#MDRklärt So viele Nutztiere werden in Sachsen-Anhalt gehalten

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Geflügel, Schweine, Rinder: Mehrere Millionen Nutztiere werden in Sachsen-Anhalt gehalten. MDR SACHSEN-ANHALT zeigt, wie sich die Zahlen der Tiere entwickelt haben und in welchem Landkreis welche Tierart dominiert.

Legehennen, 2014 in einem Betrieb in Niedersachsen.
Etwa 4,6 Millionen Legehennen sind 2016 in Sachsen-Anhalt gehalten worden. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

In Sachsen-Anhalt gibt es weit mehr Nutztiere, als es Einwohner gibt. Auf 2,2 Millionen Sachsen-Anhalter kommen mehr als 13 Millionen Tiere. Eine Tierart überwiegt dabei ganz deutlich: Hühner. Das geht aus der Agrarstrukturerhebung hervor, die Daten hat das Statistische Landesamt veröffentlicht. Zum Stichtag der letzten Erhebung, am 1. März 2016, wurden demnach etwa 6,6 Millionen Masthähnchen und 4,6 Millionen Legehennen in Sachsen-Anhalt gehalten. Macht zusammen mehr als elf Millionen Hühner.

Geflügelhaltung

Elf Millionen Hühner. Wo sind die vielen Tiere untergebracht? Das Statistische Landesamt erfasst die Zahl der Tiere und der Betriebe, in denen sie gehalten werden, auf Ebene der Landkreise. In Sachsen-Anhalt verteilten sich demnach 2016 die 6,6 Millionen Masthähnchen auf 46 Anlagen. Die meisten Hähnchenmastanlagen standen im Landkreis Mansfeld-Südharz (acht Anlagen) sowie in der Börde (sieben Anlagen). Wie viele Tiere jeweils in den Betrieben leben, ist in den Daten aber nicht erfasst. Einzig zum Salzlandkreis liegen Zahlen vor: Dort werden in vier Anlagen insgesamt fast eine halbe Million Tiere gehalten.

Legehennen und Masthähnchen

Hühner tauchen in der Statistik als Tierart zweimal auf: als Legehennen und Masthähnchen. Legehennen sind darauf gezüchtet worden, möglichst viele Eier zu legen. Die Tiere bleiben aber recht klein und eignen sich nicht als Fleischlieferant – höchstens als Suppenhuhn.

Fleisch liefern stattdessen die Masthähnchen, die sehr schnell wachsen und zunehmen. Sie werden bereits vier bis sechs Wochen nach dem Schlüpfen geschlachtet. Masthähnchen können übrigens auch Hühnchen sein. Eier legen diese Tiere allerdings nicht, sie sind bei der Schlachtung noch nicht geschlechtsreif.

Die 4,6 Millionen Legehennen verteilten sich auf zehnmal so viele Betriebe wie die Masthähnchen, nämlich auf 456 Anlagen. Die meisten davon, 66 Betriebe, stehen im Burgenlandkreis. Die meisten Tiere sind den Daten zufolge allerdings in den 33 Betrieben im Saalekreis untergebracht. Interessant ist, dass es nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Großstädten Halle und Magdeburg Legehennen-Betriebe gibt. Aber nur wenige: in Halle eine, in Magdeburg vier.

Auch Puten und Enten werden in Sachsen-Anhalt gehalten, allerdings im Vergleich zu Hühnern in geringerer Zahl. 2016 hat es etwas mehr als eine Million Puten in 49 Betrieben gegeben. 19 dieser Anlagen und mit zusammen etwa 470.000 Puten, also fast die Hälfte der Tiere, stehen sich im Landkreis Börde.  

Enten wurden nur etwa 175.000 gehalten – mehr als die Hälfte davon in den insgesamt 13 Betrieben im Jerichower Land. Die meisten Betriebe mit Enten sind im Landkreis Stendal, nämlich 20. Wie viele Tiere zum Stichtag dort gehalten wurden, geht aus den Daten allerdings nicht hervor.

