Rote Listen Artenschutz: Diese Tiere sind in Sachsen-Anhalt besonders gefährdet

Sachsen-Anhalts Artenvielfalt ist bedroht: Mehr als ein Drittel aller hier heimischen Tier- und Pflanzenarten stehen auf den aktuellen Roten Listen, die am Montag veröffentlicht wurden. Darunter: der Feldhamster. Bei einigen Arten gibt es aber auch positive Entwicklungen.

Feldhamster
So stark gefährdet wie Panda und Tiger: Der Feldhamster ist laut aktueller Roter Liste in Sachsen-Anhalt vom Aussterben bedroht. (Symbolbild) Bildrechte: imago/imagebroker

In Sachsen-Anhalt sind mehr als ein Drittel aller Arten von Tieren, Pflanzen, Algen und Pilzen gefährdet. Das geht aus den neu aufgelegten Roten Listen des Landesamts für Umweltschutz (LAU) in Halle hervor, die am Montag vorgestellt wurden. Seit den vorangegangenen Roten Listen von 2004 sind mehr als 1.200 Arten sogar ausgestorben oder verschollen – wie etwa das Birkhuhn oder die Wasserpflanze Froschkraut. Landesumweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) sagte bei der Vorstellung der neuen Publikation:

Die Artenvielfalt in Sachsen-Anhalt ist nach wie vor bedroht.

Landesumweltministerin Claudia Dalbert

Landnutzung und Klimawandel gefährden Artenvielfalt

Maishäcksler auf einem Feld
Hauptgrund für das Artensterben ist die Umwandlung von Lebensräumen in Kulturlandschaften. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

Für die Gefährdung der Artenvielfalt in Sachsen-Anhalt ist dem LAU zufolge überwiegend der Mensch verantwortlich. LAU-Mitarbeiter Daniel Rolke sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir leben in einer Kulturlandschaft. Ein Großteil der Landesfläche wird genutzt, zum Teil intensiv genutzt." Daraus folgende Landschaftsumwandlungen und der Verlust von Lebensräumen stellten die Hauptgefährdung dar. Stickstoffemissionen und das Ausbringen von Pestiziden spiele mit hinein. Auch der Klimawandel bedrohe Arten – die Auswirkungen davon seien noch gar nicht absehbar, so Rolke.

#MDRklärt Diese Säugetiere sind in Sachsen-Anhalt vom Aussterben bedroht

Diese Säugetiere sind in Sachsen-Anhalt vom Aussterben bedroht
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Diese Säugetiere sind in Sachsen-Anhalt vom Aussterben bedroht
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Feldhamster (Cricetus cricetus): Er galt bis Mitte des 20. Jahrhunderts als Schädling, durch die industrielle Landwirtschaft steht er vor dem Aussterben.
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Hausratte (Rattus rattus): Gab es bisher keine verlässlichen Daten zur Hausratte, so wurde 2020 klar, dass sie vom Aussterben bedroht ist.
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Waldiltis (Mustela putorius): Der Iltis war lange Zeit weit verbreitet, doch durch die Verkleinerung seines Lebensraums ist er vom Aussterben bedroht.
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Luchs (Lynx lynx): Der Luchs ist zwar vom Aussterben bedroht, doch durch das Auswilderungsprojekt des Nationalparks Harz steigt der Bestand.
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Wolf (Canis lupus): Der einst ausgestorbene Wolf breitet sich seit 2008 schrittweise wieder aus. Allerdings gibt es noch wenige Wölfe mit Nachwuchs.
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. September 2020 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/mx
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Erst Schädling, nun von Aussterben bedroht: Feldhamster

Laut LAU hat sich beispielsweise die Situation von Tieren verschlechtert, die unter der intensiven Landnutzung leiden. Darunter: Insektenarten, die Feldlerche – und der Feldhamster. Der Feldhamster galt bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Sachsen-Anhalt als Schädling für den Ackerbau. Nun ist er laut Roter Liste von Aussterben bedroht.

