Mahnwachen in Sachsen-Anhalt Trauer nach Hanau: "Zivilcourage zeigen und Rechten widersprechen"

Trauer, Demonstrationen und Solidarität: In Sachsen-Anhalt sind Hunderte Menschen nach dem rassistischen Anschlag im hessischen Hanau auf die Straßen gegangen – unter anderem in Magdeburg, Halle und Stendal. Sie wünschen sich ein entschiedeneres Eintreten gegen Rassismus.

Auf dem halleschen Marktplatz versammeln sich Menschen, um der Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau zu gedenken.
Bildrechte: MDR/Daniel Tautz

Nach dem rassistisch motivierten Anschlag in Hanau haben Hunderte Menschen in Sachsen-Anhalt gegen Faschismus und rechte Gewalt demonstriert. In Magdeburg, Halle, Stendal, Haldensleben und Oschersleben waren Mahnwachen angekündigt worden.

In Magdeburg sind am Donnerstagabend laut Polizei etwa 400 Menschen zusammengekommen. Unter dem Motto "Rassismus tötet. Den rechten Terror stoppen" versammelten sie sich am Hauptbahnhof. Zu der Kundgebung aufgerufen hatte das Bündnis Solidarisches Magdeburg.

Vom Bahnhof lief der Zug zunächst über den Hasselbachplatz zum "halber85", einem auch von der AfD genutzten Veranstaltungsort. Mehrere Redner, darunter der Linken-Landeschef Stefan Gebhardt, verurteilten die Tat und forderten den Staat zu einem entschiedeneren Handeln gegen rechtsextreme Gewalt auf.

In Halle versammelten sich auf dem Marktplatz etwa 350 Menschen. Mit einer Mahnwache gedachten sie dort der Anschlagsopfer von Hanau.

Sachsen-Anhalter zeigen Solidarität

''Gegen das Vergessen, dass Faschismus ein Verbrechen bleibt!'' steht auf einem Transparent das Demonstranten vor sich her tragen.
In Magdeburg sind nach dem rassistischen Attentat im hessischen Hanau Hunderte Menschen gegen Faschismus und rechte Gewalt auf die Straßen gegangen. Auch in Halle, Stendal, Haldensleben und Oschersleben waren Mahnwachen angekündigt. Bildrechte: dpa
''Gegen das Vergessen, dass Faschismus ein Verbrechen bleibt!'' steht auf einem Transparent das Demonstranten vor sich her tragen.
In Magdeburg sind nach dem rassistischen Attentat im hessischen Hanau Hunderte Menschen gegen Faschismus und rechte Gewalt auf die Straßen gegangen. Auch in Halle, Stendal, Haldensleben und Oschersleben waren Mahnwachen angekündigt. Bildrechte: dpa
Polizisten stehen am Rande einer Versammlung.
Unter dem Motto "Rassismus tötet. Den rechten Terror stoppen" versammelten sich am Donnerstagabend in Magdeburg rund 400 Menschen am Hauptbahnhof. Bildrechte: dpa
Menschen halten Mahnwache am Hasselbachplatz.
Zu der Kundgebung aufgerufen hatte das Bündnis "Solidarisches Magdeburg". Bildrechte: MDR/Andrea Seifert
Menschen halten am Hasselbachplatz eine Mahnwache ab.
Vom Bahnhof lief der Zug zunächst über den Hasselbachplatz zum «halber85», einem auch von der AfD genutzten Veranstaltungsraum. Mehrere Redner, darunter der Linken-Landeschef Stefan Gebhardt, verurteilten die Tat und forderten den Staat zu einem entschiedeneren Handeln gegen rechtsextreme Gewalt auf. Bildrechte: MDR/Andrea Seifert
Auf dem halleschen Marktplatz versammeln sich Menschen, um der Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau zu gedenken.
In Halle ist mit einer Mahnwache auf dem Marktplatz der Anschlagsopfer gedacht worden. Bildrechte: MDR/Daniel Tautz
Menschen halten eine Schweigeminute.
Rund 350 Menschen beteiligten sich daran. Bildrechte: MDR/Daniel Kautz
In Halle vor dem Finanzamt werden die Flaggen Sachsen-Anhalts und Deutschlands als Zeichen der Trauer auf Halbmast gesetzt.
Auf Anordnung des Landes wehen an allen staatlichen Gebäuden die Flaggen auf Halbmast – wie hier vor dem Finanzamt in Halle. Bildrechte: MDR/Fabian Brenner
In Stendal versammeln sich Menschen zu einer Mahnwache nach dem mutmaßlich rassistische motivierten Anschlag im hessischen Hanau.
In Stendal waren etwa 50 Menschen mit Plakaten und Kerzen auf dem Marktplatz zusammengekommen. Bildrechte: MDR/Flora Hallmann
In Stendal versammeln sich Menschen zu einer Mahnwache nach dem mutmaßlich rassistische motivierten Anschlag im hessischen Hanau.
Eine Teilnehmerin sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Das macht einen fassungs- und sprachlos. Ich hoffe, dass die Menschen wach werden und dass sie endlich kritisch auf solche Dinge gucken." Bildrechte: MDR/Flora Hallmann
In Stendal versammeln sich Menschen zu einer Mahnwache nach dem mutmaßlich rassistische motivierten Anschlag im hessischen Hanau.
Ein anderer sagte: "Es ist toll, dass sich so kurzfristig so viele Menschen aus Stendal auf den Weg gemacht haben und ein Zeichen gesetzt haben gegen rechte Gewalt und gegen Rassismus – und dass wir auch darüber gesprochen haben, was man selbst dagegen tun kann. Zivilcourage zeigen, Verschwörungstheorien und rechten Sprüchen widersprechen – auch in der eigenen Familie."

