Sachsen-Anhalt mit größter Differenz Deutlich weniger Personal bei der Polizei als noch vor 20 Jahren

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Sachsen-Anhalt hat am meisten Personal im Polizeidienst je 100.000 Einwohner. Dennoch gibt es im Land rund 30 Prozent weniger Menschen im Polizeidienst als noch vor 20 Jahren. Gute Zahlen gibt es beim Nachwuchs.

Polizeischule mit Kommissarin und Absolventin
Hoffnungsschimmer: Die Zahlen beim Nachwuchs innerhalb der Polizei sind in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Frauen und Männer im Polizeidienst seit 2000 um knapp ein Drittel gesunken. Das zeigen Daten des Statistischen Bundesamtes, die MDR SACHSEN-ANHALT ausgewertet hat. Demnach ist die Zahl der Bediensteten bei der Polizei zwischen 2000 und 2019 um 30,4 Prozent heruntergegangen.

Zum Vergleich: Das Nachbarland Niedersachsen verzeichnete den Daten zufolge im selben Zeitraum einen Anstieg um 15 Prozent. Auch bundesweit geht der Trend, anders als in Sachsen-Anhalt, nach oben: Insgesamt gab es seit 2000 über alle 16 Bundesländer hinweg einen Zuwachs von 4,5 Prozent.

Sachsen-Anhalt: 30 Prozent weniger Polizei als noch vor 20 Jahren

In den Daten des Statistischen Bundesamt sind sogenannte "Vollzeitäquivalente" abgebildet. Das heißt, es werden alle Arbeitsstellen im Bereich der Polizei berücksichtigt und auf Vollzeitstellen hochgerechnet. Dies betrifft zum einen den Vollzugsdienst und zum anderen den Verwaltungsdienst. Und dabei zeigen sich Unterschiede: Bei den Beamtinnen und Beamten im Vollzugsdienst gab es einen personellen Anstieg von 7,1 Prozent, während es im Verwaltungsdienst heute 9,5 Prozent weniger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Vergleich zum Jahr 2000 gibt.

Auf 100.000 Einwohner steht Sachsen-Anhalt gut da

Was die Zahlen ebenfalls zeigen: Auf 100.000 Einwohner gerechnet, gibt es in Sachsen-Anhalt besonders viele Polizistinnen und Polizisten. Im Vergleich mit den anderen Flächenländern steht das Land den Daten zufolge auf dem ersten Platz. Auch bundesweit ist die Zahl der Polizistinnen und Polizisten je 100.000 Einwohner in den vergangenen fünf Jahren gestiegen, wenn auch nur leicht: In den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen gab es demnach im Jahr 2019 im Schnitt 29 Beamte mehr je 100.000 Einwohner als noch 2015. In den Flächenländern lag der Zuwachs im selben Zeitraum bei zehn Bediensteten.

Anmerkung des Statistischen Bundesamt zur Datenerhebung

Der Aufgabenbereich der Polizei schließt neben Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamten auch das Verwaltungspersonal mit ein sowie das Personal des Bundeskriminalamtes und der Landeskriminalämter und das Personal in Ausbildung. Bei der Ermittlung der Vollzeitäquivalente werden Teilzeitbeschäftigte mit deren Anteil an der Arbeitszeit eines Vollzeitbeschäftigten berücksichtigt. Zum Beispiel bilden zwei 50 Prozent-Teilzeitbeschäftigte ein Vollzeitäquivalent.

Schaut man sich die Zahlen der einzelnen Bundesländer an, ist Sachsen-Anhalt, nach den Stadtstaaten, mit 359 Personen an der Spitze, was das Personal im Polizeidienst je 100.000 Einwohner angeht – gefolgt von Sachsen mit 357 und Baden-Württemberg mit 352. Die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen haben in dieser Statistik deutlich höhere Werte als die Flächenländer.

