Nur noch der Grenzstein erinnert an die ehemalige innerdeutsche Grenze, aufgenommen am 03.08.2006 auf dem Warteberg nahe Klettenberg bei Nordhausen.
40 Jahre lang war die Natur an der deutsch-deutschen Grenze sich selbst überlassen. Bildrechte: dpa

MDR-Umfrage Ehemaliger Grenzstreifen als Naturschutzgebiet?

Das sogenannte Grüne Band soll Nationales Naturmonument werden. Doch das stößt auf Widerstand: Manche sehen sich bereits enteignet, anderen kommen Erinnerungskultur und Natur zu kurz. MDR SACHSEN-ANHALT würde daher gerne von Ihnen wissen, ob der ehemalige Grenzstreifen vollständig Naturschutzgebiet werden sollte.

Nur noch der Grenzstein erinnert an die ehemalige innerdeutsche Grenze, aufgenommen am 03.08.2006 auf dem Warteberg nahe Klettenberg bei Nordhausen.
40 Jahre lang war die Natur an der deutsch-deutschen Grenze sich selbst überlassen. Bildrechte: dpa

MDR SACHSEN-ANHALT startet eine Umfrage zum Schutz des Grünen Bandes, dem ehemaligen deutsch-deutschen Grenzstreifen. Fast 40 Jahre lang war die innerdeutsche Grenze für DDR-Bürger unüberwindbar. Sicherheitszäune, Selbstschussanlagen und Minenfelder machten sie zu einer der am besten bewachten Grenzen der Welt. Mindestens 684 Menschen verloren an ihr bei Fluchtaktionen aus der DDR ihr Leben. Die Natur hingegen konnte sich dort über die Jahre entfalten. Vier Jahrzehnte waren Flora und Fauna sich selbst überlassen und so verwandelte sich der Grenzstreifen in ein Biotop-System von 1.400 Kilometern Länge.  

Vom Todesstreifen zum Naturschutzgebiet

Nach dem Mauerfall vor 30 Jahren hätte der Todesstreifen zum längsten Naturschutzgebiet Deutschlands werden können. Doch Behördenwirrwarr und Bürokratie verhindern das einzigartige Öko-Projekt. Stattdessen entstehen an vielen Stellen Gewerbegebiete und Ackerflächen.

Die größten Lücken in diesem als "Grünes Band" bezeichneten Gebiets klaffen in Sachsen-Anhalt. Das soll sich seit 2016 ändern und das Biotop soll geschützt werden. Im aktuellen Koalitionsvertrag des Landes steht die Ausweisung des Grünen Bandes als Nationales Naturmonument festgeschrieben. Doch das stößt auf Widerstand: Land- und Forstwirte sowie Privateigentümer sehen sich bereits enteignet. Anderen dagegen kommen Erinnerungskultur und Natur zu kurz. Wie ist Ihre Meinung dazu? Stimmen Sie jetzt ab:

Die Ergebnisse der Umfrage werden am 25. September bei MDR SACHSEN-ANHALT bekanntgegeben und fließen in die Sendung "Exakt - Die Story" ein.

Gesetz führte zum Koalitionskrach

Im Sommer 2019 drohte daran gar die schwarz-rot-grüne Koalition im Magdeburger Landtag zu zerbrechen. Die CDU stellte sich hinter Landwirte und Eigentümer von Flächen im Grünen Band, die Grünen warfen der CDU wiederum Blockade vor. Sie hatten mit einem Ultimatum sogar damit gedroht, die Koalition mit CDU und SPD platzen zu lassen. Erst nach mehrfacher Prüfung durch Landtagsjuristen einigte sich die Koalition darauf, einen Gesetzentwurf gemeinsam in den Landtag einzubringen.

Dieser ist mittlerweile verabschiedet und die Landesregierung hofft, den ehemaligen Grenzstreifen bis zum 9. November, dem 30. Jahrestag des Mauerfalls, als Nationales Naturmonument doch noch auszuweisen.

Was ist Ziel des Gesetzes?

Das geplante Gesetz mit dem Namen "Grünes Band der Erinnerung Sachsen-Anhalt – vom Todesstreifen zur Lebenslinie" soll die Grünflächen am ehemaligen Todesstreifen zum Nationalen Naturmonument aufwerten und seltene Tier- und Pflanzenarten besonders schützen. Die neue Schutzgebietskategorie Naturmonument wurde 2009 ins Bundesnaturschutzgesetz eingefügt. In Sachsen-Anhalt hat das "Grüne Band" allerdings noch Lücken.

Etwa ein Drittel der Flächen sind nach Angaben des Umweltministeriums noch nicht in öffentlicher Hand. Dort wird Ackerbau betrieben oder sie gehören privaten Waldbesitzern.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt - Die Story | 25. September 2019 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2019, 10:36 Uhr

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2 Kommentare

17.07.2019 09:30 lummox 2

schaut lieber in die zukunft, nicht in die vergangenheit, denn ganauso könnte man verlangen an jeder ecke für staatlich begangene verbrechen aller zeiten irgendwelche gedenksteine zu errichten, so z.b. für die mutigen deserteure der weltkriege. besser noch sollte man das innere gedenken fördern, aber in materiell geprägten zeiten scheint das nicht zur debatte zu stehen.

16.07.2019 10:50 part 1

Die Flächen waren doch spätestens 1945 der Enteignung anheim gefallen, also in Staatsbesitz und dort sollten sie auch bleiben aus Gründen des Landschafts- und Umweltschutzes. Ein Biotop, das ganz Deutschland durchzieht sollte nicht vernichtet werden sondern unter Schutz gestellt werden. Bereits als die Grenze noch existierte gab es dort eine hohe Artenvielfalt, deren Erhalt wichtiger ist als die Interressen von ein paar Neujunkern. Die Fehler wie sie in Berlin gemacht wurden, sollten an der einstigen grünen Grenze nicht wiederholt werden.