Quelle: MDR,dpa/mp
Bildrechte: MDR/Flora Hallmann
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 21. Februar 2020 | 10:00 Uhr

"Ich habe wirklich Angst"

Auch in Stendal waren etwa 50 Menschen mit Plakaten und Kerzen auf dem Marktplatz zusammengekommen. Eine Teilnehmerin der Demonstration sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Das macht einen fassungs- und sprachlos. Ich hoffe, dass die Menschen wach werden und dass sie endlich kritisch auf solche Dinge gucken."

In Stendal versammeln sich Menschen zu einer Mahnwache nach dem mutmaßlich rassistische motivierten Anschlag im hessischen Hanau.
"Das macht einen fassungs- und sprachlos" – in Stendal haben sich Menschen zum Gedenken versammelt. Bildrechte: MDR/Flora Hallmann

Ein weiterer Bewohner erzählte, dass er es gut finde, dass sich kurzfristig so viele Menschen aus Stendal auf den Weg gemacht und ein Zeichen gegen rechte Gewalt und Rassismus gesetzt haben. "Und dass wir auch darüber gesprochen haben, was man selbst dagegen tun kann. Zivilcourage zeigen, Verschwörungstheorien und rechten Sprüchen widersprechen – auch in der eigenen Familie", berichtete er weiter.

Aber auch Angst war bei den Teilnehmern zu spüren. Ein Mann erklärte: "Ich habe drei Gefühle: sehr traurig, sauer und ängstlich. Ich habe Kinder. Der Täter ist noch jung. Wenn es eine solche Mentalität noch in diesem Alter gibt – ich habe wirklich dolle Angst."

Auch in kleineren Städten, in Haldensleben und in Oschersleben, gab es Gedenkveranstaltungen.

Parallelen zum Anschlag in Halle

In der hessischen Stadt Hanau hatte ein Mann am Mittwochabend neun Menschen erschossen. Später tötete er seine Mutter und sich selbst. Der Generalbundesanwalt Peter Frank sprach von einer "zutiefst rassistischen Gesinnung" des Täters.

Der Terroranschlag von Hanau hat Parallelen zu dem Anschlag in Halle. So handelt es sich auch bei dem mutmaßlichen Täter von Hanau nach bisherigem Ermittlungsstand um einen Einzeltäter. Wie der Attentäter von Halle hatte er sich offenbar ohne Unterstützernetzwerk weitgehend in Internetforen radikalisiert. Beide Täter verfassten Manifeste zu ihren rassistischen und fremdenfeindlichen Weltanschauungen.

Sachsen-Anhalts Innenminister Stahlknecht betonte im Interview mit MDR Aktuell, dass die Schutzmaßnahmen für jüdische und muslimische Einrichtungen nach dem Anschlag von Halle deutlich erhöht worden seien.

Reaktionen aus der Politik auf den Anschlag

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) erklärte, mit tiefer Betroffenheit von den Ereignissen in Hanau erfahren zu haben: Er schrieb bei Twitter: "Diese entsetzliche Tat schmerzt uns alle. Meine Gedanken sind bei den Opfern und Angehörigen."

