Kerzen leuchten an einer Gedenkstelle in Köthen
In Köthen ist ein 22-Jähriger zu Tode gekommen. Viele stellten Kerzen für ihn auf. Am Abend hatten rechte Gruppierungen zu einer Demo aufgerufen, der rund 2.500 Menschen gefolgt waren. Bildrechte: MDR/Matthias Strauß

Nach Todesfall in Köthen Stahlknecht: Bis zu 500 Personen aus der rechten Szene

Der Tod eines 22-Jährigen in Köthen beschäftigt weiter das Land. Sonntagabend folgten 2.500 Menschen dem Aufruf rechter Gruppierungen und gingen in Köthen auf die Straße. Unter den Teilnehmern seien 400 bis 500 Personen der rechten Szene zuzuordnen. Das teilten Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) und Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit.

Kerzen leuchten an einer Gedenkstelle in Köthen
In Köthen ist ein 22-Jähriger zu Tode gekommen. Viele stellten Kerzen für ihn auf. Am Abend hatten rechte Gruppierungen zu einer Demo aufgerufen, der rund 2.500 Menschen gefolgt waren. Bildrechte: MDR/Matthias Strauß

Nach dem Tod eines jungen Mannes in Köthen hat Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) davor gewarnt, die Einwohner unter Generalverdacht zu stellen. Bei einer Pressekonferenz mit Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) sagte Stahlknecht, viele Köthener hätten am Sonntagabend aus eigener Motivation an einem sogenannten Trauermarsch teilgenommen, zu dem die rechte Szene aufgerufen hatte. Das bedeute aber nicht automatisch, dass sie rechtsradikal seien. Dem Minister zufolge waren dem Internetaufruf etwa 2.500 Personen gefolgt.

Drei Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung

Darunter seien Einwohner der Stadt gewesen, einige AfD-Mitglieder und etwa 400 bis 500 Anhänger der rechten Szene. Diese seien aus ganz Sachsen-Anhalt, aber auch aus Niedersachsen und Thüringen angereist. Die Sicherheitsbehörden würden genau auswerten, wer am Sonntagabend was skandiert habe. Es liefen bereits drei Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung.

Bei dem so genannten Trauermarsch am Abend waren Neonazis, Rechtsextreme genauso wie Hooligans in der Menge zu sehen, der Kopf des Pegida-Ablegers Thügida, der Ex-NPD-Mann David Köckert, sprach übers Mikrofon von einem "Rassenkrieg gegen das deutsche Volk".

Genauer Hergang der Auseinandersetzung weiter offen

Stahlknecht zufolge ist er am frühen Sonntagmorgen von dem Vorfall in Köthen informiert worden. Kurz darauf sei sein Ministerium arbeitsbereit gewesen. Man habe die Landesbereitschaftspolizei alarmiert und Kräfte aus anderen Bundesländern und der Bundespolizei angefordert. Noch am Sonntagvormittag habe er mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) telefoniert.

In Köthen seien Polizeibeamte aus Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen, Niedersachsen und der Bundespolizei im Einsatz gewesen. Ihre Zahl habe in einem hohen dreistelligen Bereich gelegen.

Wir ermitteln in alle Richtungen und werden die in der Öffentlichkeit kursierenden Geschehensabläufe weder bestätigen noch dementieren.

Justizministerin Keding (CDU)

Doch es gab kaum neue Details zu dem, was in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag geschehen ist, bevor der 22-Jährige – wie es der mündlich an die Staatsanwaltschaft übermittelte Obduktionsbericht sagt – einem Herzversagen erlag. Zum genauen Tathergang am späten Sonnabendabend wollten der Innenminister, die Justizministerin und auch der zuständige Oberstaatsanwalt nichts Neues sagen. Justizministerin Keding: "Wir ermitteln in alle Richtungen und werden die in der Öffentlichkeit kursierenden Geschehensabläufe weder bestätigen noch dementieren."

Klar ist bisher, dass es am Sonnabendabend eine Auseinandersetzung zwischen mindestens zwei Afghanen und zwei Deutschen gegeben hat, in deren Folge der 22-jährige zu Tode kam. Laut Keding ist der junge Mann "mit hoher Wahrscheinlichkeit an Herzversagen gestorben". Laut Oberstaatsanwalt Horst Nopens brachte das vorläufige Obduktionsergebnis hervor, "dass wir keine Verletzungen feststellen konnten, die todesursächlich wären". Wie schwer der junge Mann unabhängig davon durch die Auseinandersetzung verletzt wurde, dazu wollte Nopens nichts sagen. Nur soviel: "Es hat wohl Verletzungen gegeben."

Pressekonferenz zum Todesfall in Köthen 53 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR+ Mo 10.09.2018 11:30Uhr 52:45 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Einer der Tatverdächtigen stand vor Abschiebung

Innenminister Holger Stahlknecht äußerte sich auch zu Gerüchten über den Aufenthaltsstatus der beiden 18 und 20 Jahre alten tatverdächtigen Afghanen – beide sitzen in Untersuchungshaft und gegen sie wird derzeit wegen gefährlicher Körperverletzung und Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt. Beide seien als minderjährige Flüchtlinge eingereist, mittlerweile aber volljährig. Der 18-Jährige habe eine gültige Aufenthaltserlaubnis, bei ihm bestehe keine Ausreisepflicht. Bei dem 20-jährigen Beschuldigten sehe das anders aus. Stahlknecht bestätigte bisherige Informationen, dass er ausreisepflichtig gewesen sei, er habe lediglich eine Duldung besessen.

