Magen-Darm-Epidemie
Immer mehr Menschen erkranken am Norovirus - Symptome sind Erbrechen und Durchfall. Bildrechte: colourbox

Erreger in Sachsen-Anhalt So kann der Noroviren-Erkrankung vorgebeugt werden

Immer mehr Sachsen-Anhalter erkranken am Norovirus – manche Altersgruppen besonders. So hat sich die Zahl der erkrankten Kinder im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, die der Einjährigen fast verdreifacht. Impfungen dagegen gibt es keine, der Krankheit kann trotzdem vorgebeugt werden.

von Johanna Daher, MDR SACHSEN-ANHALT

Magen-Darm-Epidemie
Immer mehr Menschen erkranken am Norovirus - Symptome sind Erbrechen und Durchfall. Bildrechte: colourbox

"Im Land Sachsen-Anhalt wurden in den ersten sechs Wochen des Jahres 39 Prozent mehr Norovirus-Fälle gemeldet als im gleichen Zeitraum des Vorjahres", erklärt Peggy Wießner, Sprecherin vom Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt. Gemeldet werden diese Erkrankungen beim zuständigen Gesundheitsamt, beispielsweise bei Amtsleiter Dr. med. Eike Hennig in Magdeburg. Für seine Stadt sagt er: "Wir haben aktuell 281 Fälle, das ist aber sehr typisch. Todesfälle oder geschlossene Schulen, wie in anderen Regionen in Deutschland, gibt es bei uns aber nicht." Im Vorjahr waren es in der Landeshauptstadt noch 127 Erkrankte.

Wann muss die Krankheit gemeldet werden?

Es gibt drei verschiedene Möglichkeiten bei denen das Gesundheitsamt laut des Infektionsschutzgesetz informiert werden muss. "Der erste Fall tritt ein, wenn ein Arzt von seinem Patienten eine Stuhlprobe ins Labor geschickt hat, diese untersucht und darin Noroviren gefunden wurden", sagt Amtsleiter Hennig. Diese Meldung übernimmt dann das Labor und betrifft die akute Infektion. Die beiden weiteren Fälle beinhalten den Verdacht einer "infektiösen Gastroenteritis", auch Durchfall-Erkrankung. "Das betrifft beispielsweise Gemeinschaftseinrichtungen, in denen mehr als zwei Personen Durchfall haben und ein Zusammenhang zwischen ihnen besteht. Dann muss die Einrichtung das melden." Dasselbe gilt für Verpflegungsstätten, wie Restaurants, in denen das erkrankte Personal, das mit den Lebensmitteln in Kontakt kommt.

Wieso erkranken jedes Jahr unterschiedlich viele Menschen?

Natürlich erkranken nicht regelmäßig gleich viele Menschen. Allerdings gibt es Jahre, in denen es deutlich mehr Noroviren-Meldungen gibt, als in anderen. Der Amtsleiter erklärt: "Das ist auf die Veränderung der Viren zurückzuführen. Der Körper wehrt bekannte Erreger ab, wenn er von ihnen schon einmal betroffen war. Verändern sich die Viren aber, kennt er sie noch nicht und erkrankt gegebenenfalls erneut." Umso neuer und veränderter der Virus, umso mehr Menschen können also krank werden. "Deshalb waren wir damals bei der Schweinegrippe so beunruhigt. Wir wussten zunächst nicht, aus welchen Viren sie sich zusammensetzt. Letztendlich kam es dann auch zu einer weltweiten Pandemie."

Wie erkennt man, dass es sich um den Norovirus handelt?

Die Haupt-Symptome bei einer Norovirus-Erkrankung sind eindeutig: Durchfall und Erbrechen - und zwar innerhalb weniger Stunden. "Das geht nicht immer mit hohem Fieber einher. Der Betroffene fühlt sich schnell richtig krank und bleibt es akut etwa zwei Tage", so der Amtsleiter. Allerdings muss es sich auf Grund dieser Merkmale nicht zwangsläufig um einen Norovirus handeln, da beide Symptome auch bei einer Lebensmittelvergiftung auftreten. "Sollten mehrere Personen daran gleichzeitig erkrankt sein und keine Gemeinsamkeit beim Essen bestehen, ist es schon sehr wahrscheinlich."

Wie kann man sich schützen?

Um vorbeugen zu können, müssen die Symptome Durchfall und Erbrechen berücksichtigt werden. "Die Noroviren übertragen sich via Stuhlgang und Tröpfcheninfektion beim Erbrechen. Und das gerade in Gemeinschaftseinrichtungen, wie Kitas und Pflegeheimen." Das zeigen auch die Daten des Landesamts für Verbraucherschutz. Die Zahl der erkrankten Einjährigen hat sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdreifacht, die der Senioren, älter als 70 Jahre, ist um das 1,38-fache gestiegen. Allerdings bilden letztere auch die größte Gruppe mit bereits 985 Betroffenen in diesem Jahr. Ein Beispiel für die Verbreitung: Ein Kind übergibt sich beim Spielen, die umherstehenden, anderen Kinder atmen die dabei erzeugten Erosole ein und erkranken ebenfalls. "Deshalb sollten die Hände und Toiletten peinlich genau gereinigt werden. Auch alles, was mit dem Erkrankten in Berührung gekommen ist, wie die Türklinke oder der Wasserhahn. Es werden nämlich so viele Sachen angefasst, die dann mit Erregern versehen werden", erklärt der Magdeburger Amtsarzt. Für das Säubern muss Desinfektionsmittel verwendet werden, das auch Viren abtötet. Empfehlungen, welche Mittel sich am besten eignen, gibt das Gesundheitsamt.

Was kann man tun, um schnell wieder gesund zu werden?

Impfungen und Medikamente gegen den Norovirus gibt es nicht. Da durch das Erbrechen und den Durchfall viel Flüssigkeit ausgeschieden wird, ist es wichtig, viel zu trinken. Akut ansteckend ist der Erkrankte etwa zwei Tage lang. "Es gibt Studien, die belegen, dass die Viren noch ein bis zwei Wochen später nachgewiesen werden können. Der Patient muss jetzt nicht 14 Tage lang in Quarantäne, sollte das aber bedenken, um nicht noch mehr Menschen anzustecken", erinnert Dr. med. Eike Hennig.

Quelle: MDR/jd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 21.02.2018 | 05:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2018, 19:01 Uhr

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1 Kommentar

22.02.2018 18:48 Hans Peter 1

Infektionsschutzgesetz soll es sicherlich heißen

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Da haben Sie Recht, wir haben das geändert. Danke für den Hinweis!