Oury Jalloh
Der Fall Oury Jalloh beschäftigt die Menschen noch nach 14 Jahren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Tod vor 14 Jahren Das sind die wichtigsten Punkte zum Fall Oury Jalloh

Am Montag vor 14 Jahren ist der Asylbewerber Oury Jalloh in einer Dessauer Gefängniszelle verbrannt. Opferinitiativen hatten deshalb zu einer Demonstration in Dessau aufgerufen. MDR SACHSEN-ANHALT erklärt die fünf wichtigsten Punkte des Falls Oury Jalloh.

Oury Jalloh
Der Fall Oury Jalloh beschäftigt die Menschen noch nach 14 Jahren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

1. Die Ausgangslage des Falls

Am 7. Januar 2005 verbrannte der aus Sierra Leone stammende Oury Jalloh in einer Zelle des Dessauer Polizeireviers. Er war an Händen und Füßen gefesselt. Jalloh war in Gewahrsam, weil er mehrere Frauen belästigt und Widerstand gegen die Polizei geleistet haben soll.

Weil die Staatsanwaltschaft eine technische Ursache für den Brand ausschloss, blieben nur zwei Möglichkeiten: Oury Jalloh hat sich trotz Fesseln selbst verbrannt – oder er wurde in Polizeigewahrsam angezündet.

2012 wird der Dienstgruppenleiter des Polizeireviers Dessau wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen verurteilt. Das Landgericht Magdeburg verhängte eine Geldstrafe von insgesamt 10.800 Euro. Dennoch gingen die Ermittlungen zum Tod Oury Jallohs vorerst weiter.

2. Das Verfahren ist eingestellt

Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad
Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad hat das Verfahren eingestellt. (Archivbild) Bildrechte: MDR/ I. Hartung

Die Staatsanwaltschaft Halle hat das Ermittlungsverfahren im Oktober 2017 eingestellt. Diese Entscheidung wurde durch die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg bestätigt, nachdem zuvor die Hinterbliebenen Jallohs Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens eingereicht hatten.

Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad sagte, nach Prüfung der Akten könne man nicht ausschließen, dass Jalloh die Matratze, auf der er an Händen und Füßen gefesselt lag, selbst entzündete.

Er ist an den Folgen eines inhalativen Hitzeschocks verstorben, den er – zumindest nicht widerlegbar – selbst herbeigeführt hat.

Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad

Bevor das Verfahren im August 2017 an die Staatsanwaltschaft Halle übergeben wurde, war die Staatsanwaltschaft in Dessau-Roßlau zwölf Jahre für den Fall Oury Jalloh zuständig. In dieser Zeit wurden mehrere Gutachten zu den Umständen des Todes erstellt – auch auf Initiative der Angehörigen Oury Jallohs. Im Dezember 2017 erhielt der Landtag Sachsen-Anhalts Einsicht in die Fallakten.

3. Die Kritik der Hinterbliebenen

Die Hinterbliebenen Oury Jallohs, sowie verschiedene Opfer- und Gedenk-Initiativen werfen der Polizei Dessau Mord vor und fürchten, dass die Staatsanwaltschaft nicht an der Aufklärung des Falles interessiert ist.

Sie erwirkten vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe, dass der zuvor freigesprochene Dienstgruppenleiter der Polizei Dessau doch noch verurteilt wurde. Außerdem gaben sie mehrere Brand-Gutachten in Auftrag.

Fünf Menschen sitzen bei einer Pressekonferenz nebeneinander an einem Tisch, auf dem Mikrofone und Getränke stehen.
Die private Kommission will den Fall Oury Jalloh aufklären. Bildrechte: MDR/Hagen Tober

Seit Oktober 2018 will die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh den Fall über ihre private Untersuchungskommission aus Aktivisten, einem Rechtsanwalt und einem Arzt erneut beleuchten. Für ihre weiteren Ermittlungen fordert die Kommission vollständige Akteneinsicht für die Rechtsbeistände der Familie Jalloh. Außerdem will sie, dass die Asservate von Jalloh für weitere Untersuchungen aus der Rechtsmedizin Halle in die Charité nach Berlin gebracht werden.

