Ein Baum ist auf ein Auto gestürzt
Der heftige Wind hat an vielen Orten Bäume auf Autos, Häuser und Straßen fallen lassen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bilanz nach Orkantief "Friederike" Zwei Tote, zerstörte Gebäude und entlaufene Tiere

Orkantief "Friederike" hat sich ausgetobt und auch in Sachsen-Anhalt zum Teil schwere Schäden angerichtet. Zwei Menschen erlagen ihren schweren Verletzungen. Mindestens 14 Menschen im Land wurden durch den Orkan verletzt. Das Ausmaß der Zerstörungen wird nach für nach sichtbar. So wurden auch mehrere Gotteshäuser beschädigt.

Ein Baum ist auf ein Auto gestürzt
Der heftige Wind hat an vielen Orten Bäume auf Autos, Häuser und Straßen fallen lassen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Sachsen-Anhalt sind durch das Orkantief "Friederike" zwei Menschen ums Leben gekommen. Das teilte die Polizei am Freitag mit. In Klostermansfeld (Landkreis Mansfeld-Südharz) stürzte ein 65-jähriger Mann acht Meter in die Tiefe, als er das Dach seines Hauses sichern wollte. In Hohenmölsen (Burgenlandkreis) wurde ein 34-Jähriger von einem umgestürzten Baum getroffen. Beide erlagen ihren schweren Verletzungen. Mindestens 14 Menschen wurden in Sachsen-Anhalt durch den Orkan verletzt.

Zehntausende Haushalte ohne Strom, kaputte Autos und gestrandete Bahnreisende: Orkan "Friederike" ist am Donnerstag durchs Land gefegt und hat zahlreiche Verwüstungen hinterlassen. Auch in der Nacht zum Freitag waren Polizei- und Feuerwehrkräfte im Einsatz. Vielerorts waren erst am Freitag die Auswirkungen des Unwetters zu spüren.

Schäden an Kirchen und Dom

Zerstörungen nach Orkan "Friederike" im Innern einer Kirche in Gramsdorf
Schwer vom Orkan getroffen: die Kirche in Gramsdorf bei Bernburg Bildrechte: Evangelische Landeskirche Anhalt

Hart getroffen wurde bei dem Orkan etwa die Kirche Gramsdorf bei Bernburg. Wie die Evangelische Landeskirche Anhalt am Freitag mitteilte, brach wegen des Sturms der obere Teil der Kirchturmspitze ab, durchschlug das Dach des Kirchenschiffs und stürzte in den Innenraum des Gotteshauses. Verletzt wurde dabei niemand. Pfarrer Karl-Heinz Schmidt sagte, er habe einen solchen Sturmschaden in seinen vielen Dienstjahren bislang nicht erlebt.

Auch der Naumburger und Merseburger Dom wurden in Mitleidenschaft gezogen. Wie die Vereinigten Domstifter mitteilten, gibt es unter anderem massive Schäden am Süd-West-Turm des Naumburger Doms. Dort hätten sich mehrere Kupferplatten gelöst. In Merseburg wurde ein Bleiglasfenster eingedrückt.

Tausende Haushalte ohne Strom

Am Freitagmorgen waren noch immer Tausende Haushalte ohne Strom. Das erfuhr MDR SACHSEN-ANHALT von den Versorgern. Demnach waren im Bereich des Unternehmens Mitnetz rund 2.000 Haushalte betroffen, hauptsächlich im Kreis Anhalt-Bitterfeld. Weitere Ausfälle gab es in der Börde und in Mansfeld-Südharz. Nach Angaben des Netzbetreibers sollten im Laufe des Tages aber alle Haushalte wieder mit Strom versorgt sein. Beim Netzbetreiber Avacon waren nach Aussage einer Sprecherin am Morgen noch rund 80 Hauhalte im Harz ohne Strom.

Im ganzen Land hatten zwischenzeitlich mehr als 6.000 Haushalte keinen Strom. Die Reparaturarbeiten gestalteten sich teilweise schwierig, weil die beschädigten Leitungen in vielen Fällen mitten im Wald liegen. Am Donnerstag waren Bäume und Äste auf Strommasten und Leitungen gekracht. Im gesamten Netzgebiet waren zu Spitzenzeiten rund 140.000 Kunden betroffen.

Bahnverkehr soll wieder rollen

Auch der Bahnverkehr in Sachsen-Anhalt war am Freitag noch weiter gestört. Nach Angaben der Deutschen Bahn stabilisiert sich der Verkehr weitestgehend, Verspätungen seien aber noch möglich. Fahrgäste sollten sich aber weiterhin auf Einschränkungen auf einzelnen Strecken einstellen. Am Freitagvormittag war die Schnellstrecke Hannover-Stendal-Berlin noch gesperrt. Auch zwischen Magdeburg und Halle sowie zwischen Halle und Erfurt waren am Vormittag noch keine Fernzüge unterwegs. Sie fahren inzwischen wieder. Die Bahn hatte wegen des Sturms den Fernverkehr am Donnerstagnachmittag bundesweit eingestellt, erstmals seit 2007. Die Bahn rät, sich vor der Reise im Internet über die aktuelle Situation zu informieren.