Die Abschiebung hatte sich über einen längeren Zeitraum verzögert: Die Ausländerbehörde habe bereits im April 2018 bei der Staatsanwaltschaft die Abschiebung beantragt. Diese sei abgelehnt worden, weil gegen den jungen Mann unter anderem ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung anhängig gewesen sei.

Ende August habe der Landkreis Anhalt-Bitterfeld einen weiteren Antrag auf Abschiebung gestellt, den die Staatsanwaltschaft nun vergangene Woche genehmigt habe. Keding: "Das hat sich mit den aktuellen Ereignissen überholt." Solange die Ermittlungen weiterliefen, sei die Abschiebung ausgesetzt. "Bei dieser unklaren Lage sehe ich nicht, dass die Staatsanwaltschat einer Abschiebung zustimmt."

Gedenkveranstaltung für Montagabend angekündigt

Stahlknecht sagte, sein Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen des verstorbenen 22-Jährigen. Trotz aller Betroffenheit müsse nun jedoch mit allen staatlichen Mitteln dafür gesorgt werden, "dass Betroffenheit Betroffenheit bleibt".

Auch Montagabend soll es in Köthen eine Gedenkveranstaltung geben. Das hat die AfD angekündigt. Dem Innenministerium zufolge wird die Polizei wieder mit einem Großaufgebot dabei sein. Stahlknecht: "Wir werden einen Wasserwerfer dabei haben und auch berittene Polizei. Wir stellen uns so auf, dass der Staat reagieren und agieren kann. Und wir beobachten sehr genau, was in den sozialen Medien passiert."

Quelle: MDR/mg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 10. September 2018 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. September 2018, 14:16 Uhr

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49 Kommentare

11.09.2018 20:35 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 49

@ 47:
Zitat "Die Rede von Schäuble heute war eigentlich zielführend nur muss die Regierung einschl. Opposition schneller und konsequenter handeln z.B.gegen Gewalt,Hetze,konsequente Asylpolitik u.s.w. ohne Abstriche und Herkunft,also gegen Jedermann der ein Straftäter ist."

Leute, die den 'Hitlergrößenvergleich' zeigen, werden in 'Demonstrationen' oder 'Trauermärschen' zumeist nur bildlich von der Polizei erfaßt und später verfolgt, "um eine Eskalation zu vermeiden", obwohl das Bild eines 'Demonstrations-' oder 'Trauerzuges' mit 'verfassungungsfeindlichen Kennzeichen' eine "Eskalation der Unterminierung der deutschen Außenwirkung" darstellt, die nun mal auch einen "Schaden für das deutsche Volk" darstellt.

Diesen Schaden wollen offenbar nicht alle Politiker vom deutschen Volk abwenden...

11.09.2018 17:22 HDM 48

Tja, Herr Stahlknecht - Ihre Ambition, irgendwann einmal das Amt des Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt zu übernehmen, dürfte sich spätestens seit diesem September 2018 erledigt haben! Selbst ein Parteiwechsel würde Sie zur Landtagswahl 2021 nicht voranbringen - ich glaube kaum, daß die AfD Sie aufnimmt.
Ihnen hätte sehr gut zu Gesicht gestanden, wenn Sie bei dem Trauermarsch in Köthen in der ERSTEN REIHE mitmarschiert wären. Stattdessen: Dem Innenministerium zufolge wird die Polizei wieder mit einem Großaufgebot dabei sein. Stahlknecht: "Wir werden einen Wasserwerfer dabei haben und auch berittene Polizei. Wir stellen uns so auf, dass der Staat reagieren und agieren kann. Und wir beobachten sehr genau, was in den sozialen Medien passiert."
Andere Antworten auf die Fragen des Volkes fallen Ihnen nicht ein.
Verlassen Sie sich drauf: auch der Bürger beobachtet seine Regierung sehr genau...
Der sächsische Ministerpräsident Kretschmer hat dahingehend wenigstens ein wenig Rückgrat!

11.09.2018 17:16 einfach ein normaler Bürger 47

bitte Beitrag @27 ( wer das will) lesen.Man sollte endlich begreifen,dass diese sinnlosen, stumpfen Parolen (Rufer und Beifallklatscher)--- nur in einer Demokratie möglich sind---.Was wird aber, sollten diese Rufer(die) Macht erhalten.??Kann jeder für sich nachvollziehen und entscheiden.
Rufe ,,wir sind dass Volk,,erschließen sich mir nicht, legetim ist ,,wir sind ein Teil des Volkes,, und das das Übrige entscheiden dann Wahlen. Die Rede von Schäuble heute war eigentlich zielführend nur muss die Regierung einschl. Opposition schneller und konsequenter handeln z.B.gegen Gewalt,Hetze,konsequente Asylpolitik u.s.w. ohne Abstriche und Herkunft,also gegen Jedermann der ein Straftäter ist.
Im übrigen,jede Partei die sich demokratisch zur Wahl stellt und gewählt ist /wird ---muss dann ein Land in seiner ganzen inneren/globalen Vielfalt und Breite regieren---denn Wahlkampf mit allen Mitteln,ist das eine und dann regieren das andere. Ich glaube auch zwingender Bedarf bei der AfD.