4. Das sagt die Politik

Besonders Politiker der Linken und der Grünen äußerten im November 2018 Bedauern über die Einstellung des Verfahrens. Die Landtagsabgeordnete Henriette Quade (Die Linke) sagte, die Entscheidung des Generalstaatsanwalts sei "schwer nachvollziehbar". Es stelle sich erneut die Frage, ob der Generalstaatsanwalt die richtige Instanz zur juristischen Aufarbeitung des Falls sei. Quade bekräftigte damals, der Generalbundesanwalt müsse in den Fall eingebunden werden.

Parlamentarischer Geschäftsführer Sebastian Striegel (Bündnis 90/ Die Grünen,Sachsen Anhalt)
Sebastian Striegel sprach von einer "bitteren Stunde" für die Angehörigen Jallohs. Bildrechte: IMAGO

Der Grünen-Politiker Sebastian Striegel sprach in einer Mitteilung im November von einer "bitteren Stunde" für die Angehörigen Jallohs und diejenigen, die sich 14 Jahre lang gegen "massive Widerstände für eine vollständige Erhellung der Todesumstände" eingesetzt hätten.

Die AfD dagegen sprach von einem "hysterische Generalverdacht der Linken gegen unsere Polizei", der sich als gegenstandslos erwiesen habe. Die Partei hoffe, dass das Kapitel nun endgültig abgeschlossen sei.

5. Reaktionen aus dem Netz

Auf der Facebook-Seite von MDR SACHSEN-ANHALT reagieren die Nutzer vor allem mit Unverständnis über die Dauer des Verfahrens und über die Mittel, die dafür eingesetzt werden. Viele wollen, dass der Fall zu den Akten kommt.

Eines der Hauptargumente dieser Gruppe ist, dass Oury Jalloh nicht ohne Grund in der Zelle eingesperrt war, betrunken war und zuvor angeblich Frauen belästigt und Drogen konsumiert habe.

Allerdings gibt es auch einige Nutzer, die weitere Ermittlungen im Fall Oury Jalloh fordern. Sie verweisen darauf, dass es besonders in einem Polizeirevier nicht zu einem solchen Tod kommen darf und dass der Fall deshalb ohne Zweifel aufgeklärt werden muss.

Quelle: MDR/ms

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07. Januar 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Januar 2019, 19:14 Uhr

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77 Kommentare

09.01.2019 19:12 Susan 77

@all: Keine Panik, braune und blaue Trollarmeen bin ich gewohnt. Kotzen Sie sich nur tüchtig aus. Ich lese mir das Zeug manchmal mit Freunden beim abendlichen Gläschen Rotwein und ein paar Snacks durch. Wir amüsieren uns dabei zuweilen sehr und vergleichen einige Ergüsse mit Ergebnissen diverser psychologischer Studien. Manchmal kommen wir dabei auch auf das römische Reich zu sprechen. Das ist ja unter anderem wegen pathologischer Dekadenz und massenhafter charakterlicher Totalverwahrlosung zugrunde gegangen. So long...

09.01.2019 17:59 Irmela Mensah-Schramm 76

Da haben sich ein paar Narren an uns zwei Frauen fest gefressen! Gut so, auch wenn es gnadenlos dämlich ist!
Habt Ihr denn schon mal gehört, dass es kriminelle Polizisten gibt?
Ich wurde in Handschellen nachweisbar rechtswidrig abgeführt, obwohl ich von anderen Polizisten vor Ort am Rande einer4 bevorstehenden AfD Demo mit meinem Plakat gegen die AfD selbstverständlich am polizeilich mir erlaubten
Platz stand.
Und Susan hat sicher mehr und richtig recherchiert als so manche gedankenlose Hohlschwätzer!
Ihre Kommentare strotzen einfach vor Dummheit, tut mir leid, aber ich kann es nicht mehr anders sagen!
Ich beseitige oder zerstöre natürlich Nazi-Sticker, - Plakate und Graffitis!
Kapiert ?

09.01.2019 17:40 Pe57 75

@ IMS, 65 und 68:
Was haben denn sogenannte "PEGIDA-Hetzer" und angeblich "AfD infizierte Polizisten" in diesem Forum über OJ zu suchen??? Ist das wirklich krankhaft oder suchen Sie nur ein Podium für Ihre sehr umstrittenen und grenzwertigen "Aktionen". Für mich einfach nur abstoßend. Sorry.