Der HarzElbeExpress hat seinen Fahrbetrieb wieder planmäßig aufgenommen. Die Privatbahn teilte mit, es könne aber wegen eingeschränkter Gleisverfügbarkeit und der Beseitigung von Schäden noch zu Störungen kommen. Die Harzer Schmalspurbahnen hatten noch bis mittags ihren Betrieb eingestellt. Wie ein Sprecher auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT mitteilte, sollen Fahrten zum Brocken ab dem Nachmittag wieder möglich sein. Die Selketalbahn sollte mittags wieder den Fahrbetrieb aufnehmen. Wann die Harz-Querbahn wieder im Einsatz ist, ist noch unklar, da es dort noch weitere Sturmschäden gibt.

In Halle rollen Busse und Straßenbahnen bereits seit Donnerstagabend wieder normal. Auch die Harzer Verkehrsbetriebe sollen wieder fahren, ebenso die Schulbusse. Dabei kann es nach Angaben des Unternehmens aber zu Verzögerungen kommen. Vor allem im Oberharz waren am Donnerstag viele Straßen gesperrt.

Orkantief Der Tag nach "Friederike"

Einen Tag nach dem zerstörerischen Orkantief "Friederike" sind die Schäden vollends sichtbar. Schuldächer wurden abgedeckt und Autos zerquetscht. Zwei Menschen aus dem Süden von Sachsen-Anhalt erlagen ihren Verletzungen.

Außenansicht einer von Orkan "Friederike" zerstörten Kirche in Gramsdorf
Orkantief "Friederike" hat am Donnerstag auch Kirchen beschädigt, wie auf dem Bild die Kirche Gramsdorf bei Bernburg. Die Kirche im Salzlandkreis ist nach Angaben der Evangelischen Landeskirche am schwersten getroffen worden. Bildrechte: Evangelische Landeskirche Anhalt
Außenansicht einer von Orkan "Friederike" zerstörten Kirche in Gramsdorf
Orkantief "Friederike" hat am Donnerstag auch Kirchen beschädigt, wie auf dem Bild die Kirche Gramsdorf bei Bernburg. Die Kirche im Salzlandkreis ist nach Angaben der Evangelischen Landeskirche am schwersten getroffen worden. Bildrechte: Evangelische Landeskirche Anhalt
Zerstörungen nach Orkan "Friederike" im Innern einer Kirche in Gramsdorf
Dort sei die Turmbekrönung abgebrochen, auf das Dach des Kirchenschiffes gestürzt und schließlich im Innenraum der Kirche gelandet. Verletzt wurde dabei niemand. Bildrechte: Evangelische Landeskirche Anhalt
Ein vom Orkan "Friederike" zerstörtes Kirchendach
Pfarrer Karl-Heinz Schmidt sagte, so einen Schaden habe er in den Jahrzehnten seines Berufslebens nicht erlebt. Aus Sicherheitsgründen ist die Kirche aktuell gesperrt, die Schadenshöhe ist noch unklar. Bildrechte: Evangelische Landeskirche Anhalt
Zerstörtes Dach von Schule von der Seite.
In Halberstadt hat "Friederike" das Dach einer Schule zerstört. Seit Freitagmorgen ist das Ausmaß der Beschädigungen zu sehen. Bildrechte: Matthias Strauß
Kaputtes Schuldach hängt von Fassade.
An der Grundschule "Freiherr Spiegel" ist vorerst kein Unterricht möglich. Bildrechte: Matthias Strauß
Zerstörtes Dach und Trümmer von Schule von oben.
Das Dach wurde durch die Orkanböen komplett abgeräumt. Bildrechte: Matthias Strauß
Polizeiabsperrung vor Schuleingang.
Verletzt wurde wie durch ein Wunder niemand. Bildrechte: Matthias Strauß
Vom Orkan zerstörtes Hausdach einer Schule
Allerdings entstand ein materieller Schaden. Die Reparaturarbeiten dort laufen bereits, nach aktuellem Plan soll in der kommenden Woche wieder unterrichtet werden können. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Luftaufnahme von Aufräumarbeiten auf einer Straße im Wald
Wie in den Städten laufen nun auch im Oberharz die Aufräumarbeiten. Bildrechte: MDR/Matthias Strauß
Arbeiter räumen auf einer Straße mehrere umgestürzte Bäume aus dem Weg.
In der Nähe von Elbingerode sind am Freitag zahlreiche Arbeiter dabei, Bäume von den Straßen zu räumen. Bildrechte: MDR/Matthias Strauß
Auf einer Straße liegen mehrere umgestürzte Bäume.
Ein Schwerpunkt ist die Verbindungsstraße zwischen Heimburg/Halberstadt und Elbingerode. Etliche Bäume sind auf die Fahrbahn gestürzt, Leitplanken und Verkehrsschilder wurden beschädigt. Bildrechte: MDR/Matthias Strauß
Ein Räumfahrzeug steht auf einer Straße, auf die Bäume gestürzt sind.
Wie es von den Arbeitern vor Ort hier, ist derzeit nicht absehbar, wie lange die Arbeiten dauern. Nach jeder Kurve tauchen weitere umgestürzte Bäume auf. Bildrechte: MDR/Matthias Strauß
Die Schaufel eines Räumfahrzeugs hebt einen umgestürzten Baum.
Ebenso drohen noch stehende Bäume zu kippen und müssen deshalb gefällt werden. Bildrechte: MDR/Matthias Strauß
Ein Mann in Arbeitskleidung sägt einen umgestürzten Baum auseinander.
Im sogenannten Trecktal ist auch Frank Holzheuer vom Kreisstraßenbauhof im Einsatz. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Bauzaun und Verkehrsschild stehen mitten auf einer gesperrten Straße.
Autofahrer sollten unter keinen Umständen die Absperrungen umfahren: Es herrscht Lebensgefahr. 

