Der FCM unter Oenning Mit dem Heilsbringer auf den Spuren der Nationalmannschaft

Wie entwickelt sich der 1. FC Magdeburg unter Trainer Michael Oenning? Die "Experten" der Satire-Seite "Oenning'sches Fußballprinzip" bei Facebook müssen es wissen! Sie haben für uns die Hinrunde zusammengefasst und eine Analyse abgeliefert. Ein Gast-Beitrag.

Michael Oenning (Trainer Magdeburg)
Bildrechte: imago/Jan Huebner

Dass Michael Oenning das Nonplusultra der Fußballlehrerbranche ist, hat er bereits beim HSV und beim 1.FC Nürnberg eindrucksvoll unter Beweis stellen können. Dort formte der gebürtige Kinnbartträger aus maximal durchschnittlichen No-Name-Kickern wie Ruud van Nistelrooy, Marek Mintal und Zé Roberto Spieler internationalen UI-Cup-Formats. Als nun genau dieser Mann – mit seiner unvergleichlichen Expertise – am 14. November 2018 das Ruder beim 1. FC Magdeburg übernahm, kam dies einem Wunder gleich.

Von Manchester United, Real Madrid und Bayern München heiß umworben, entschied sich Oenning für die Feuerwehraufgabe an der Elbe. Nach dieser verheißungsvollen Meldung tanzten die Menschen in der Landeshauptstadt auf den Straßen, lagen sich in den Armen, verdrückten Krokodilstränen. Bilder wie beim Mauerfall. Der Erlöser war gekommen! Doch was bringt der Messias an der Seitenlinie, wenn sich seine Jünger auf dem Rasen schwerer tun als Lothar Matthäus mit einem englischen Hauptsatz? Nicht viel, möchte man meinen.

Lohkemper machte den Lahm

Ausgerechnet jedoch in der ersten Partie unter Oenning – beim Gastspiel des FCM im Fürther Playmobilstadion – bewies die Mannschaft, dass in ihr ein ungeahntes Potential schlummert. Zwar verlor die Oenning'sche Truppe unverdient in der Nachspielzeit mit 2:3, der dargebotene Fußball des FCM erinnerte zeitweise allerdings an die deutsche Nationalmannschaft bei der (durch dubiose Finanztransfers ins Land geholten) WM 2006.

Besonders die wieselflinken Flügelspieler versprühten einen Hauch von David Odonkor auf der Außenbahn und das zwischenzeitliche 2:1 für Magdeburg durch Lohkemper wies eine verblüffende Ähnlichkeit zu Philipp Lahms Traumtor im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica auf.

Torjubel von Felix Lohkemper und Michel Niemeyer
Bildrechte: imago/Eibner

Mit weißer Weste gegen ehemalige UEFA-Cup-Elf

Im zweiten Spiel unter der Regie Oennings, gegen den VfL Bochum, fehlten in der gegnerischen Hälfte zwar die kreativen Impulse aus dem Mittelfeld, die Magdeburger Abwehrreihe stand in dieser Saison jedoch ausnahmsweise stabiler als ein selbst zusammengezimmertes IKEA-Regal. Dank dieser eigentlich überragenden Defensivarbeit, die man so zuletzt von Christian Wörns und Robert Kovac beim BVB bewundern konnte, blieb die Weste von Keeper Brunst endlich mal wieder so weiß wie die Backpulvervorräte von Christoph Daum.

Auf dem Bild sind Zeichnungen von den Fußballspielern Piplica, Wörns und Barbarez zu sehen. Darunter steht der Schriftzug "Das Oenning'sche Fußballprinzip".
Bildrechte: Das Oenning'sche Fußballprinzip

Über "Das Oenning'sche Fußballprinzip" Hinter dem Namen "Das Oenning'sche Fußballprinzip" verbirgt sich eine Satire-Seite auf Facebook (und Instagram), deren Fokus auf durchschnittlichen Bundesligaprofis sowie Anekdoten der 90er- und 2000er-Jahre liegt. Gegründet wurde die Seite im Jahr 2015. Michael Oenning bezeichnete die Seite im Podcast des MDR (Folge 26) mit den Worten: "Ich finde das eigentlich lustig." Zweifelsfrei ein Ritterschlag.

Der Endstand von 0:0 kann durchaus als echtes Erfolgserlebnis gewertet werden, wenn bedacht wird, dass Neururers Bochumer vor ein paar Jahren noch kurz davor standen, den UEFA-Cup zu gewinnen, wären sie nicht schon bereits vor der Gruppenphase wegen eines unglücklichen Schnitzers von Edu gegen Standard Lüttich ausgeschieden.

