Das Spiel 'Die Quacksalber von Quedlinburg' liegt ausgebreitet auf einem Tisch.
Die Spielelemente von "Die Quacksalber von Quedlinburg": In die Kessel werden nach und nach die einzelnen Zutaten gelegt. Bildrechte: MDR/Florian Leue

Vor Ort getestet So kommt das Brettspiel "Die Quacksalber von Quedlinburg" an

"Kennerspiel des Jahres 2018" heißt die besondere Auszeichnung, mit der sich das Brettspiel "Die Quacksalber von Quedlinburg" seit diesem Sommer schmücken darf. Die Experten des Vereins "Spiel des Jahres" scheinen begeistert von dem Mittelalterspiel zu sein – was aber sagen die Quedlinburger selbst? Ein Spieletest in der Welterbestadt im Harz.

von Johanna Daher, MDR SACHSEN-ANHALT

Das Spiel 'Die Quacksalber von Quedlinburg' liegt ausgebreitet auf einem Tisch.
Die Spielelemente von "Die Quacksalber von Quedlinburg": In die Kessel werden nach und nach die einzelnen Zutaten gelegt. Bildrechte: MDR/Florian Leue

Viele Zutaten-Plättchen, zwei große Kessel aus Pappe, kleine Beutel und je ein Brettchen, das die Runde und den Fortschritt anzeigen: Das macht das Brettspiel "Die Quacksalber von Quedlinburg" optisch aus. All das liegt auf einem Tisch eines Cafés gegenüber des Quedlinburger Rathauses am Marktplatz. Petra Schönecker verschafft sich einen Überblick. "Ich habe mir vor dem Spieletest Videos dazu angeschaut. Es wirkte da schon so, als hätte es sehr viele Regeln", sagt sie. Schönecker ist in der Harzer Welterbestadt geboren und bemerkt sofort: "Die Verpackung des Spiels ist richtig gut gewählt worden. Da sind die Fachwerkhäuser und das Schloss unserer Stadt drauf."

Für das Spiel muss sie sich in die Zeit des Mittelalters versetzen. Alle Spieler nehmen die Rolle eines Quacksalbers ein, die laut Anleitung neun Tage – hier neun Runden – lang auf einem Basar in Quedlinburg sind, um ihre besten Tränke zu brauen und zu verkaufen. Schönecker bekommt dafür ein schwarzes Säckchen, in dem bereits erste Zutaten sind: eine grüne Kreuzspinne, ein oranger Kürbis und sieben weiße Knallerbsen. Letztere sind besonders gefährlich: Sollten sich zu viele im eigenen Kessel befinden, explodiert er – und die Runde ist verloren. "Da spiele ich lieber vorsichtig. Das will ich ja nicht", meint sie. Alle Mitspieler ziehen nun gleichzeitig blind ihre Zutaten aus dem Beutel und legen sie nach bestimmten Regeln in den Kessel. Es folgen Phasen der Auswertung, des Kaufens und Taktierens.

Quedlinburg: Bewusst gewählt?

Das Quacksalber-Setting hätte theoretisch in jeder Stadt spielen können. Wieso also ausgerechnet Quedlinburg? "Weil wir von vielen Leuten gehört haben, dass das eine schöne, mittelalterliche Stadt ist. Ich selbst war leider noch nicht dort, das muss ich unbedingt nachholen", sagt Thorsten Gimmler, der als Projektmanager bei Schmidt Spiele das Brettspiel mitentwickelt hat.

Das Brettspiel Die Quacksalber von Qudlinburg ist in einem Freisitz auf einem Tisch aufgestellt. Zwei Frauen sitzen dahinter an einem Tisch und spielen das Spiel.
Die Spieler werden ins mittelalterliche Quedlinburg versetzt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der verantwortliche Autor Wolfgang Warsch hatte es im ersten Prototypen "Most Wanted" genannt und im Wilden Westen spielen lassen. "Dafür hat aber das Gefühl gefehlt. Diese Spielemechanik mit dem Ziehen und Hineingeben hat uns eher daran erinnert, etwas aufzufüllen", meint Gimmler weiter. Und weil Hexen und Zauberer so oft schon thematisiert wurden, wurden es die Quacksalber. "Ein Spiel aber nur nach Quacksalbern zu benennen, ist auch komisch. Es brauchte einen Zusatz. Und den haben wir gefunden. Er ist gleichzeitig eine schöne Alliteration", so Gimmler.

Dass Petra Schönecker ihre Heimatstadt auf dem Spielecover direkt wiedererkennt, hat der Spieleverlag ebenfalls beabsichtigt. "Der Illustrator sollte die Fachwerkhäuser und das Quedlinburger Schloss im Hintergrund einbauen, damit alles noch stimmiger zum Titel ist und das Mittelalter-Setting deutlich wird", sagt der Projekt-Manager und fügt hinzu: "Wir freuen uns sehr, dass wir ausgezeichnet wurden. Vorab hatten wir von den Testern bereits gutes Feedback erhalten."

Das sagt die Quedlinburgerin

Zwei Frauen sitzen an einem Tisch und eine von ihnen zeigt auf ein Spielbrett.
Die Quedlinburgerin Petra Schönecker (rechts) hat das Spiel mit MDR SACHSEN-ANHALT-Reporterin Johanna Daher getestet. Bildrechte: MDR/Florian Leue

Zunächst von vielen Regeln, Zutaten-Besonderheiten und Abläufen eingeschüchtert, kann sich Petra Schönecker diesen Rückmeldungen anschließen: "Im Laufe des Spieles habe ich gemerkt, dass das mit den Regeln gut funktioniert. Ich bin total begeistert und werde es meinen Kindern zum Geburtstag schenken. Und dann auch noch mit dem Namen meiner märchenhaften Heimatstadt: Hervorragend."

Dieser Eindruck wird in der neunten und damit letzten Runde gekrönt: Schönecker legt mutig immer mehr Zutaten, der Kessel explodiert nicht. Sie beendet das Spiel, ihr Marker wird vorgesetzt und zeigt: Sie hat gewonnen. Petra Schönecker ist für diesen Tag Quedlinburgs beste Quacksalberin.

Johanna Daher
Bildrechte: MDR/Marieke Polnik

Über die Autorin Seit Februar 2018 ist Johanna Daher Teil der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Ihr typischer Satz in den sozialen Medien beschreibt sie ihrer Meinung nach ziemlich gut: "Christin, Journalistin und Optimistin mit einer Liebe zum Multimedialen, Interaktiven und Programmieren." Johanna Daher kommt gebürtig aus Nordhessen, hat in Dortmund Journalistik und in Wernigerode an der Hochschule Harz "Medien- und Spielekonzeption" studiert.

Quelle: MDR/jd,ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23. Juli 2018 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. August 2018, 12:55 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.