Rekordjahrgang an Polizeischule Aschersleben Straße statt Kripo: Warum eine junge Kommissarin gern auf Streife geht

Annette Schneider-Solis
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Nach drei Jahren hat Lea Mucke ihr Studium an der Fachhochschule der Polizei abgeschlossen. Sie gehörte zu dem stärksten Jahrgang nach der Wende mit 700 Anwärterinnen und Anwärtern. MDR SACHSEN-ANHALT hat sie durch diese Zeit begleitet.

Kommissarin und Absolventin
Lea Mucke bei der Zeugnisübergabe auf der Absolventenfeier Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Nach der Zeugnisübergabe flossen die Tränen. Tränen der Freude, wie Lea Mucke beteuert. Überglücklich umarmt sie ihre Studienkolleginnen, später dann die Eltern und die Schwester, die wegen Corona draußen vor dem Tor warten mussten wie alle anderen Familienangehörigen. In der Hand das Zeugnis und die neuen Schulterstücke mit dem silbernen Stern, die sie als Kommissarin tragen darf.

Silberner Stern und Klaps auf die Schultern

Rektor Frank Knöppler und der Magdeburger Polizeichef Tom-Oliver Langhans befestigten die Schulterstücke persönlich und gaben der jungen Polizisten einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter, begleitet von guten Wünschen für die Zukunft, die für Lea in der Polizeiinspektion Magdeburg beginnt.

Im September 2017 hatte die junge Frau aus Barby ihr Studium begonnen. Weil die Polizei jahrelang kaputtgespart worden war, sollten nun besonders viele junge Leute nachrücken. 700 sollten 2017 ihre Ausbildung beginnen. Die Bewerbung von Lea war exakt die 700. Sie war deshalb diejenige, die im Herbst 2017 an der Seite von Innenminister Holger Stahlknecht den Eid sprechen durfte.

700 Absolventinnen und Absolventen

Etwas weniger als 700 angehende Polizistinnen und Polizisten des Jahrgangs 2017 drückten fortan in Aschersleben die Schulbank. Weil die Schule nur für ein Drittel ausgelegt war, wurde ein zusätzliches Gebäude in Aschersleben angemietet. "Die Entscheidung, die Ausbildungszahlen zu erhöhen, war eine politische", betont der Rektor der Fachhochschule, Frank Knöppler. "Für uns war die Situation eine große Herausforderung, aber viele junge Leute sind das, was eine Hochschule braucht."

Zeugnisse für Kommissarinnen und Kommissare

Vor einem halben Jahr schlossen diejenigen ihre Ausbildung ab, die seither als Polizeimeisterin oder Polizeimeister die Reihen der Polizei verstärken. In dieser Woche erhielten die Kommissarinnen und Kommissare ihre Zeugnisse. Nicht alle haben es geschafft – insgesamt 540 wurden in den Dienst genommen, 150 beendeten vorzeitig ihre Ausbildung. "Die Gründe sind vielfältig", weiß Frank Knöppler. "Einige haben sich beruflich umorientiert, andere haben die sportlichen, gesundheitlichen oder fachlichen Anforderungen nicht erfüllt oder hatten keine Fahrerlaubnis, wieder andere wurden wegen Straftaten entlassen." Der Rektor beteuert, es sei gut, dass auch während der Ausbildung selektiert werde. Das komme der Landespolizei zu Gute.

Neue Anforderungen: Kein Sporttest mehr

Immerhin sind die Anforderungen verändert worden, weil so viele Stellen besetzt werden mussten. So ist statt des Sporttests nur noch der Nachweis des Sportabzeichens in Silber nötig, und auch die Altersgrenze wurde nach oben verschoben. Letzteres bewertet der Rektor unbedingt positiv. Es gebe unter anderem auch Wachpolizisten die Möglichkeit, ihren Abschluss nachzuholen. Unter den Absolventinnen und Absolventen des Herbstes 2020 war auch die erste Wachpolizistin, die nun als Polizeimeisterin übernommen wird.

Abwechslungsreiche Ausbildung: Vom Schießtraining bis hin zu Verkehrskontrollen

Lea Mucke blickt gern auf ihr Studium in Aschersleben zurück. "Es war eine anstrengende, aber auch eine schöne Zeit", bekennt sie. Das morgendliche Anziehen der Uniform war schon bald ein festes Ritual. Schießtraining, Handlungstraining, Sport, büffeln, immer wieder Tests und Prüfungen, Praktika in der Bereitschaftspolizei, im Revier Staßfurt, in Schönebeck. Die ersten Verkehrskontrollen mit anderen Anwärtern und einem Ausbilder an der Seite, das erste Mal allen Mut zusammennehmen und Bürger ansprechen. Bald schon war auch das Routine.

Polizeischule mit Kommissarin und Absolventin
Die Polizistinnen und Polizisten auf der Absolventenfeier Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Träumte die Barbyerin anfangs von einer Karriere bei der Kripo oder in der Hundestaffel, sah das nach dem ersten Praktikum schon anders aus. "Der ganz normale Streifendienst war spannend", blickt sie zurück. Vor allem die Vielfalt der Aufgaben begeisterte sie. Und dass kein Tag erwartbar war. Die schönsten Augenblicke für sie waren es, wenn sie Leuten ein Lächeln auf das Gesicht zaubern konnte. "Wenn man freundlich zu den Menschen ist, kommt das auch zurück", weiß sie.

Großeinsatz während des Praktikums

Lea erlebte während ihrer Ausbildung auch schwierige Situationen. Als Praktikantin war sie etwa bei den Ausschreitungen am Magdeburger Hasselbachplatz dabei, nachdem der 1. FC Magdeburg den Aufstieg in die 2. Liga geschafft hatte. "Das war das Heftigste", bekennt sie, weiß aber, dass solche Situationen im Polizeialltag immer wieder vorkommen können. Trotzdem würde sie ihren Traumberuf immer wieder ergreifen und empfiehlt das auch anderen. Lea wird ab sofort als Kommissarin im Revier Magdeburg Streife fahren. Sie freut sich auf ihre neue Aufgabe im Reviereinsatzdienst.

Annette Schneider-Solis
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die Autorin Annette Schneider-Solis arbeitet seit Mai 1994 für den MDR. Sie ist vor allem als Reporterin für Fernsehen, Hörfunk und Online im Land unterwegs. Ihre Themenpalette ist breit. Annette Schneider-Solis ist in Magdeburg geboren, hat in der Nähe von Stendal Zootechnikerin gelernt, das Abi an der Abendschule gemacht und in Leipzig Journalistik studiert. Seit 1985 arbeitet sie als Journalistin, seit 1994 als Freie, vor allem für den MDR, aber auch für die dpa und ab und zu für verschiedene Zeitungen. Lieblingsorte in Magdeburg hat sie viele - dazu gehören der Stadtpark und der Möllenvogteigarten in Magdeburg und die ländlichen Regionen. Vor allem das weite Grünland in der Altmark und die Felder in der Börde.

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Quelle: MDR/vö

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 31. August 2020 | 19:00 Uhr

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