Proteste am Freitag Bauern-Demos: Traktoren rollen nach Magdeburg, Halle und Dessau

Sachsen-Anhalts Landwirte protestieren am Freitag erneut. Mit hunderten Traktoren fahren sie am Vormittag zu Demos in Magdeburg, Halle und Dessau. Autofahrer im ganzen Land müssen mit Staus und Behinderungen rechnen.

Traktoren fahren aus Richtung Rüdersdorf und Seelow kommend über die Bundesstraße B1 zu einer Protestaktion.
Schon im Oktober beteiligten sich hunderte Landwirte mit Traktoren an den Protesten. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Autofahrer sollten am Freitag mehr Zeit einplanen. Insbesondere in den großen Städten Sachsen-Anhalts – Halle, Magdeburg und Dessau-Roßlau – müssen sie mit Verkehrsbehinderungen rechnen. Der Grund dafür sind Protestaktionen von Landwirten, die mit hunderten Traktoren verschiedene Stationen in den Innenstädten anfahren und davor demonstrieren wollen. Organisiert wird die Aktion vom Bündnis "Land schafft Verbindung".

Wie schon im Oktober demonstrieren die Bäuerinnen und Bauern gegen das Agrarpaket der Bundesregierung und die geplante Verschärfung der Düngeverordnung. Zudem werben sie für ein besseres Ansehen der Landwirtschaft in der Gesellschaft.

Parteibüros sind das Ziel

Rund um Magdeburg gibt es fünf Treffpunkte für Landwirte, die um 9 Uhr zu einer Sternfahrt in die Landeshauptstadt aufbrechen wollen. Das geht aus einem Infoschreiben der Organisatoren hervor. Betroffen sind die B1, die B71, die B81, die B189 und die B246. Da hunderte Teilnehmer mit Traktoren erwartet werden, muss auf diesen Strecken genauso mit Behinderungen gerechnet werden wie auf dem Magdeburger Ring und in der Innenstadt.

Zunächst wollen die Landwirte in den Parteibüros aller Landtagsparteien und im Umweltministerium ein Zukunftspapier übergeben. Anschließend sind Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern im Zentrum von Magdeburg geplant.

Kampf für Artenvielfalt

Für Halle sind drei Treffpunkte der Demo vorgesehen. Zwei befinden sind im Osten und Westen nahe der Stadtgrenzen. Zudem wollen die Landwirte von Süden über die B91 nach Halle kommen. Bis zu 150 Traktoren könnten anschließend über den Hansering und den Uni-Ring zum Hallmarkt fahren.

Dort wollen sie für eine ökologische Landwirtschaft, gesundes Essen und artgerechte Tierhaltung demonstrieren. Bei der Demo in Halle steht vor allem das Aussterben der Artenvielfalt im Fokus. Neben Redebeiträgen gibt es eine Kunstperformance, die das Aussterben der biologischen Artenvielfalt symbolisieren soll.

Ziel der Bauern in Dessau: das Umweltbundesamt

In Dessau-Roßlau ist das Umweltbundesamt das Ziel der Landwirte. Auch hier soll das Positionspapier übergeben werden. Es werden mehr als 50 Traktoren aus Wittenberg, Köthen und Umgebung Richtung Dessau unterwegs sein – möglicherweise auch mehr, sagt Thomas Gutzmer von der Agrargenossenschaft Pretzsch. Treffpunkte in Dessau sind die Alte Landebahn und die B185 am Adria-See – in Roßlau ist es der Luchplatz. Von dort geht es dann im Traktortempo zum Umweltbundesamt.

Bundesweite Aktion

Die Proteste am Freitag sollen bis zum Nachmittag dauern und sind Teil einer bundesweiten Aktion. Auch in Berlin ist zum Beginn der Grünen Woche eine große Kundgebung geplant. Bereits im Oktober hatten bundesweite Traktor-Demonstrationen für Aufsehen, aber auch für Verkehrsbehinderungen gesorgt.

