Empfohlene Anhebung "Schnellstmöglich zwölf Euro Mindestlohn"

Vor mehr als drei Jahren ist der gesetzliche Mindestlohn eingeführt worden, um Arbeitnehmer vor Dumpinglöhnen zu schützen. Experten haben jetzte eine Anhebung in zwei Stufen empfohlen. Während in Sachsen-Anhalt die Gewerkschaft Verdi die Anhebung als notwendig ansieht, bereitet sie Arbeitgebern, die Saisonkräfte beschäftigen, Sorgen.

Die Gewerkschaft Verdi in Sachsen-Anhalt hat die geplante Anhebung des Mindestlohns als "dringend notwendig" bezeichnet. Gewerkschaftssprecherin Annett Kannenberg-Bode sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Es geht darum, einen Mindeststandard abzusichern. Wenn wir davon ausgehen, dass der Mindestlohn für ein gutes Auskommen und für eine gute Rente reichen soll, dann müssten wir in mehreren zügigen Schritten schnellstmöglich auf zwölf Euro erhöhen." Nur dann gebe es tatsächlich eine Rente, die zum Leben ausreiche und über der Grundsicherung liege. "Wir sind auf einem richtigen Weg, aber er ist noch nicht beendet."

Annett Kannenberg-Bode
Verdi-Gewerkschaftssprecherin Annett Kannenberg-Bode Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Mindestlohnkommission hatte am Mittwochnachmittag eine Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf 9,19 Euro pro Stunde ab dem kommenden Jahr empfohlen. Ab 2020 soll die Lohnuntergrenze auf 9,35 Euro steigen. Derzeit liegt sie bei 8,84 Euro pro Stunde.

Die Anhebung kommt für den Geschäftsführer der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände Sachsen-Anhalt, Matthias Menger, nicht überraschend. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Die Festsetzung basiert auf der Tariflohnentwicklung der letzten zwei Jahre." Der Mindestlohn sei eine gesetzliche Vorgabe, damit müsse man Leben. Das Thema sei aber nicht mehr der große Aufreger.

Sonderregelung für Saisonkräfte nötig

Anders sieht das Patrick Wolter von der Agrargenossenschaft Hohenseeden. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir müssen die Saisonkräfte nach Mindestlohn bezahlen. Wir können diese Kosten nicht auf den Verbraucher umlegen. Das heißt, die Gewinnspanne für uns wird immer kleiner oder ist gar nicht mehr da." Wolter fordert deswegen eine Sonderregelung für die Saisonkräfte. Ansonsten würden die Betriebe "nach und nach kaputt gespielt".

Obstbauer Alexander Ehm von der Firma Saale Obst ergänzt: "Grundsätzlich finde ich das gesellschaftlich in Ordnung, dass man für seine Arbeit gut entlohnt wird und davon auch leben kann. Was uns Sorge bereitet ist, dass [...] es bei Saisonkräften die Regelung gibt, dass sie für 70 Tage sozialversicherungsfrei beschäftigt sind." Arbeitskräfte bekommen in dem Fall also Brutto gleich Netto ausgezahlt. Laut Ehm heißt das aber gleichzeitig, dass die Saisonkräfte in den Momenten fast mehr erhalten als das Stammpersonal. "Und dass es weiter steigt, das ist eine Diskrepanz, die wir mit Sorgen beobachten."

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Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 26. Juni 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Juni 2018, 17:08 Uhr