#MDRklärt Kaum Frauen an der Kommunalpolitik beteiligt

Die Mitglieder der Kreistage sind vor allem eins: männlich. Frauen sind in der höchsten Ebene der kommunalen Verwaltung kaum vertreten. Die Frauenquote variiert aber von Partei zu Partei enorm.

Stimmkarte wird hochgehalten
Nur eines von fünf Kreistags-Mitgliedern ist weiblich. Bildrechte: imago images/Sven Simon, Collage

Die Anzahl der Frauen in den elf Kreistagen Sachsen-Anhalts ist sehr übersichtlich. Nicht einmal einhundert Frauen sind Mitglied dieser höchsten Ebene der kommunalen Verwaltung. Den 99 weiblichen Mitgliedern stehen dagegen 449 Männer gegenüber.

Damit liegt die Frauenquote bei nur 18 Prozent – und so um zwei Prozentpunkte niedriger als im Landtag. In den Stadträten der 15 größten Städte Sachsen-Anhalts liegt die Quote bei immerhin 26 Prozent.

Frauenquote variiert von Landkreis zu Landkreis

Zwischen den einzelnen Landkreisen gibt es große Unterschiede. Zwischen dem Kreis mit der höchsten Frauenquote, Stendal (27 Prozent), und dem Schlusslicht Mansfeld-Südharz (12 Prozent) liegen ganze 15 Prozentpunkte.

Edda Ahrberg ist Teil des Stendaler Kreistags. Die Grünenpolitikerin glaubt, dass Gremien mit einem gleichen Frauen- und Männeranteil anders arbeiten, als die von Männern dominierten. "Es werden andere Themen diskutiert. Außerdem sind Frauen nach meiner Erfahrung oft bodenständiger und praktischer veranlagt."

Parteien: Grüne fast ausgeglichen, FDP Schlusslicht

Die Grünen haben mit einem Frauen-Anteil von 42 Prozent die höchste Quote in den Kreistagen. Betrachtet man die anderen Parteien, so fällt auf, dass die Parteien im politisch linken Spektrum eine vergleichsweise hohe Frauenquote haben.

#MDRklärt So hoch ist die Frauenquote in den einzelnen Parteien

Eine Grafik zur Frauenquote in der Partei
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Eine Grafik zur Frauenquote in der Partei
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Eine Grafik zur Frauenquote in der Partei
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Eine Grafik zur Frauenquote in der Partei
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Eine Grafik zur Frauenquote in der Partei
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Eine Grafik zur Frauenquote in der Partei
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Eine Grafik zur Frauenquote in der Partei
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Eine Grafik zur Frauenquote in der Partei
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Alle (7) Bilder anzeigen

Die Grünen stellen mit insgesamt 34 Kreistags-Mitgliedern die kleinste Gruppe unter den Partien – gemeinsam mit der FDP. Doch während für die Grünen 14 Frauen in den Kreistagen sitzen, sind es bei den Freien Demokraten nur vier.

Eine davon ist Ramona Hoyer (FDP) aus dem Saalekreis. Sie erklärt sich die niedrige Frauenquote damit, dass die FDP insgesamt weniger weibliche Mitglieder hat: "Von diesen wenigen Mitgliedern noch genug zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren, ist schwierig. Es fehlt bei Frauen oft an der Bereitschaft – denn Ehrenamt bedeutet Zeit. Zeit, die Frauen oft nicht haben, weil sie sich auch um den Haushalt oder die Kinder kümmern, zusätzlich zur regulären Arbeit."

Frauen haben oft nicht die Zeit, sich in größerem Rahmen politisch zu engagieren. Sie halten ihren Männern oft den Rücken frei. Umgekehrt ist das nicht ganz so oft der Fall.

Edda Ahrberg, Grüne

FDP gegen Parité-Gesetz

Ein Parité-Gesetz, wie es zum Beispiel in Brandenburg beschlossen wurde, hält Hoyer nicht für sinnvoll. Ein solches Gesetz würde ihrer Partei nichts nützen, da die weiblichen Bewerber auf ehrenamtliche politische Ämter fehlten.

Das ist ein Parité-Gesetz

Ein Parité-Gesetz lässt nur Parteien zu einer Wahl zu, deren Liste eine bestimmte Quote erfüllt. Oft bedeutet das, das auf der Wahlliste Männer und Frauen abwechselnd aufgeführt sind.

Änderungsmöglichkeiten sieht Hoyer weniger in der Partei und den Gesetzen, als in der Gesellschaft. Die FDP arbeite aber an Möglichkeiten, um Arbeitszeiten flexibler zu gestalten, etwa durch Arbeit von Zuhause. "So schaffen wir Freiraum und Zeit für ein Ehrenamt."

Max Schörm
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor: Max Schörm arbeitet seit 2017 für MDR SACHSEN-ANHALT. Seine Schwerpunkte sind Erklärvideos und Datenjournalismus. Zudem arbeitet er als Social-Media-Redakteur. Der gebürtige Heidelberger hat nach seinem Masterstudium in Hamburg das Redaktionsvolontariat des MDR in Leipzig absolviert und ist jetzt – er kann es selbst kaum glauben – Wahl-Magdeburger.

Mehr zum Thema

Quelle: MDR/mx

Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2020, 14:10 Uhr

14 Kommentare

Wenzel vor 3 Wochen

Auf der Grundlage des uralten Naturgesetzes der 3 Ks:
Kinder, Küche, Kirche bzw. Kette, die vom Herd bis zur Abwäsche reicht?
Was es alles immer noch und wieder gibt ... frau könnte lachen, wenn's nicht so gruselig wär!

Wenzel vor 3 Wochen

Vielleicht ist es frau aber einfach auch zu doof, in diesem männerdominierten Politikzirkus die Pausenclownin zu geben. Klar ist, die Männer haben die Macht und werden sie freiwillig nicht teilen wollen. Der weiblichen Hälfte der Bevölkerung auch die Hälfte der Macht zu geben, wäre nur gerecht und eine echte Chance. Aber allein der Versuch verursacht hier einen riesigen Aufschrei mit den krudesten Begründungen (fehlt nur noch die mit der Gehirnmasse!!) warum das nicht gehen kann. Sicherlich trifft dieser Quatsch für die männliche Macht zu.
Aber ehrlich mal: Wer kriegt die Kinder und zieht sie groß und wer schickt sie in den Krieg?
Die Welt wäre ein besserer Ort mit mehr Frauen auf der weiblichen Seite der Macht.
... und der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein. 🙃

Rotti vor 3 Wochen

Quoten beenden die Demokratie.
Habe selbst zu den letzten Wahlen Kandidatinnen gesucht. Alle, die bereit waren, wurden auch auf die Listen gewählt. Der Wähler macht dann seine Kreuze. Wer dem Wähler erzwungene Quotenlistenplätze vorschreibt und damit eigentlich manipuliert, dem scheinen freie und geheime Wahlen schnurz zu sein.
Dafür waren wir 1989 demonstrieren? Ich glaube nicht!

Mehr aus Sachsen-Anhalt