Impfpläne des Landes Wie Landkreise auf die Corona-Impfstrategie Sachsen-Anhalts reagieren

Die Landkreise in Sachsen-Anhalt sind unterschiedlich gut auf die Einrichtung der Impfzentren vorbereitet. Während im Landkreis Harz bereits der Ort feststeht, fühlen sich Magdeburg und Anhalt-Bitterfeld überrumpelt.

Frau hält Spritze
Noch in diesem Jahr soll es mit dem Impfen gegen Corona in Sachsen-Anhalt losgehen. Bildrechte: imago images / MiS

In Sachsen-Anhalt haben Vertreter von Landkreisen und kreisfreien Städten überrascht auf die Impf-Strategie des Landes reagiert. Der stellvertretende Landrat des Landkreises Anhalt-Bitterfeld, Bernhard Böddeker, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, bis vor zwei Tagen sei er noch davon ausgegangen, dass das Land sogenannte Impfzentren einrichten werde. Jetzt liege das in der Verantwortung der Landkreise und der kreisfreien Städte.

Magdeburg: Vom Land überrascht

Ähnlich hatte sich bereits am Mittwoch auf einer Pressekonferenz Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) geäußert. Trümper sprach von einer geänderten Philosophie des Landes. Das Stadtoberhaupt sagte, Magdeburg gebe sich große Mühe, die Vorgabe des Landes umzusetzen und bis 15. Dezember ein arbeitsbereites Impfzentrum in der Stadt zu errichten. Trümper betonte den Wert dieser Impfzentren für die Bevölkerung. Skeptisch zeigte er sich darüber, ob ab 15. Dezember bereits die "normale Bevölkerung" geimpft werde. Auch könne er noch nicht sagen, wieviel Impfstoff in die Stadt Magdeburg geliefert werde. Fest stehe aber, dass die ersten Impfdosen in die Krankenhäuser gehen würden, die das allein organisieren könnten.

Anhalt-Bitterfeld: Standortsuche als Herausforderung

Bernhard Böddeker
Bernhard Böddeker, tellvertretende Landrat des Landkreises Anhalt-Bitterfeld Bildrechte: dpa

Vize-Landrat Böddeker sprach von einer großen Herausforderung, bis Mitte Dezember entsprechende Zentren in den Landkreisen und kreisfreien Städten zu errichten. Der Raumbedarf sei über einen langen Zeitraum groß – voraussichtlich bis mindestens Ende nächsten Jahres, so Böddeker. Außerdem müsse man überlegen, welche Objekte geeignet seien und woher das Personal komme. Böddeker geht ähnlich wie Trümper davon aus, dass es im Dezember noch keinen Bedarf an Impfzentren gibt, da der Impfstoff im Moment noch sehr begrenzt sei. Zudem werde dieser zunächst in den Kliniken und durch mobile Teams geimpft.

Der stellvertretende Landrat geht davon aus, dass die verantwortlichen Ärzte durch die Kassenärztliche Vereinigung gestellt werden. Da sei er optimistisch. Eine größere Herausforderung ist es laut Böddeker, das medizinische Personal zu stellen, das am Ende die Impfung durchführt.

Landkreis Harz will in zwei Wochen impfbereit sein

Besser auf die Situation vorbereitet sieht sich der Landrat des Kreises Harz. Landrat Thomas Balcerowski teilte MDR SACHSEN-ANHALT mit, dass ein ehemaliger Supermarkt in Quedlinburg zum Standort des Impfzentrums werden soll. Der Mietvertrag laufe zunächst über ein Jahr. Das Areal verfüge über einen großen Parkplatz, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Außerdem könnten Lkw gut an das Objekt zur Anlieferung des Impfstoffes herankommen, es gebe zudem Kühlmöglichkeiten und die Inneneinrichtung sei auch noch zum Teil vorhanden.

Der CDU-Politiker sagte, die Regale könnten etwa genutzt werden, um Abstandsregeln durchzusetzen. Das Impfzentrum soll auch Basis für mobile Impfteams werden, die sich zunächst um vulnerable Gruppen wie etwa in Pflege- und Altenheimen kümmern. Landrat Balcerowski zeigte sich optimistisch, in zweieinhalb Wochen an diesem Standort Impfungen durchführen zu können. Eingerichtet werden demnach bis Mitte Dezember vier Stationen, an denen in Impfboxen bis 1.000 Personen am Tag geimpft werden können. Neben Ärzten und Schwestern werden weitere Helfer gebraucht, so der Landrat. Wenn der Impfstoff zugelassen und in Sachsen-Anhalt ist, kann es Balcerowski zufolge mit dem Impfen losgehen. Neben dem Impfzentrum in Quedlinburg könnte es dem Kreis zufolge weitere Minizentren im Harz geben – so in Halberstadt, Wernigerode und Ilsenburg. Solche Pläne seien aber noch in einer frühen Phase.

Impfstrategie des Landes am Freitag vorgestellt

Am Freitag hatte Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) die COVID-19-Impfstrategie für Sachsen-Anhalt vorgestellt. Das Land werde vom Bund rund 130.000 Impfdosen bekommen, erklärte Grimm-Benne. Sobald der Impfstoff geliefert sei, wolle das Land mobile Impfteams in Pflegeeinrichtungen einsetzen, um erste Impfungen durchzuführen. Auch das Personal in Krankenhäusern werde bevorzugt geimpft. Unterstützt wird das Land bei seiner Impfstrategie von der Kassenärztlichen Vereinigung, Hilfsorganisationen und der Bundeswehr. Grimm-Benne betonte, das Impf-Angebot sei freiwillig. Niemand werde verpflichtet. Neben den Kontaktbeschränkungen sei das Impfen aber ein zentraler Baustein in der Bekämpfung der Pandemie.

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Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. November 2020 | 17:00 Uhr

1 Kommentar

jackblack vor 7 Wochen

EIN Impfzentrum z.B. für Magdeburg- davor ein 500 m lange Warteschlange- das ist natürlich SEHR sinnvoll !!!

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