dach- und Trägerverband der öffentlichen Musikschulen in Deutschland, gibt es in Sachsen-Anhalt 20 öffentliche Musikschulen. Hinzu kommen sechs private Musikschulen sowie private Musiklehrer.

Sind das genug Schulen?

Der Geschäftsführer des Landesmusikrats Sachsen-Anhalt, Claus Dietmar George, sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Von der Zahl her sind die Musikschulen in Sachsen-Anhalt erstmal ausreichend. Aber: Die Zahl der beschulten Kinder ist zu niedrig."

Wie viele Kinder in Sachsen-Anhalt besuchen eine Musikschule?

Nach Angaben im Statistischen Jahrbuch der Musikschulen des VdM von 2018 haben die öffentlichen Musikschulen in Sachsen-Anhalt 24.635 Schüler. Davon sind die meisten, genauer 20.710 Schüler, unter 19 Jahre alt. George sagt: "Nur etwa neun Prozent der Kinder in Sachsen-Anhalt besuchen eine öffentliche Musikschule, also nicht einmal jedes zehnte. Das sind viel zu wenige." Er nennt einen Vergleich: "In Baden-Württemberg etwa liegt der Anteil der Kinder, die an Musikschulen gehen, zwischen 66 und 80 Prozent." Das auch in Sachsen-Anhalt zu erreichen, sei im Moment ein unrealistisches Ziel. "Aber etwa 15 bis 20 Prozent der Kinder wollen wir unterrichten."

Die Anzahl der Kinder in Sachsen-Anhalt, die musikalisch ausgebildet werden, in den vergangenen Jahren gleich geblieben, sagt George. "Wir werten es durchaus als Erfolg, dass wir trotz des Geburtenrückgangs die Schülerzahlen halten konnten." Denn so sei der prozentuale Anteil der Kinder, die an Musikschulen sind, gestiegen.

Was ist der Hauptvorteil, wenn Kinder ein Instrument oder Singen lernen?

"Sie werden sensibler und sozialer", sagt George. "Denn sie lernen durch das Musizieren, sich gegenseitig zuzuhören. Außerdem lernen sie, Leistung bringen zu wollen – und dafür auch Entbehrungen hinzunehmen."

Was muss passieren, damit mehr Kinder musikalisch ausgebildet werden?

Ein erster Schritt wäre laut George, die Wartelisten abzubauen, die es an den Musikschulen gibt. Damit würden die Kinder Unterricht bekommen, bei denen selbst – oder bei deren Eltern – bereits Interesse vorhanden sei.

Wartelisten gibt es demnach, weil Musikschullehrer fehlen. "Das liegt daran, dass die Bezahlung hier zu niedrig ist, um die Lehrer zu halten", erklärt George. Hinzu komme, dass die meisten Lehrer in prekären Anstellungsverhältnissen seien. "Bisher wissen wir nur von Magdeburg, dass dort die Lehrer an Musikschulen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind." Häufig arbeiteten die Lehrer aber auf Honorarbasis.  

Wie werden Musikschulen vom Land finanziell gefördert?

Etwa 3,1 Millionen Euro gibt das Land jährlich für öffentliche Musikschulen aus. Hinzu kommen rund 400.000 Euro für den privaten Musikschulverband. In diesem Jahr wurden beide Beträge leicht erhöht: um 100.000 Euro für die kommunalen Musikschulen und 40.000 Euro für die privaten. Darüber hinaus finanzieren sich Musikschulen vor allem durch die Beiträge der Eltern und Gelder der Kommunen.

Die Fördermittel des Landes für die Musikschulen sind in den vergangenen Jahren nahezu konstant geblieben. Der Landesmusikrat will mehr Geld vom Land für Musikschulen. Das Problem dabei, Geld für den Sektor zu gewinnen, ist laut George: "Kultur gilt in der Politik als ein sogenannter 'weicher' Standortfaktor." Er gibt zu bedenken: "Wenn man zum Beispiel in Magdeburg oder Halle alle weichen Faktoren wegdenkt: Was bleibt dann von der Stadt übrig – abgesehen von einem Schlafplatz?"

Quelle: MDR/mh

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2019, 16:41 Uhr

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1 Kommentar

13.06.2019 23:19 Andreas Ilgenstein 1

Die Fakten!
1.) Keinen Cent Fördermittel für den regulären Musikunterricht in privaten Musikschulen
2.) Sechs private Musikschulen gibt fast schon alleine in Halle (Saale)
3.) 400.000 Euro für private Musikschulen? 66666,66 Euro pro Musikschule. Grimms Märchen.
Im Übrigen gibt es an privaten Musikschulen, in der Regel , keine Wartelisten. Man stelle sich doch mal einen Bäcker mit Warteliste vor. Wünschenswert währe eine Zusammenarbeit von privaten und staatlichen Musikschulen aber denn gäbe es auch keine Wartelisten mehr. Problem? Ja, aber nur für die staatlichen Musikschulen. Wie sollten sie dann ihre Forderungen nach mehr Geld begründen.

Ich heiße Andreas Ilgenstein und leite seit 18 Jahren die Musikschule „Robert Franz“ in Halle. Wenn Sie mehr Eindrücke aus der Realität möchten - Anruf genügt... (0345.388 92 61)
Mit freundlichen Grüßen A.Ilgenstein