Kampagne geplant Rauchfrei an der Haltestelle: Magdeburg und Halle hoffen auf Freiwillige

In vielen Kneipen ist das Rauchen schon seit Jahren verboten. Immer wieder kommt die Forderung auf, ein solches Rauchverbot auch an öffentlichen Plätzen umzusetzen – in Parks oder Innenstädten zum Beispiel. Davon betroffen wären auch Haltestellen von Bus und Bahn. Eine Stichprobe von MDR SACHSEN-ANHALT zeigt: Einige Verkehrsbetriebe würden ein Rauchverbot begrüßen. Sie hoffen zunächst aber darauf, dass Raucher freiwillig nicht zur Kippe greifen.

Zigarettenkippen liegen auf einem Gehweg mit Pflastersteinen
Kippen adé?! Die Verkehrsunternehmen in Magdeburg und Halle wollen ihre Fahrgäste dazu ermuntern, nicht mehr an Haltestellen zu rauchen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Raucher sollen an den Haltestellen von Bus und Straßenbahn in Magdeburg künftig nicht mehr zur Zigarette greifen. Das wünschen sich die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) – und kündigen noch für dieses Jahr eine Kampagne an, die bei der Umsetzung des freiwilligen Rauchverbots helfen soll. Denn: Verbieten können die MVB das Rauchen an ihren Haltestellen nicht – die Haltestellen gehören zum öffentlichen Raum.

So viele Deutsche sterben vom Rauchen

Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 121.000 Menschen an Erkrankungen, die durch das Rauchen verursacht worden sind. Das zeigen Zahlen der Deutschen Krebshilfe. Danach erkranken viele Raucher an Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder an unterschiedlichen Krebsarten. Insgesamt werde rund ein Drittel aller Krebserkrankungen durch Tabak ausgelöst, hieß es von der Krebshilfe.

Unternehmenssprecher Tim Stein hofft dennoch, dass die Kampagne der MVB fruchtet. "Wir haben ein Hinweisschild entwickelt, das in die vorhandenen Fahrplanaushänge integriert wird und darauf aufmerksam machen soll, in diesem Bereich bitte nicht zu rauchen", teilte Stein MDR SACHSEN-ANHALT mit. Die Schilder sollen voraussichtlich zum nächsten Fahrplanwechsel in Magdeburg – also im Sommer dieses Jahres – angebracht werden. Zur Begründung hieß es, das Unternehmen wolle Nicht-Raucher und besonders Kinder schützen.

Wir erhoffen uns davon ein besseres Miteinander zwischen unseren Fahrgästen, einen besseren Schutz für die jüngsten unserer Gesellschaft und mehr Sauberkeit im Haltestellenbereich durch weniger unachtsam weggeworfene Zigarettenstummel.

Tim Stein Pressesprecher Madgeburger Verkehrsbetriebe

Ähnliche Pläne gibt es auch in Halle. Dort will die Hallesche Verkehrs-AG (HAVAG) ebenfalls eine Kampagne für rauchfreie Haltestellen ins Leben rufen. Grundlage dafür sein ein Beschluss des Stadtrats, teilte Sprecher Vinzenz Schwarz MDR SACHSEN-ANHALT mit. Ziel sei, an das Gesundheitsbewusstsein der Hallenserinnen und Hallenser zu appellieren – und für gegenseitige Rücksicht zu sorgen. Die nächsten Schritte zu der Kampagne könnten voraussichtlich im Sommer gegangen werden.

Verkehrsbetriebe in Halberstadt würden Rauchverbot begrüßen

Rauchverbotsschild mit durchgestrichener Zigarette an einer Glastür.
Rauchen verboten? An Haltestellen von Bus und Bahn hätte das nach Meinung einiger Verkehrsunternehmen Vorteile. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Cindy Baumgart

Sollte ein Rauchverbot im öffentlichen Raum tatsächlich kommen, würde die Halberstädter Verkehrs-AG das nach eigenen Angaben unterstützen. Geschäftsführerin Claudia Stein sagte MDR SACHSEN-ANHALT, ein Rauchverbot würde die Aufenthaltsqualität an Haltestellen steigern und belaste nicht unnötig die Gesundheit von Kindern. Beschwerden über wartende Fahrgäste mit Kippe habe es in Halberstadt aber bislang nicht gegeben, sagte Stein. Angesichts der Länge der Bahnsteige hätten Nichtraucher in den meisten Fällen aber auch Gelegenheit, ausreichend Abstand zu Rauchern zu suchen.

Zurückhaltend reagierte dagegen das Unternehmen Stendalbus. Das Thema Rauchverbot an Haltestellen habe bislang noch keine Rolle in Stendal gespielt, hieß es.

Die Verkehrsbetriebe in Halle und Magdeburg wollen, dass Fahrgäste an den Haltestellen freiwillig auf die Zigarette verzichten. Was halten Sie davon?

49% 152 Stimmen   Das ist eine gute Idee. Auch in der Öffentlichkeit wird noch zu viel gedampft.
50% 155 Stimmen   Das gefällt mir nicht. Ein bisschen Freiheit sollte auch für die Raucher noch bleiben.
1% 4 Stimmen   Ich habe keine endgültige Meinung dazu.

Stand: 23.02.2020 23:33:34 Uhr 311 Stimmen Die Abstimmungsergebnisse sind nicht repräsentativ.

Vielen Dank fürs Mitmachen. Einen schönen Sonntag wünschen wir! Die Abstimmung ist beendet.

In Chemnitz gibt es übrigens bereits seit eineinhalb Jahren eine Kampagne, die Raucher zum freiwilligen Verzicht an Haltestellen ermuntert. Ein Sprecher der Chemnitzer Verkehrs-AG konnte auf MDR-Nachfrage zwar nicht beantworten, welche Wirkung die Bitte hat. Die Kampagne habe aber für Aufmerksamkeit gesorgt, sagte er.

Deutschland auf dem letzten Platz in "Tabakkontrollskala"

Erst am Sonnabend hatten die europäischen Krebsgesellschaften Deutschland und seinen Ideen, mehr Menschen von der Zigarette abzuhalten, ein Armutszeugnis ausgestellt. Die Bundesrepublik landete auf der sogenannten Tabakkontrollskala von 36 Staaten auf dem letzten Platz. Eine Sprecherin kritisierte, Deutschland tue nur das Nötigste. Die Bundesrepublik sei das letzte Land in der Europäischen Union, das Tabak-Außenwerbung auf Plakaten, Litfaßsäulen oder an Tankstellen erlaube.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. Februar 2020 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Februar 2020, 15:52 Uhr

12 Kommentare

MDR-Team vor 6 Wochen

Bitte verzichten Sie bei den Diskussionen auf beleidigende Aussagen. Andernfalls geben wir die Kommentare nicht frei. Hier soll fair und gehaltvoll diskutiert werden.

Normalo vor 6 Wochen

Selbst bei diesem Thema muss Ihr Lieblingsthema zur Sprache kommen. Haben Sie eigentlich kein normales, unverbittertes Leben?

Klar gehe ich als Raucher auf die Straße. Ich kenne Die schlimmen Folgen des Passivrauchens und nehme Rücksicht auf meine Mitmenschen. Gute Idee.

Atheist vor 6 Wochen

Ich als Raucher werde ständig genötigt auf die Straße zu gehen mich auf gelbe Vierecke zu stellen .... während andere ganz ohne Stress und Kälte in ihrer Bar rauchen dürfen.

Mehr aus Sachsen-Anhalt