Sachsen-Anhalt mit großem Zuwachs bei Polizeianwärtern

Polizeifahrzeug in der Aufsicht.
In Sachsen-Anhalt gibt es deutlich weniger Menschen im Polizeidienst als noch vor 20 Jahren. Aber: Beim Nachwuchs steigt die Zahl. Bildrechte: IMAGO

Was auffällt: Die Zahl der Anwärterinnen und Anwärter auf einen Job bei der Polizei ist in Sachsen-Anhalt in den vergangenen zehn Jahren wieder deutlich nach oben gegangen. Sachsen-Anhalt liegt in dieser Statistik bundesweit auf dem zweiten Platz hinter Hamburg. Während in der Hansestadt ein Anstieg von 345,8 Prozent seit 2010 festgestellt wurde, kommt Sachsen-Anhalt beim Nachwuchs auf ein Plus von 302,1 Prozent verglichen mit 2010.

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Kevin Poweska arbeitet trimedial im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT. Aktuell ist er den letzten Zügen des Bachelor-Studiengangs Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Während seines Studiums absolvierte er bereits ein Praktikum bei der Braunschweiger Zeitung.
In seiner Freizeit ist er gerne sportlich aktiv: Seine Hauptambitionen liegen in den Sportarten Basketball, Tennis und Fußball – aber auch da probiert er sich gerne immer wieder neu aus. Zudem ist er journalistisch sportlich voll dabei: Kevin Poweska führt einen Blog zu den Deutschen Tennisherren und steht dabei mit den Spielern für Postgame-Interviews in regem Kontakt.

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Quelle: MDR/pow

8 Kommentare

ElBuffo vor 5 Wochen

Naja, da sind vielleicht die Bundesländer im Westen mit der kreativen Statistik an dieser Stelle schon weiter und/oder die dortige Bevölkerung heben bestimmte Erscheinungen schon gar nicht mehr an und haben längst aufgegeben, da noch die Polizei zu rufen oder Strafanzeigen zu stellen. Das alles ist schließlich Ländersache. Der Trend ist auch hierzulande zu beobachten. Wer nach 2,5 Jahren dann von der Staatsanwaltschaft erfährt, dass das Verfahren wegen mangelndem öffentlichen Interesse (Körperverletzung, Fahrerflucht, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Beleidigung (es sei, denn es wurden Gäste beleidigt)) eingestellt wird, der lässt es beim nächsten Mal sein. Und alle anderen, die das mitbekommen gleich mit. Schon hat man ein paar Pluspunkte in der Statistik gesammelt.

Mediator vor 5 Wochen

Zunächst einmal sind Statistiken allemal belastbarer als ihr Bauchgefühl. Sorry, aber sie haben im Gegensatz zu den Statistiken die von der Polizei erhoben werden NICHTS zu bieten.

Die Zahl der Straftaten ist seit langem rückläufig und auch dort wo neue Kriminalitätsschwerpunkte auftreten stellt sich die Polizei nach einiger Zeit erfolgreich darauf ein und drängt die Kriminalität zurück. (siehe Wohnungseinbrüche).

Was wollen sie denn bitte mit sichtbarer Polizei anfangen? Nach dem Weg fragen? Denken sie es interessiert einen Einbrecher der gerade eine Wohnung ausräumt, dass zwei Straßen weiter ein Streifenwagen vorbei fährt? Straftaten werden in der Mehrzahl durch akribische Detailarbeit und nicht durch Hochgeschwindigkeitsverfolgungsjagden aufgeklärt.

Codo vor 5 Wochen

wundern, dass die Polizei wegen so etwas nicht mit Blaulicht vorfährt und (offensichtlich auch wegen anderer unnötiger Einsätze) mal 1h und länger braucht. Da liegt ein Mann auf der Bank - Nein, ich schaffe es nicht ihn zu fragen, ob es ihm gut geht, 110 die müssen schon hinkommen... Da liegt ein toter Fuchs auf der Straße - Nein ich kann den nicht einfach in den Graben schubsen, dass kein Motorradfahrer zu Schaden kommen könnte - 110, die müssen schon kommen und das machen...

Derlei Beispiele wo auch eine Klärung ohne Polizei möglich ist, gibt es wohl unendlich und die nehmen zu. Und gerade die Leute, die wegen solcher Nichtigkeiten einen NOTruf wählen, sind dann besonders verärgert wenn sie nach zunächst einmal eigener Initiative gefragt werden und schimpfen am lautesten, wenn nicht sofort....

Sollte sich doch mal jeder selbst an die Nase fassen mit was für Kleinigkeiten er die Polizei blockiert und somit alle manchmal lange warten müssen. Hauptsache ich bin wichtig...

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