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19.01.2018 | 05:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 19.01.2018 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/lk/ld
Bildrechte: MDR/Matthias Strauß
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Auch Autofahrer müssen sich noch auf Verkehrsbehinderungen einstellen. Die Autobahnen in Sachsen-Anhalt sind frei, allerdings ist die Bundesstraße 107 zwischen Jessen und Listerfehrda noch gesperrt. Probleme gibt es auch auf Strecken in Krina und Wienrode. Zeitweise war auch der Abschnitt zwischen Coswig und der A9 in Köselitz sowie zwischen Schwemsal und Schköna betroffen.

Schulen blieben mancherorts geschlossen

Vom Gebäude einer Grundschule hat sich das Dach teilweise gelöst.
Durch den Orkan wurden Dächer an mehreren Gebäuden abgerissen, wie hier an der Grundschule "Am Ludwigsfeld" in Halle. Bildrechte: Annett Eder

Auch wurden durch die Orkanböen Schuldächer demoliert. An der Grundschule "Freiherr Spiegel" in Halberstadt, an der Sekundarschule Bodfeld in Elbingerode sowie in Halle an der zweiten Sekundarschule und der Südstadt-Grundschule fiel deswegen am Freitag der Unterricht aus. Großes Glück hatten die Kinder der Grundschule "Am Ludwigsfeld" in Halle. Das Dach des Gebäudes wurde durch den Orkan abgerissen, als die Schüler noch im Haus waren. Auch diese Schule blieb am Freitag geschlossen. 

Tiere aus Tierpark entlaufen

Amurkatze hinter Mauer
Seit dem Orkan verschwunden: die Amurkatzen Bildrechte: Tierpark Dessau

Der Dessauer Tierpark ist ebenfalls vom Orkan betroffen. Zerstört wurden die Anlagen für Amurkatzen und Buntmarder. Alle drei Katzen und die beiden Buntmarder sind seitdem verschwunden. Den Angaben zufolge werden die vermissten Tiere von den Mitarbeitern gesucht, von ihnen gehe keine Gefahr aus. Falls Passanten am Wochenende auf eines der Tiere sehen, sollten sie über die Notrufnummer 112 die Feuerwehr informieren.

Orkan stärker als Kyrill

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes wurde die stärkste Böe am Donnerstag auf dem Brocken gemessen mit einer Geschwindigkeit von 204 Kilometern pro Stunde. Damit wurde Orkan "Kyrill" aus dem Jahr 2007 übertroffen. Damals lag der Spitzenwert in Deutschland in den Alpen bei 202 km/h.

Während sich "Friederike" im Süden Sachsen-Anhalts ordentlich ausgetobt hatte, blieb es im nördlichen Teil vergleichsweise ruhig. In Magdeburg hatte die Feuerwehr mit abgedeckten Dächern und umgestürzten Bäumen zu kämpfen. Sie zählte in der Landeshauptstadt mehr als 50 Einsätze wegen des Sturmtiefs. Bundesweit sind durch Sturmtief "Friederike" mindestens acht Menschen ums Leben gekommen.

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Quelle: MDR/dpa/cw/ld/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19. Januar 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Januar 2018, 21:15 Uhr

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