Ein Mann steht an einem Fluss und schaut in die Kamera.
Frank Sitta lebt und arbeitet in Halle an der Saale. Bildrechte: MDR/Anja Schlender

Serie zur Wahl Frank Sitta: Der Optimist, der aus Fehlern lernen will

Mit 4,9 Prozent war die FDP der große Verlierer der Landtagswahl 2016. Derzeit sitzt sie auch nicht im Bundestag. Doch der Landesvorsitzende Frank Sitta sieht es sportlich. Mit Optimismus und Tatendrang startet er als Spitzenkandidat der FDP-Landesliste in den Bundestagswahlkampf. MDR SACHSEN-ANHALT hat ihn einen Tag lang begleitet.

von Anja Schlender, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein Mann steht an einem Fluss und schaut in die Kamera.
Frank Sitta lebt und arbeitet in Halle an der Saale. Bildrechte: MDR/Anja Schlender

Er hat alles dabei. Frank Sitta lädt den Lautsprecher aus seinem Auto und trägt ihn in das alte Kaufhaus in der Hallesches Innenstadt. Hier soll es heute Abend eine Diskussionsveranstaltung der FDP geben. Die Liberale Hochschulgruppe hat eingeladen. Stehtische hat Sitta gemeinsam mit den Studenten organisiert. Ebenso Hocker und bunte FDP-Aufkleber. Das Bier wird heute Abend gratis sein. Den riesigen Getränkekühlschrank hat er bei einem Freund geliehen. Doch von vorn:

Der Spitzenkandidat der FDP-Landesliste für die Bundestagswahl sitzt am Nachmittag dieses heißen Juli-Tages an der Saale in Halle. Frank Sitta ist 39 Jahre alt. Das dunkle Haar trägt er an den Seiten kurz geschnitten. Ein Dreitagebart ziert die Wangen. Die braunen Augen schauen freundlich.

Unternehmer und Politiker

Sitta ist Unternehmer. Das Büro seiner Eventagentur ist nur hundert Meter vom Saaleufer entfernt – im Haus der Eltern. Seit er in die Politik gegangen ist, hat Sitta die Aufträge zurückgefahren. Seit 2015 ist er FDP-Landesvorsitzender. Außerdem FDP-Kreisvorsitzender in Halle. Nun also Landes-Listenplatz eins für die Bundestagswahl.

Ein Mann steht an einem Fluss und schaut in die Kamera.
Er liebt die Saale aber auch den Norden Sachsen-Anhalts. Tangermünde zum Beispiel. Bildrechte: MDR/Anja Schlender

Das Wasser gluckst gegen den Rumpf des Restaurantschiffs, und Herr Sitta spricht über die FDP. Jene Partei, die derzeit weder im Bundestag noch im Landtag von Sachsen-Anhalt vertreten ist. Fast hätten sie es 2016 bei der Landtagswahl geschafft. Am Ende blieb es bei 4,9 Prozent. "Ich sehe das sportlich", sagt er heute. "Ich bin Optimist. Vielleicht sollte alles so sein." Zehn Monate später wurde sein Sohn geboren.

Mit Frau, Stiefsohn und gemeinsamem Sohn lebt er im Stadtteil Heide-Süd in einer Mietwohnung. Seine Frau ist Flugbegleiterin. Nach der Elternzeit will sie wieder arbeiten. "Das unterstütze ich", sagt Sitta. Gleichberechtigung sei ihm wichtig. Und: Die Familie sei die Basis für alles weitere im Leben.

Politik als Ehrenamt

Das heißt für ihn: Die Balance zwischen Politik und Berufsleben. Ohne professionelle Strukturen versucht er, alle Bälle in der Luft zu halten: Politik zu machen mit nur einer Mitarbeiterin. Auch seine Firma hat nur noch eine Honorarkraft. Zudem sitzt er seit kurzem auch im Bundes-Präsidium der FDP. Als einziger Ehrenamtler. Ist alle zwei Wochen in Berlin unterwegs. "Mir geht es um die Inhalte, nicht um den Politzirkus", sagt er und man möchte seinem Enthusiasmus glauben. Inhalte sind für ihn: Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Liberales Denken in allen Bereichen. Auch, was zum Beispiel die Legalisierung von Cannabis angeht. Und Bildung. Von Anfang an.

Zwei Männer schauen auf eine Werkbank mit metallfarbenen Spitzen
Sitta zu Besuch bei der Metallbaufirma Kiel. Bildrechte: MDR/Anja Schlender

Doch vor allem geht es um die Unternehmer. Sitta hat einen Besuch bei einem Metallbau-Unternehmen in Landsberg organisiert, lässt sich vom Juniorchef die Geschichte der Firmengründung berichten. Dann geht es in die Werkhalle. Hier werden Bleche und Metallteile jeder Art gefertigt und wieder hergerichtet. Sitta staunt und fragt nach dem Breitbandausbau. Ein müdes Lächeln des Unternehmers. Es sei eine Katastrophe, sich von außen ins Firmennetzwerk einzuwählen. Es müsse sich dringend etwas ändern.

Das haben alle Parteien längst erkannt – nicht nur die FDP. Dennoch nutzt Sitta die Gelegenheit zu einem Kurzvortrag darüber, dass Internet heutzutage verfügbar sein müsse wie Wasser oder Strom. Der Unternehmer nickt zustimmend und schweigt.

Um dieses Thema wird es auch am Abend bei der Diskussion gehen. Doch vorher muss er noch den Gast vom Bahnhof abholen. Als Sitta am Bahnhof wartet, führt er noch ein paar Telefonate für seine Firma, dann geht es weiter im Takt.

