Klinikpersonal, aufgenommen in der Notaufnahme.
Sachsen-Anhalt ist weiter Spitzenreiter bei der Zahl der Herztoten (Symbolbild). Bildrechte: dpa

Herzbericht Sachsen-Anhalter sind besonders herzkrank

In Sachsen-Anhalt sterben gemessen an der Einwohnerzahl bundesweit die meisten Menschen an Herzkrankheiten, wie eine neue Statistik zeigt. Auch gibt es hier weniger Kardiologen als in anderen Bundesländern.

Klinikpersonal, aufgenommen in der Notaufnahme.
Sachsen-Anhalt ist weiter Spitzenreiter bei der Zahl der Herztoten (Symbolbild). Bildrechte: dpa

In Sachsen-Anhalt sterben – gemessen an der Einwohnerzahl – bundesweit die meisten Menschen an Herzkrankheiten. Das geht aus dem neuen Herzbericht hervor, den die Deutsche Herzstiftung am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat. Danach lag die Sterbeziffer im Jahr 2015 bei 316 Menschen pro 100.000 Einwohner. Die zweithöchste Sterbeziffer gebe es in Thüringen, heißt es in dem Bericht weiter. Dort starben im Untersuchungszeitraum 286 Menschen pro 100.000 Einwohner, in Sachsen waren es 265.

Die mit Abstand meisten Betroffenen starben den Angaben zufolge in allen drei Bundesländern wegen sogenannter ischämischer Herzkrankenheiten. Dabei wird der Herzmuskel mit zu wenig Sauerstoff versorgt. Ischämische Herzkrankheiten können zum Infarkt führen.

Viele Krankenhausaufenthalte in Sachsen-Anhalt

Aus dem Herzbericht geht ebenfalls hervor, dass ein Kardiologe in Sachsen-Anhalt für deutlich mehr Einwohner zuständig ist, als im bundesweiten Schnitt. Demnach kam im Jahr 2016 ein vertragsärztlicher Kardiologe auf 27.054 Einwohner. Schlechter schnitten nur Thüringen (31.922), Mecklenburg-Vorpommern (30.422) und Brandeburg (28.561) ab. Die beste Versorgung gibt es demnach im Saarland (17.467 Einwohner pro Kardiologe).

Auch beim Anteil der vollstationären Krankenhausaufenthalte aufgrund von Herzkrankheiten belegt Sachsen-Anhalt den unrühmlichen Spitzenplatz: Im Jahr 2016 wurden pro 100.000 Einwohner 2.279 Sachsen-Anhalter wegen Herzkrankheiten in Kliniken eingewiesen, in Mecklenburg-Vorpommern waren es 2.202. In Thüringen lag der Wert bei 2.137 Menschen, in Sachsen bei lediglich 1.651. Im letzten Herzbericht waren für Sachsen-Anhalt allerdings noch 2.697 Klinikeinweisungen festgestellt worden.

Das ist die Deutsche Herzstiftung Die Deutsche Herzstiftung hat nach eigenen Angaben mehr als 100.000 Mitglieder. Sie sieht es als eine ihre Hauptaufgaben, Patienten unabhängig über Herzkrankheiten aufzuklären – etwa mit den jährlichen Herzwochen. Teil der Informationsreihe sind bundesweit mehr als 1.000 Vorträge und Seminare, die über alles rund um das Herz, gesundheitliche Gefahren und vorbeugende Möglichkeiten informieren sollen. An dem nun veröffentlichten Herzbericht haben die ärztlichen Fachgesellschaften für Kardiologie, Herzchirurgie und Kinderkardiologie mitgearbeitet. Die Herzstiftung finanziert sich im Wesentlichen über Spenden, Erbschaften und Mitgliedsbeiträge.

Infos zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhalten Betroffene bei der Herzstiftung unter 069 / 955 128 400.

Bundesweit ist die Zahl der registrierten Todesfälle durch Herzleiden leicht gestiegen. Insgesamt erlagen im Untersuchungszeitraum rund 221.000 Menschen einer Herzkrankheit. Im Jahr davor starben bundesweit 208.000 Menschen an Herzleiden.

Der Magdeburger Mediziner Rüdiger Braun-Dullaeus hatte MDR SACHSEN-ANHALT schon vor Veröffentlichung des Berichts gesagt, dass es zu wenig Herzspezialisten in Sachsen-Anhalt gebe. Ein gut ausgerüstetes Bundesland verfüge in etwa über anderthalb Mal so viele niedergelassene Kardiologen pro eine Million Einwohner wie Sachsen-Anhalt. Braun-Dullaeus sprach in dem Zusammenhang von einem Mangel: "Bei einer alternden Bevölkerung brauchen wir mehr Kardiologen. Das ist so."

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17.01.2018 | 17:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 17.01.2018 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/ld

Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2019, 09:06 Uhr

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5 Kommentare

17.01.2018 17:43 Wachtmeister Dimpfelmoser 5

Weniger Geld im Portemonnaie bedeutet, dass man vorher schon mehr für Alkohol, Nikotin und Unterhaltungselektronik ausgegeben hat. Punkt. Aber selbst das ist kein Argument. Meine Frau macht für 3,50 Euro Kartoffelsuppe aus - man höre und staune - Kartoffeln (und einem Bund Suppengrün) selbst, kocht regelmäßig ein Suppenhuhn aus oder macht uns im Wok aus einfachen Zutaten wie Pilzen, Bambus, Nudeln und einem guten Rindersteak ein reichliches und reichhaltiges Abendessen. Einfachste Maßnahmen der Sozialkompetenz sind den Menschen verloren gegangen, und wer hier nach "dem Staat" ruft (Fett- und Zuckerampel), scheint seinen eigenen Verstand schon komplett aufgegeben zu haben. Niedriges Lohnniveau ist e i n e Folge dieser ganzen Lebenseinstellung und nicht die Ursache.

17.01.2018 17:21 optinator 4

Sachsen Anhalter haben seit 1945 immer an der Grenze zwischen Ost und West gewohnt.
Mal als Ossi = Zohnenrandler und jetzt als Pendler.

Da macht man sich die meisten Gedanken über das Wie und Was, sieht das Eine und das Andere.

Das geht auf die Gesundheit, Herz, Magen, Psyche - Alles wird in Mitleidenschaft gezogen.
Dafür darf er auch früher sterben.

17.01.2018 16:18 Tmp 3

Man könnte auch denken dass die überforderten ambulanten Kardiologen Patienten rascher und wegen geringgradigerer Erkrankungen in Krankenhäuser einweisen, da sie die ganzen Patienten sonst nicht gut behandeln können.