Publikum verfolgt eine Diskussionsrunde
Der Podcast entstand diesmal mit Publikum in Halle. Bildrechte: MDR/Marcel Roth

Digital leben | Folge 16 "Fuck You, Digitalisierung!"

Folge 16 des Digital-Podcasts ist eine ganz besondere: Sie entstand zum ersten Mal mit Publikum – bei einer Veranstaltung der Landeszentrale für politische Bildung in Halle. Marcel Roth diskutierte mit seinen Gesprächspartnern über die politischen Herausforderungen der Digitalisierung.

Marcel Roth
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Marcel Roth, MDR SACHSEN-ANHALT

Publikum verfolgt eine Diskussionsrunde
Der Podcast entstand diesmal mit Publikum in Halle. Bildrechte: MDR/Marcel Roth

#Warum reden wir darüber?

Weil es tatsächlich DAS Thema ist, das uns seit Anfang an bei "Digital leben" begleitet: Die Digitalisierung beschert uns genug tolle und spannende Ideen – aber wollen wir wirklich so leben, wie es sich Unternehmen und Regierungen vorstellen? Von Algorithmen geleitet, von Robotern begleitet, Bildschirme vor der Nase? Schon oft haben wir gemerkt: Das Digitale ist politisch. Und dann war Thomas Erling von der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt zu Gast bei uns. Thomas war damit beschäftigt, eine Veranstaltung zu organisieren. Der provokante Titel: "Fuck You Digitalisierung". Und Thomas' Idee hat uns von Anfang an gefallen: Kommt mit "Digital leben" doch einfach zu "Fuck You Digitalisierung" nach Halle.

Digital leben, Digitalpodcast Logo 49 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

#Wen haben wir getroffen?

Eine "alte" Bekannte: Petra Sitte. Sie ist Bundestagsabgeordnete der Linken für Halle, Obfrau in der Enquete-Kommission "Künstliche Intelligenz" und Mitglied in den Ausschüssen "Digitale Agenda" und "Technikfolgenabschätzung". Mit ihr hatten wir auch schon über Bitcoins und Blockchain und über künstliche Intelligenz gesprochen. Sitte sagt: Weil sie auf ihrem PC das Passwort zum Microsoft-Konto vergessen hat, arbeitet sie jetzt mit Linux.

Zu Gast ist auch Katharina Nocun. Früher war sie für kurze Zeit politische Geschäftsführerin der Piratenpartei. Die Ökonomin und Bürgerrechtlerin bloggt über Politik in der vernetzten Welt. Sie hat die Kampagne "Asyl für Snowden" geleitet und das Buch "Die Daten, die ich rief: Wie wir unsere Freiheit an Großkonzerne verkaufen" geschrieben.

Marcel Roth mit Gästen seines Podcasts
Podcast-Macher Marcel Roth (Mitte) mit seinen Gesprächspartnern Kai Kuhnhenn, Katharina Nocun, Petra Sitte und Jannis Wlachojiannis (v.l.n.r.) Bildrechte: MDR/Marcel Roth

Die kürzeste Anreise – aus Leipzig nämlich – hat Kai Kuhnhenn. Er arbeitet beim "Konzeptwerk Neue Ökonomie" in Leipzig. Das Kollektiv will die Wirtschaft sozialer und ökologischer machen. Beim "Konzeptwerk Neue Ökonomie" bestimmen die Mitglieder selbst über die Höhe ihrer Gehälter – je nach ihren Bedürfnissen. Kuhnhenn besitzt kein Smartphone, hat Umweltwissenschaft studiert und früher beim Umweltbundesamt in Dessau gearbeitet.

Außerdem ist Jannis Wlachojiannis dabei. Er ist ausgebildeter Sozialpädagoge und Coach für digitale Balance. Vor unserer Diskussion hat er einen Workshop gegeben – mit konkreten Tipps, wie sich privates und berufliches Leben im digitalen Zeitalter besser vereinbaren lassen.

#Was hat uns überrascht?

Ich hatte es geahnt, aber es war trotzdem gut zu sehen, dass niemand das Internet abschaffen oder die Zeit zurückdrehen will. Auch Kritik am Kapitalismus, an der Globalisierung und an der Politik waren abzusehen. Aber einig waren sich am Ende alle: Wir müssen vor allem bei Kindern und in der Schule ansetzen, um die Digitalisierung anders zu gestalten, ihre Auswirkungen gesellschaftlich sinnvoller zu machen und vor allem, um Tech-Konzernen und Politikern einen gesellschaftlichen Gegenentwurf zu zeigen. Es braucht wohl eine Gegenbewegung: keine Maschinenstürmer, sondern eine positive, gestaltende Kraft. Nur: Ich sehe so richtig noch keine, irre mich aber an dieser Stelle gern.

#Und sonst so?

Schade, dass Martin Fuchs nicht dabei sein konnte. Er ist in Halle geboren, in Thüringen aufgewachsen und berät Politiker, Parteien, Regierungen und Verwaltungen zu digitaler Kommunikation. Martin saß allerdings frustriert im Zug fest. Aber irgendwann kommt er sicher noch zu "Digital leben". Und: Gern auch wieder mit Publikum. Das fand ich nämlich am tollsten. Achja: Als die Mikros schon aus waren, haben Katharina Nocun und ich den unflätigen englischen Titel geändert. In: "Fuck You, ihr Produkte der Tech-Konzerne".

#Wo der Podcast zu hören ist

Ein Mikrofon in Nahaufnahme. Im Vordergrund sind die Logos von MDR SACHSEN-ANHALT, der ARD Audiothek und von iTunes zu sehen.
Bildrechte: MDR/ARD/Apple
Marcel Roth
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über Marcel Roth Marcel Roth arbeitet seit 2008 als Redakteur und Reporter bei MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir. Nach seinem Abitur hat der gebürtige Magdeburger Zivildienst im Behindertenwohnheim gemacht, in Bochum studiert, in England unterrichtet und in München die Deutsche Journalistenschule absolviert. Anschließend arbeitete er für den Westdeutschen Rundfunk in Köln. Bei MDR SACHSEN-ANHALT berichtet er über Sprachassistenten und Virtual Reality, über Künstliche Intelligenz, Breitbandausbau, Fake News und IT-Angriffe. Außerdem ist er Gastgeber des MDR SACHSEN-ANHALT-Podcasts "Digital leben".

Quelle: MDR/fw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. Mai 2019 | 06:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2019, 20:13 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

3 Kommentare

30.05.2019 15:09 Marcel Roth 3

Zu 1 und 2) Es ist immer schade, wenn Sie nur den Text lesen und nicht den Podcast hören. Darin erklärt sich nämlich der Titel (dem man vielleicht Unflätigkeit vorwerfen kann) und der Podcast zeigt sehr wohl, dass Katharina Nocun und Petra Sitte äußerst geeignet für das Thema sind.

29.05.2019 08:19 SGDHarzer66 2

zu1., ich hätte es nicht besser ausdrücken können, sie sprechen mir aus dem Herzen.

28.05.2019 20:13 Bernd L. 1

Der dümmliche Titel zeigt in treffender Weise den kulturellen Niedergang in unserem Bildungssystem. Frau Sitte und Frau Nocun kenne ich aus öffentlichen Auftritten- beide halte ich für ungeeignet, in einem seriösen Projekt mitzuwirken.

Mehr aus Sachsen-Anhalt