Schweine- und Rinderhaltung

Hausschweine gehalten in einem koventionellen Schweinemastbetrieb.
Gut eine Million Schweine wurden 2019 in Sachsen-Anhalt gehalten. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Marius Schwarz

Zu den in Sachsen-Anhalt gehaltenen Schweinen und Rindern gibt es aktuellere Zahlen als zum Geflügel. Auf der Website des Landesumweltministeriums sind die Viehbestände abrufbar. Die Bestände für Schweine und Rinder werden seit 2017 halbjährlich angegeben, für die Monate Mai und November. MDR SACHSEN-ANHALT verwendet in der folgenden Grafik die Angaben für Mai 2019.

Im vergangenen Jahr wurden knapp 1,1 Millionen Schweine in Sachsen-Anhalt gehalten. Abgesehen von Halle steht in jedem Landkreis und auch in den kreisfreien Städten mindestens einer der insgesamt 199 Betriebe, die Schweine halten. 28 Anlagen mit insgesamt fast 200.000 Tieren stehen im Landkreis Börde.  

Die etwa 320.000 Rinder verteilten sich auf fast 3.000 Betriebe. Diese stehen im ganzen Land, selbst in den großen Städten. Die meisten Rinder werden allerdings im Norden Sachsen-Anhalts gehalten, in den Landkreisen Stendal (ca. 62.000 Tiere in 465 Anlagen) und im Altmarkkreis Salzwedel (ca. 57.000 Rinder in 438 Anlagen). Knapp ein Drittel der Rinder, etwa 110.000, sind Milchkühe.

Mehr Geflügel, weniger Rinder und Schweine

Für Geflügel in Sachsen-Anhalt sollen nach Angaben des Landesumweltministeriums im kommenden Jahr Zahlen für 2020 veröffentlicht werden. Rückblickend lässt sich sagen: Von 1999 bis 2016 ist der Bestand an Mast- und Schlachthähnen und Küken um 60 Prozent gestiegen, von etwa 4,1 Millionen Tieren im Jahr 1999 auf 6,6 Millionen im Jahr 2016.

Die Rinder- und Schweinebestände werden vom Ministerium jährlich veröffentlicht, sodass gut ersichtlich ist, wie sich die Zahlen entwickelt haben. Demnach ist der Rinderbestand seit 2009 um mehr als 30.000 Tiere zurückgegangen. Bei den Schweinen wiederum scheint es vor etwa fünf Jahren mit 1,25 Millionen Tieren eine Art "Hoch" gegeben zu haben. Mittlerweile ist der Bestand wieder auf den Wert von vor zehn Jahren zurückgegangen – auf etwas mehr als eine Million Schweine.

Schweinefleisch verliert in Deutschland an Beliebtheit

Die Entwicklungen passen mit Veränderungen in den Essensvorlieben der Deutschen zusammen. Jeder Deutsche ist im Durschnitt nach Daten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) etwa 60 Kilo Fleisch im Jahr. Schweinefleisch ist dabei eindeutig am beliebtesten. Nach BLE-Zahlen hat jeder Deutsche 2019 im Schnitt etwa 34 Kilo Schweinefleisch gegessen. 2009 waren es aber noch fast 40 Kilo pro Person.

Geflügelfleisch dagegen ist im gleichen Zeitraum beliebter geworden: 2019 hat jeder Deutsche im Durchschnitt etwa 14 Kilo Hühnchen und Co. gegessen, über zwei Kilo mehr als 2009. Beim Rindfleisch scheint sich der Jahresverbrauch seit 2009 zwischen neun und zehn Kilo pro Person eingependelt zu haben.

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die Autorin Maria Hendrischke arbeitet seit Mai 2017 als Online-Redakteurin für MDR SACHSEN-ANHALT – in Halle und in Magdeburg. Ihre Schwerpunkte sind Nachrichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts, Politik sowie Erklärstücke und Datenprojekte. Ihre erste Station in Sachsen-Anhalt war Magdeburg, wo sie ihren Journalistik-Bachelor machte. Darauf folgten Auslandssemester in Auckland und Lissabon sowie ein Masterstudium der Kommunikationsforschung mit Schwerpunkt Politik in Erfurt und Austin, Texas. Nach einem Volontariat in einer Online-Redaktion in Berlin ging es schließlich zurück nach Sachsen-Anhalt, dieses Mal aber in die Landeshauptstadt der Herzen – nach Halle. Ihr Lieblingsort in Sachsen-Anhalt sind die Klausberge an der Saale. Aber der Harz ist auch ein Traum, findet sie.

Quelle: MDR/mh

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