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, Henriette Quade, forderte Konsequenzen. Sie schrieb: "Wer jetzt nicht entschlossenes Handeln gegen die extreme Rechte als erste politische Priorität setzt, muss sich für deren Handeln in Verantwortung nehmen lassen."

Auch der hallesche SPD-Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby zeigte sich schockiert. Er schrieb bei Twitter: "Das ist Terror in Hanau. Mehrere Menschen werden ermordet aufgrund ihrer angenommenen Zugehörigkeit zu einer Gruppe."

Sebastian Striegel, parlamentarischer Geschäftsführe der Grünen im Landtag, erklärte bei Twitter: "Wir wussten, wozu Hass führt. Ich bin nur noch unendlich traurig."

Der AfD-Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Martin Reichardt kritisierte diese und ähnliche Äußerungen. Er schrieb: "Die politische Instrumentalisierung des furchtbaren Anschlags ist eine Schande. Offenbar ist leider jeder Anstand bei CDU und SPD verlorengegangen."

Quelle: MDR,dpa/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 21. Februar 2020 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2020, 14:11 Uhr

14 Kommentare

Simone vor 6 Wochen

ich bin versucht "mensch meier" zu sagen und muss den Kopf über ihre Dreistigkeit schütteln. Sie sind doch genau der Typ, der jeden Kaufgummidiebstahl eines Flüchtlingskindes hier normalerweise als Untergang des Abendlandes Frau Merkel in die Schuhe schieben. Warum sollte dann in ihren Augen die AfD keine Mitverantwortung an diesem rechtsterroristischen Anschlag tragen, wenn der Täter doch fast 1:1 wiederkäut, was ihm die AfD an rassitischen, fremdenfeindlichen Inhalten in die Futterkrippe gelegt hat. Was glaubt man wohl, was Rechtsextremisten aus den von der AfD skizzierten Bedrohungs- und Verschwörungsszenarien machen? Auch die Terrorfürsten im nahen Osten sprengen sich nicht selbst in die Luft sondern sie radikalisieren wie die AfD mit Worten. Irgendwann findet sich dann schon einer, der so radikalisiert ist, dass er noch ein paar Menschen mit in den Tod nimmt, bevor er sich selbst umbringt. Die deutschen Hassprediger sitzen für mich als Abgeordnete u.a. im Parlament für die AfD?

Simone vor 6 Wochen

Sicherlich braucht es entschlossenes Handeln gegen Rechts, denn es sind ja rechtsextremistische und rassistische Ideologien die solche Menschen radikalisieren und in letzter Konsequenz zu Rechtsterroristen und Mördern werden lassen. Da landet man dann schnell bei der AfD, deren Reden und Protagonisten genau solche Inhalte vertreten. Ich wäre schon zufrieden, wenn die Wähler vor ihrer Wahlentscheidung sich über die AfD informieren und in ihre Wahlentscheidung einfließen lassen, dass eine Partei die viele inhaltliche und personelle Überschneidungen mit der gewaltbereiten rechtsextremen Szene in Deutschland hat, sicher nicht bürgerlich und schon gar nicht konservativ ist. Wenn der Wähler die AfD nicht endlich für ihre rassistischen reden abstraft, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der nächste selbsternannte Retter des Vaterlandes zur Waffe greift und Mitbürger erschießt, bevor er seinem Dasein ein Ende setzt.

ralf meier vor 6 Wochen

Hallo noch mal, nach meinem ersten kurzem Feedback möcht ich doch noch etwas konkreter werden. Wenn ich von selbstverständlich spreche, ist das natürlich das Ergebnis einer sorgfältigen und längeren Analyse. Ansonsten würde ich mich nicht so eindeutig äußern. Wenn Sie mir etwas pauschal unterstellen , sollten Sie es zumindest beispielhaft belegen können. Wenn Sie wie Jana meinen sollten, das der Begriff 'Altpartei' ein Naziductus ist, empfehle ich ihnen meine Antwort an Jana. Dort können Sie erfahren, das dieser Begriff in der Vergangenheit ausschlieslich von Kommunisten und Grünen wie Petra Kelly und Claudia Roth genutzt wurde. Siehe dazu:
' Welt 'Wer hat’s erfunden? Veröffentlicht am 23.10.2019

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