Eine auf Demenzkranke spezialisierte Pflegerin begleitet 2013 eine ältere Frau.
Für das Pflegepersonal geht es um gerechte Löhne – doch die Pflegebedürftigen kommen an ihre finanziellen Grenzen. Bildrechte: dpa

Verhandlung neuer Pflegesätze Pflegeplätze werden wohl teurer

Um ihr Personal zu halten, wollen viele Pflegeheim-Betreiber in Sachsen-Anhalt höhere Gehälter für ihre Mitarbeiter durchsetzen. Das geht wegen des neuen Pflegegesetzes. Die höheren Kosten werden auf die Bewohner umgelegt – beziehungsweise ihre Angehörigen.

Eine auf Demenzkranke spezialisierte Pflegerin begleitet 2013 eine ältere Frau.
Für das Pflegepersonal geht es um gerechte Löhne – doch die Pflegebedürftigen kommen an ihre finanziellen Grenzen. Bildrechte: dpa

Pflegeheimplätze werden in Sachsen-Anhalt wohl teurer. Nach Recherchen von MDR SACHSEN-ANHALT will gut die Hälfte der 460 Heimbetreiber im Land neue Pflegesätze mit den Pflegekassen verhandeln. Gestiegene Personalkosten sollen dann auf die Bewohner der Heime umgelegt werden.

Cornelia Schulz von der Pflegekasse der AOK sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Personalkosten machten bis zu 80 Prozent der Kosten eines Pflegeheimes aus. Die Pflegekassen prüfen demnach derzeit die Berechnungen der Heimbetreiber. "Man kann deutlich sehen, dass die Pflegeheime die Kosten erhöhen werden", sagte Schulz. "Insofern wird es für den Pflegebedürftigen in aller Regel wahrscheinlich teurer werden." Bis alles klar ist, wird es aber wohl noch Monate dauern.

Wir sind uns schon bewusst, dass nicht alle Heime gleichzeitig diesen Schritt gehen werden. Aber wir sehen keine andere Möglichkeit. Die Vergütung in der Pflege muss sich drastisch verbessern.

Stephan Richter, Heimbetreiber im Salzlandkreis

Rente allein wird selten reichen

Die Bewohnerin eines Altenpflegeheimes sitzt in ihrem Zimmer in einem Rollstuhl
Einer muss am Ende zahlen. Bildrechte: dpa

Stephan Richter, der ein Pflegeheim in Giersleben im Salzlandkreis leitet, bestätigte MDR SACHSEN-ANHALT einen anstehenden Anstieg der Kosten. "Wir sehen keine andere Möglichkeit", sagte Richter. Die Vergütung des Pflegepersonals müsse sich drastisch verbessern. Seiner Einschätzung nach wird die Rente der allermeisten Bewohner nicht ausreichen, um künftig einen Pflegeplatz zahlen zu können. "Es wird zu Angehörigen führen, die zuzahlen müssen, beziehungsweise zum Sozialhilfeträger", so Richter. Die Sozialhilfe werde deshalb eine größere Bedeutung in Pflegeheimen haben, sagte Richter.

In Sachsen-Anhalt leben insgesamt rund 90.000 Pflegebedürftige.

Wie funktioniert die Pflegeversicherung? Die Pflegeversicherung ist eine Art Teilkasko. Sie soll das Pflegerisiko sozial absichern und Familien bei ihren Aufgaben unterstützen. Das bedeutet konkret: Sie trägt nur einen Teil der Kosten. Zudem sind die Pauschalen gedeckelt.

Reichen Einkommen und Vermögen zusammen mit den Pauschalen der Pflegekassen und dem Pflegewohngeld für die Heimkosten nicht aus, steht Heimbewohnern "Hilfe zur Pflege" durch das Sozialamt zu.

Quelle: MDR/ap

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 23. Januar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2018, 21:49 Uhr

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10 Kommentare

24.01.2018 17:48 Kritischer Bürger 10

Hinsichtlich der Kommentare hier mit der Frage: "Wer soll das in Zukunft noch bezahlen können" ist der Weg schon vorgezeichnet. Einfache ArbN, welche gegenwärtig in die Pflegekasse einzahlen werden wohl bald für sich im Alter und bei Pflegebedürftigkeit NUR NOCH das einfachste Angebot der Pflege bekommen! Die Reichen dieser Gesellschaft hier, welche es ja durchaus gibt, werden danach die bessere Pflege haben. Beide werden einmal älter! Wenn eben diese Reichen ggf. freischaffenden Angestellten im privaten Bereich mit Mindestlöhnen beschäftigen müssten, dass wäre ja für die Angehörigen, wie für die Pflegenden FINANZIELL ZU VIEL des GUTEN! Respektiv möchten mehr Heimplätze für die zu Pflegenden der Lobbyschichten zur Verfügung stehen! Bleibt eben für einfache Bürger das diese ihre Angehörigen für Gnadenbeträge daheim pflegen. Wie das dann die Angehörigen der unteren Bürgerschicht finanziell begleichen können bleibt am Ende deren Problem. So sieht es in dieser Gesellschaft D wohl bald aus!

24.01.2018 13:50 Chris. 9

Frechheit die Pflegeplätze sind bereits teuer genug,
für das was diese an Leistung bringen ,ja nicht in ein Pflegeheim wenn es noch einigermaßen geht,
Millionen für andere ist da nur nicht für unsere eigenen Leute die D. mit aufgebaut haben, eine Schande ist das .

24.01.2018 08:30 Leser 8

Gestern sagte im MDR ein Experte, dass der Platz im Heim in Sachsen-Anhalt am billigsten ist, so um die 1000 Euro. Wer das hört, glaubt es. Haben in Eisleben fast 3000 Euro bezahlt bis Dezember. Mal www.pflegelotse.de lesen. Da zeigt jedes Heim seine Preise. Bundesweit. Und die hohen Kosten sind überwiegend Pflege. Wo bleibt es? Beim Personal an der Basis landet es nicht. Hier sollten mal finanzprüfer in jedes Heim und kontrollieren.