Notarzt und Rettungswagen Sachsen-Anhalts Rettungsdienste sind zu langsam

Manuel Mohr
Bildrechte: BR/Philipp Kimmelzwinger

Rettungswagen und Notärzte sind nach wie vor nicht immer schnell genug am Einsatzort. Das zeigen bisher unveröffentlichte Zahlen der Landesregierung, die MDR SACHSEN-ANHALT vorliegen. Einige Regionen schneiden besonders schlecht ab.

Ein Rettungswagen der Feuerwehr fährt mit Blaulicht auf einer Straße
In 84 Prozent aller Einsätze waren Rettungswagen innerhalb von 12 Minuten am Einsatzort. Gesetzlich vorgeschrieben sind allerdings 95 Prozent. Bildrechte: dpa

Geht ein Notruf in der Rettungsleitstelle ein, kann jede Minute über Leben und Tod entscheiden. Deshalb ist gesetzlich festgelegt, dass ein alarmierter Rettungswagen (RTW) in mindestens 95 Prozent aller Fälle nach spätestens zwölf Minuten am Einsatzort eintreffen soll. Im Jahr 2019 wurde diese sogenannte Hilfsfrist – die Zeit vom Eingang der Notfallmeldung bis zum Eintreffen der Retter – allerdings erneut in keinem Landkreis und in keiner kreisfreien Stadt in Sachsen-Anhalt oft genug eingehalten.

Das geht aus einer bislang unveröffentlichten Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage im Landtag hervor, die MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt. Mit etwa 75 Prozent Fristeinhaltung war der Landkreis Harz erneut Schlusslicht in der Rettungsdienst-Statistik. Ebenfalls weit unter der gesetzlichen Vorgabe liegen die Landkreise Stendal und Wittenberg. Deutlich besser, aber immer noch unterhalb der Grenze von 95 Prozent, liegen die Städte Magdeburg und Dessau-Roßlau.

Kaum Verbesserung der Hilfsfristen erkennbar

Die Landtags-Anfrage, aus deren Antwort die Zahlen stammen, hat der innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Rüdiger Erben gestellt. Er kritisiert das wiederholte Nichteinhalten der Fristen:

Rüdiger Erben, 2012
Rüdiger Erben im Landtag von Sachsen-Anhalt Bildrechte: IMAGO

Bei der Einhaltung der Hilfsfristen für den RTW geht es allenfalls in Mini-Schritten voran. Dabei hatten wir in den letzten Jahren quasi keine winterlichen Straßenverhältnisse mehr, die die Statistik hätten trüben können. Auffällig ist, dass seit Jahren in den Landkreisen Harz, Stendal, Wittenberg und in der Stadt Halle jeder fünfte oder gar vierte RTW nicht innerhalb der Hilfsfrist vor Ort ist. Das sind keine statistischen Ausreißer, das sind unzureichende Strukturen und ich verlange, dass auch dort endlich die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden.

Rüdiger Erben, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion

Im Gegensatz zu den Rettungswagen gilt für Notärzte eine gesetzliche Hilfsfrist von 20 Minuten. Aber auch hier wurde im vergangenen Jahr die 95-Prozent-Marke nur in einigen Regionen erreicht.

Wie sich die Situation in Ihrer Region in den vergangenen Jahren entwickelt hat, können Sie der folgenden Grafik entnehmen:

Der Rettungsdienst in Sachsen-Anhalt fällt in den Kompetenzbereich des Innenministeriums. Ein Sprecher des Ministeriums teilte MDR SACHSEN-ANHALT auf Nachfrage mit, dass es entgegen der verbreiteten Annahme keine konkrete Hilfsfrist gebe, innerhalb derer ein Rettungsmittel am Einsatzort sein muss. Die Hilfsfrist sei vielmehr eine Planungsvorgabe für die Träger des Rettungsdienstes, die die Standorte der Rettungsmittel so zu bestimmen haben, dass unter gewöhnlichen Bedingungen die Hilfsfrist für Rettungstransportwagen von zwölf Minuten sowie für Notärzte von 20 Minuten in 95 Prozent aller Notfälle eingehalten werden kann.

Da in einem Kalenderjahr aber nicht immer gewöhnliche Bedingungen herrschen – beispielsweise durch Straßensperrungen, Glatteis, oder Anforderungen aus Nachbarkreisen – seien auch Quoten unterhalb der 95 Prozent als ausreichend anzusehen. Ein Nicht-Erreichen der Zeiten sei zudem kein eindeutiger Hinweis auf einen Planungsfehler, sondern lediglich ein Indiz, dem die Aufsichtsbehörden in Einzelgesprächen mit den Trägern des Rettungsdienstes nachgehen würden.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 01. Juli 2020 | 06:00 Uhr

1 Kommentar

Elke vor 15 Wochen

Da wird man wohl bei den Standorten der Rettungswachen und der
RTW´s nicht nur im ländlichen Raum nachbessern müssen.

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