Podcast "Was bleibt" | Folge 21 Was bleibt: Böhmermanns #Neustart19, Sachsen-Anhalts Schulabbrecher und die Rappbodetalsperre

Ein Gespenst geht um in der SPD – das Gespenst von Jan Böhmermann. MDR-Redakteur Jochen Müller ist sehr skeptisch, was von Böhmermanns SPD-Mitgliedschaft zu halten ist. Außerdem in dieser Podcast-Folge: Sachsen-Anhalt hat die zweithöchste Schulabbrecher-Quote in Deutschland. Und: Warum ein Blick auf 60 Jahre Rappbodetalsperre lohnt.

Marcel Roth
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Marcel Roth, MDR SACHSEN-ANHALT

Böhmermann wird SPD-Mitglied in Sachsen-Anhalt (ab Minute 1:08)

  • Seit dieser Woche ist es amtlich: Satiriker Jan Böhmermann ist SPD-Mitglied. Der SPD-Kreisverband Anhalt-Bitterfeld hat der Aufnahme zugestimmt, nachdem der Ortsverband Köthen Böhmermann Ende August aufgenommen hatte.
  • Schon in der vergangenen Woche hatte Böhmermann ein Video veröffentlicht, indem er sein Vorhaben erneut bekräftigte. Darin sagt er auch "Die Grenze zwischen Politikern und Clowns sind fließend: Boris Johnson, Donald Trump, Beppo Grillo ... Was ist Clownerei, was ist Politik?"

  • Dass er sich gerade Köthen ausgesucht hat, um SPD-Mitglied zu werden, lag vermutlich am Zeitpunkt des Landesparteitags der SPD in Sachsen-Anhalt. Der fand nämlich just an dem Wochenende statt, bis zu dem sich SPD-Mitglieder melden sollten, um für den Vorsitz zu kandidieren. Ob sich Böhmermann erhofft hatte, vom relativ kleinen SPD-Landesverband Sachsen-Anhalt nominiert zu werden?
  • Die SPD zweifelt vermutlich nach wie vor an Böhmermanns Ernsthaftigkeit. Aber nimmt ihn auch beim Wort. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil zum Beispiel.

Und... was bleibt?

  • Jede Menge Fragen: Kommt Böhmermann jemals zur SPD-Sitzung nach Köthen oder hilft seiner Partei im Wahlkampf in Thüringen?
  • Oder geht es ihm nur um Einschaltquoten?

Sachsen-Anhalt eine der höchsten deutschen Schulabbrecher-Quoten (ab Minute 15:32)

  • 11,4 Prozent der Schüler sind im vergangenen Schuljahr ohne einen Abschluss in der Tasche von der Schule gegangen. Das ist der zweithöchste Wert in ganz Deutschland.
  • Als Schulabbrecher zählt die Statistik auch Schüler, die eine Förderschule in Sachsen-Anhalt regulär nach acht Jahren Schulzeit verlassen. Manche Bundesländer haben keine Förderschulen
  • Die Gründe für einen fehlende Schulabschluss sind so vielfältig wie die jungen Menschen selbst: Eltern, die die Schule nicht ernst genug nehmen, Drogen- und Mobbing-Probleme oder zu wenige Schulsozialarbeiter, die den Jugendlichen helfen könnten. Auch der Lehrermangel spielt eine Rolle.
  • Schulabbrecher können in speziellen Klassen an Berufsschulen ihren Hauptschulabschluss – das so genannte Berufsvorbereitungsjahr – nachholen oder sie werden in EU-geförderten Programmen befähigt, in eine solche Klasse zu kommen.
  • 560 junge Menschen haben im vergangenen Jahr so ihren Hauptschulabschluss nachgeholt.

Und... was bleibt?

  • Menschen ohne Schulabschluss haben ein höheres Risiko gekündigt zu werden, wenn die Konjunktur abflaut. So steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie von staatlichen Hilfen leben und sich nur schwer weiterentwickeln.
  • Alle Beteiligten am System Schule haben große Verantwortung, damit mehr junge Menschen einen Schulabschluss bekommen. Gerade an Sozialarbeitern sollte nicht gespart werden. Die Gefahr besteht allerdings, weil das EU-Förderprogramm im nächsten Jahr ausläuft und die Zusage des Bildungsministers, die Kosten zu übernehmen, noch nicht in trockenen Tüchern ist.

Happy Birthday: 60 Jahre Rappbodetalsperre (ab Minute 36:58)

  • Den Plan für eine Talsperre im Harz gibt es schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit brauchte die Industrie Energie, die Menschen sauberes Wasser und die Städte Schutz vor Hochwasser.
  • All das bietet die Rappbodetalsperre noch heute. Sie erzeugt Strom, versorgt die Menschen mit Trinkwasser und schützt Orte im Harz vor Hochwasser. Sie hält so einige Rekorde: Die höchste Staumauer Deutschlands, der größte Stausee im Harz und eine der größten Trinkwasser-Talsperren hierzulande.
  • Und mittlerweile ist die Rappbodetalsperre auch als Tourismus-Magnet ein Ding der Superlative: mit der längsten Zipline Europas und einer der längste Fußgänger-Hängebrücken der Welt.

Und... was bleibt?

  • Dass dieses einmalige Bauwerk auch in Zukunft noch so beeindruckt und viele Menschen anlockt, mit Strom und Wasser versorgt und schützt.

Die Rappbode-Talsperre früher (Bild: Helmut Pape) und heute (Bild: mdr um vier/MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK). + Video
Bildrechte: Collage/Helmut Pape/mdr um vier/MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Seilhängebrücke neben der Staumauer an der Rappbodetalsperre
Bildrechte: MDR/Martin Paul

Wo der Podcast zu hören ist

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Marcel Roth
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Über den Autor Marcel Roth arbeitet seit 2008 als Redakteur und Reporter bei MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir. Nach seinem Abitur hat der gebürtige Magdeburger Zivildienst im Behindertenwohnheim gemacht, in Bochum studiert, in England unterrichtet und in München die Deutsche Journalistenschule absolviert. Anschließend arbeitete er für den Westdeutschen Rundfunk in Köln. Bei MDR SACHSEN-ANHALT berichtet er über Sprachassistenten und Virtual Reality, über Künstliche Intelligenz, Breitbandausbau, Fake News und IT-Angriffe. Außerdem ist er Gastgeber des MDR SACHSEN-ANHALT-Podcasts "Digital leben".

Quelle: MDR/jr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2019, 18:00 Uhr

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