Landwirte protestieren gegen Agrarpolitik

Traktoren fahren der Reihe nach über eine Straße.
Landwirte aus vielen Teilen Sachsen-Anhalts haben sich am Dienstag auf den Weg nach Magdeburg gemacht. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Traktoren fahren der Reihe nach über eine Straße.
Landwirte aus vielen Teilen Sachsen-Anhalts haben sich am Dienstag auf den Weg nach Magdeburg gemacht. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Mehrere Traktoren fahren in einer Kolonne auf einer Landstraße, am vorderen hängt ein Schild mit der Aufschrift -Grüner als wir ist keiner-.
Ziel ihrer Sternfahrt war der Domplatz am Landtag. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Traktoren stehen auf dem Domplatz vor dem Dom.
Dort protestierten die Landwirte gegen das Agrarpaket der Bundesregierung. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
An einem Traktor hängt ein Schild mit der Aufschrift "Grüner als wir ist keiner".
Viele Bauern sehen darin eine Gefahr für landwirtschaftliche Familienbetriebe. Das Paket von Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner (CDU) und Bundesumweltministerin Schulze (SPD) sieht unter anderem vor, Herbizide und einzelne Insektizide zu verbieten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Mehrere Traktoren fahren in einer Kolonne auf einer Landstraße.
Bundesweit gab es am Dienstag deshalb Protestaktionen. Zur zentralen Kundgebung in Bonn waren im Vorfeld rund 10.000 Demonstranten erwartet worden. In Sachsen-Anhalt gab es wegen der Traktoren-Kolonne Behinderungen auf einzelnen Straßen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Mehrere Traktoren mit Bannern fahren stadteinwärts in Richtung Magdeburg.
Geduld brauchten Auto- und Lkw-Fahrer zum Beispiel stadteinwärts auf der Bundesstraße 1 in Richtung Magdeburg. Ein Reporter von MDR SACHSEN-ANHALT berichtete von einer mehrere Hundert Meter langen Kolonne aus Traktoren. Bildrechte: MDR/André Plaul
Traktoren auf dem Schleinufer in Magdeburg
Auch auf dem Schleinufer in Magdeburg gab es Probleme. Dort rollten die Traktoren ein, um später auf den Domplatz zu fahren. Bildrechte: MDR/Alisa Sonntag
Ein Traktor fährt über eine Kreuzung. An ihm ist ein Schild mit der Aufschrift "Redet mit uns statt über uns. Wir machen euch satt."
Mit Sprüchen wie "Farmers for Future" oder "Redet mit uns statt über uns, wir machen euch satt" verschafften sich die Landwirte Gehör. Meike Schulz-Broers vom Organisationsteam sagte, Ziel sei, dass Landwirte wieder als Gesprächsteilnehmer wahrgenommen würden. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Traktoren fahren der Reihe nach über eine Straße.
Hinter der Sternfahrt steckt die Facebook-Community "Land schafft Verbindung", der sich innerhalb weniger Tage Tausende Landwirte aus ganz Deutschland angeschlossen haben. In WhatsApp-Gruppen sind bundesweit mehr als 100.000 Menschen Teil der Community. Insgesamt wurden in Sachsen-Anhalt im Vorfeld rund 180 landwirtschaftliche Fahrzeuge zu der Kundgebung in Magdeburg erwartet. Allein aus der Altmark und dem Elb-Havel-Winkel wollten mehr als 60 Landwirte anreisen. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Traktoren stehen am Schleinufer in Magdeburg
Vor Ort war auch Landwirt Frank Böcker aus Emden im Landkreis Börde. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, vom Agrarpaket der Bundesregierung seien alle Landwirte betroffen. In Magdeburg haben die Teilnehmer der Kundgebung vor, die Bevölkerung über moderne Landwirtschaft aufzuklären. Es geht laut Landwirt Böcker nicht darum, die Bürger zu ärgern. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer
Auf einer Kreuzung stehen Polizisten und Polizeiautos. Um die Kreuzung herum stehen Pkw und Traktoren.
Im Stadtzentrum von Magdeburg gab es lange Staus. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Durch einen Autospiegel fotografiert ist ein Stau zu sehen.
Auch am Nachmittag war noch der eine oder andere Traktor in Magdeburg zu sehen.

Dieses Thema im Programm:
MDR um 11 – 22.10.2019 | 11:00 Uhr

Quelle: MDR/ld
Bildrechte: MDR/Daniel George
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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. Januar 2020 | 17:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2020, 08:47 Uhr

7 Kommentare

steffeneisfeld vor 5 Wochen

Danke, wer halbwegs mit offenen Augen zu Fuss oder mit Fahrrad durch die Natur streift kann das alles bestätigen. Es gibt wohl auch kein Monitoring wie in Übersee wo man im Netz sehen kann, wann-was-in welcher Dosis Landwirt A und wo gesprüht hat. Und bitte beendet die Mär vom Ernährer des Volkes, wer sein Land verseucht und die Kreatur im Stall quält verdient diesen Status nicht.

ottovonG vor 5 Wochen

Sie glauben doch nicht wirklich, dass diese Agarkapitalisten auf ihren Riesenchosen noch irgendein Unkraut per Hand lesen oder gar Kartöffelkäfer absammeln. Dafür gibt es allerhand Gifte und GPS gesteuerte Giftspritzen dazu. Momentan heisst es ausserdem Bauernland in Junkerland. Aldi Clan und Co kaufen den Osten bzw. seine Felder auf.

Rasputin vor 5 Wochen

Alles nur echte Experten hier im Forum.
Mit der Landwirtschaft ist es wie mit der Politik. Mit der Klappeund beim kritisieren sind viele vorn dabei.
Wie wäre es denn mal mit selber und besser machen?!
Also einfach ein Stück land gekauft und 365/24 selber "richtig" bewirtschaften.
Dem internationalen Wettbewerb stellen, dem Diktat der Supermärkte trotzen, alle EU Richtlinien und Auflagen umsetzen, egal was es kostet und vor allem: junge motivierte Aktivisten finden die ihre eigenen Forderungen 1:1 durch landwirtschaftliche Arbeit umsetzen.
Viel Spaß beim Unkrautjäten und Kartoffelkäfersammeln!

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