Nur ein Punkt in den letzten drei Spielen

Zum zweiten Heimspiel von Trainerkoryphäe Oenning war Union Berlin zu Gast. Die Bedingungen waren optimal: Ein prallgefülltes Ernst-Grube-Stadion, Fritz-Walter-Wetter und ein holpriger Acker, der wahrscheinlich sogar in der Kreisliga für Empörung gesorgt hätte. Nach Führung durch Angreifer Christian Beck, der in früheren Jahren unter dem Pseudonym Christian Beeck als Verteidiger von Energie Cottbus gegnerische Stürmer umtrat, konnten die Eisernen im zweiten Durchgang doch noch den Ausgleich erstolpern. Für besonders viel Unmut sorgte die vierte Partie unter Oenning gegen den FC aus Köln.

Der Grund dafür war recht simpel: Die Geißböcke ließen den gestandenen deutschen Nationalspieler Lukas Sinkiewicz auflaufen! Und das in der 2. Bundesliga. Das ist nichts weiter als unlauterer Wettbewerb! Da kann man auch direkt Robert Hoyzer pfeifen lassen. Ein waschechter "Skandal", um es mal in den Worten des Ex-Ulmers Janusz Góra auszudrücken. Weniger skandalös, dafür umso ärgerlicher war die daran anschließende Niederlage am Millerntor, die sich wohl am besten mit der Phrase "Stark begonnen, stark nachgelassen" subsumieren lässt.

Spieler auf dem Feld.
Bildrechte: imago/Oliver Ruhnke

Mit absolut reinem Gewissen zum Klassenerhalt

Hat der FCM unter Oenning folglich so furios angefangen wie Deutschland bei der WM 2006, so beendete das Oenning'sche Team das Jahr 2018 genauso glanzlos wie "Die Mannschaft" die WM 2018 in der UdSSR. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass die DFB-Elf Letzter in ihrer Gruppe wurde, während der FCM zumindest auf dem vorletzten Platz überwintern kann. Nichtsdestotrotz muss die Mannschaft schnellstmöglich das Oenning'sche Fußballprinzip inhalieren, damit die Klasse gehalten werden kann. Nur wenn sich alle Spieler wirklich zu 100 Prozent mit dem FCM und Trainer Oenning identifizieren, kann jeder mit einem absolut reinen Gewissen in die verbleibenden 16 Pflichtspiele gehen.

Fest steht auf jeden Fall eines: Wenn es dieser Trainerfuchs und diese fanatischen Fans nicht schaffen, den aktuellen Spielern ausreichend Feuer unter dem Hintern zu machen, dann hilft nur noch eine Winterverpflichtung des 18-jährigen Supertalents Breno von Bayern München! Dass Oenning die Strahlkraft besitzt, um internationale Megastars nach Sachsen-Anhalt zu locken, hat er ja mit dem Transfer von Weltpokalsieger Jan Kirchhoff gezeigt.

Dies ist ein satirischer Gastbeitrag. Die Analysen und Einschätzungen des Autors spiegeln nicht die Ansicht der Redaktion wider. Unsere seriöse Sportberichterstattung finden Sie hier.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09. Januar 2019 | 19:00 Uhr

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4 Kommentare

15.01.2019 18:34 flo 4

@2 Chapeau, da hat sich ja jemand richtig Mühe gegeben und die Fußballwelt mal bissel auf die Schippe genommen.

15.01.2019 10:38 MLink-Berlin 3

Sarkasmus Ende :-)

14.01.2019 13:03 Axcel_BB 2

Nah - hier wurde falsch recherchiert: Die ersten Spiele unter Oenning sollten lediglich der Verunsicherung der Gegner dienen. MO, der Taktikfuchs, wollte so erreichen, dass der FCM in seinen letzten 16 Zweitligaspielen unterschätzt wird. Nur so können konsequent die 24 Punkte zum HSV geschrumpft werden, damit das Ziel, Meisterschaft, erreicht wird. Dass unter MO der FCM zurück zur Europapokalform gefunden hat, zeigt das internationale Testspiel. Der FCM ist wieder bereit für den Weltpokal – nur dank MO und das schätzen die Fans. War es früher die Ideologie „einmal immer“, die den FCM einzigartig in der Welt machte, ist es jetzt der Erfolg. Darauf hat Magdeburg so lange gewartet. Gut, dass die Vereinsführung das begriffen hat und Härtel freistellte. Wer braucht schon einen Trainer, der sich mit dem Verein identifiziert und hart arbeitet. Der FCM braucht jemanden der sich mit den Medien gut stellt, der viel spricht – so wie es sich für einen Trainer mit internationalen Format gehört.