Selbst ist der Mann

Konstantin Kuhle ist nach Halle gekommen. Der Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen. Sitta bringt ihn zum Veranstaltungsort. Dann gibt es ein Problem: Der Kühlschrank kühlt nicht. Kurzerhand ruft Sitta seinen Freund an, dem das Gerät gehört. Der kommt und drückt die richtigen Knöpfe. Alles gut.

Gut zwanzig Leute sind gekommen. Junge Menschen. Die Herren mit schickem Hemd. Einige Damen tragen hübsche Kleider. "Ich mochte das früher auch, mich schick anzuziehen", erzählt Sitta mit einem Lächeln. Er habe Praktika in Anzug, Hemd und Schlips gemacht. Eben weil es anders war. Schick. Mittlerweile trägt Sitta lieber legere Kleidung. Heute Abend ist es ein schwarzes Poloshirt. Der Spitzenkandidat und Landesvorsitzende ist fast schon underdressed.

Nun kann es losgehen. "Treppentalk zur Zukunft der Arbeit". Gastredner Kuhle ist voll des Lobes für seinen Parteifreund: "Frank ist ein mutiger und durch und durch optimistischer Mensch", sagt er zur Begrüßung.

"Flüchtlinge sind Macher"

Zwei Männer stehen auf einer Treppe.
Der Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen Konstantin Kuhle (l.) und Frank Sitta reden über die Zukunft der Arbeit. Bildrechte: MDR/Anja Schlender

Dann offenbaren beide ihr rhetorisches Talent. Wer auch immer das Wort ergreift, hat einen lockeren Spruch auf den Lippen – einen kleinen Scherz. Und am Ende die Botschaften der FDP: Die Globalisierung könne man nicht aufhalten. Genauso wenig wie den Vormarsch der Digitalisierung. Traditionelle Jobs würden verschwinden, sagen sie. Andere würden entstehen. "Und wenn jemand auf der Strecke bleibt und Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes hat?", fragt ein Zuhörer. Dann heißt die Antwort der Redner: Qualifizierung und lebenslangen Lernen. So einfach geht das bei der FDP. Jeder ist seines Glückes Schmied.

Übrigens auch, wenn es um Asylpolitik geht. "Die Flüchtlinge sind absolute Macher", sagt Sitta. "Sie haben es zu Fuß von Syrien bis nach Deutschland geschafft", sagt er. "Warum werden sie hier in das Sozialsystem gepresst", fragt er. Arbeiten sollten sie, fordert er. Und wenn es nur Rasen mähen sei. Und die Sprache lernen. Sich selbst etwas aufbauen.

Es geht um nicht weniger als Mut, Eigenverantwortung und darum, aus Fehlern zu lernen. Auch für die FDP. Auch für Frank Sitta.

Eine Frau steht vor einer Wand und lächelt in die Kamera.
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Über die Autorin Anja Schlender ist seit 2008 für MDR SACHSEN-ANHALT im Online- und Fernsehbereich tätig. 
Sie hat Amerikanistik in Berlin studiert und ihr journalistisches Volontariat bei der Magdeburger Volksstimme und der Evangelischen Journalistenschule in der Bundeshauptstadt absolviert.

Vor der Bundestagswahl porträtiert sie für MDR SACHSEN-ANHALT sechs Spitzenkandidaten. 

Spitzenkandidaten aus Sachsen-Anhalt:

Quelle: MDR/as

Zuletzt aktualisiert: 03. August 2017, 19:32 Uhr

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6 Kommentare

04.08.2017 22:27 Peter 6

Wenigstens einer, der nach vorne denkt. Und das Thema Breitbandausbau haben die anderen Parteien auch erst entdeckt, als die FDP damit losgezogen ist.

04.08.2017 21:15 W. Merseburger 5

Die Autorin dieser Beitragsserie macht das sehr gut. Sie ist weit entfernt von politischen Wertungen über "Gut und weniger Gut". Ich bin gespannt, wie sie einen AFD- Kandidaten ohne Voreingenommenheit vorstellen wird.
Natürlich muss man zur FDP sagen, dass die neulich veröffentlichten Daten zu großzügigen Parteispenden irritieren. Soll die Wahl zum Bundestag wirklich käuflich sein?

04.08.2017 14:29 SGDHarzer66 4

"Flüchtlinge sind Macher" im Abkassieren innerhalb des Sozialstaates BRD. Das ist die Wahrheit, liebe Gutmenschen. Und Sitta weiß dies nur zur gut, also was soll das Gesäusel von "Inhalten" in einer wertefreien Republik?

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:

Ja, es gibt solche Vorfälle. Diese können sie aber nicht allen Geflüchteten vorwerfen. Ein solches Pauschalurteile ist unangebracht.

04.08.2017 13:15 gerd 3

Ich halte Frank Sitta für einen guten Kanditaten.
der weiss wenigstens noch was es heisst mit eigenen Händen Geld zu verdienen anders als die politprofis von SPD und Linken die von Steuergeldern leben .

04.08.2017 07:52 Linda 2

Das Asylgesetz ist nicht dafür da, das Flüchtlinge hier arbeiten sollen. Es ist für humanitäre Hilfe da und nicht für billige Arbeitskräfte. Auch bringt es nicht, das Tausende hier sind und dann wieder abgeschoben werden, weil Sie kein Anrecht auf Hilfe haben, das kostet uns wieder sinnloses Geld, was man woanders hätte einsetzen können.Sowas erwarte ich von Herrn Sitte, wenn ich die FDP wählen würde, er schwimmt einfach nur mit...! Leider

03.08.2017 20:35 Barbara 1

ja da dürfen diese aber nicht wieder sagen mehr Netto als Brutto......... FDP ist nicht für den kleinen Bürger da sondern für die erhobene Klasse..........
mit denen gewinnt man auch keinen Blumentopf im gegenteil...............