Beim Artenschutz werde oft global gedacht, sagte Rolke. Bestimmte "Flaggschiff-Arten" stünden im Fokus, etwa Panda oder Tiger. Das sei auch gut und wichtig. Doch auch vor unserer Haustür gebe es Tiere, die ähnlich bedroht seien, was in der Diskussion oft vergessen werde. "Es gibt durchaus Arten, für die wir eine hohe Verantwortung haben", sagte Rolke.

Erfolge bei Wildkatze und Fischotter

Es gibt aber auch positive Entwicklungen. Wie das LAU mitteilte, haben beispielsweise Fisch- und Libellenarten von gestiegener Gewässerqualität profitiert. Die Qualitätssteigerung ist Rolke zufolge auf technische Umweltschutzmaßnahmen zurückzuführen. Bessere Luftqualität habe darüber hinaus dazu geführt, dass einige in der Vergangenheit gefährdete Flechten- und Moosarten nun nicht mehr auf den Roten Listen stehen.

Bei Tieren wie dem Fischotter und der Wildkatze habe zudem gezielter Artenschutz zu Erfolgen geführt, teilte das LAU mit. Wie aus der Roten Liste hervorgeht, hat sich die Wildkatze vom Harz aus seit Beginn des 21. Jahrhunderts wieder in ganz Sachsen-Anhalt ausgebreitet. Erst Mitte September ist beispielsweise eine Wildkatze im Altmarkkreis Salzwedel in eine Fotofalle getappt.

Das tut Sachsen-Anhalt für den Artenschutz

Umweltministerin Dalbert (Die Grünen) beschrieb MDR SACHSEN-ANHALT im Anschluss an die Vorstellung der Roten Listen die drei Pfeiler des Artenschutzes in Sachsen-Anhalt. Erstens seien viele Naturschutzgebiete ausgewiesen worden, etwa im Rahmen der Natura 2000. Diese Gebiete machten nun elf Prozent der Landesfläche aus, sagte Dalbert. Ein weiteres Naturschutz-Projekt sei das Grüne Band, das 1.200 bedrohte Arten beheimate. Als zweiten Pfeiler des Artenschutzes führte Dalbert Zentren und besondere Programme für einzelne Arten an. Ein Beispiel dafür sei der Rotmilan. Um diesen Greifvogel kümmere sich das Heineanum im Harz.

Drittens seien auch die Landwirte eine wichtige Hilfe. Sie würden mit dem Ministerium zusammen versuchen, die Artenvielfalt zu verbessern, sagte Dalbert. Verdienstausfälle, die den Landwirten durch anderes Wirtschaften entstehen, würden durch ein Förderprogramm kompensiert. Insgesamt zeigten die Roten Listen, dass es dringend notwendig sei, diese Wege weiterzugehen.

Das sind die Roten Listen

Cover der Roten Listen 2020 für Sachsen-Anhalt
Für die Roten Listen 2020 sind etwa 21.500 Arten bewertet worden. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Für den neuen, etwa 900 Seite umfassenden Sammelband bewerteten ehrenamtliche und hauptamtliche Fachleute insgesamt knapp 21.500 Arten von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Algen. Etwa 7.600 davon sind als gefährdet eingestuft worden. Die Roten Listen 2020 sind online verfügbar. Seit vor 16 Jahren die vorherigen Roten Listen 2004 erschienen, wurden rund 17.400 Arten bewertet. Davon wurden 37,8 Prozent als gefährdet eingestuft.

An den Roten Listen wird laut Präsidentin des LAU, Sandra Hagel, fortwährend gearbeitet. Hagel erklärte MDR SACHSEN-ANHALT, dass beispielsweise über das Vogelmonitoring ständig weiter Daten erfasst würden. Mit solchen Daten würden auch Berichtspflichten gegenüber der EU erfüllt.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. September 2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

HUK vor 5 Wochen

Eine Bewertung der komplexen Ursachen, trotz guter Finanzierung des Naturschutzes, zu wenig Staat, Forschung und Lehre, omnipräsente NGOS, Energiepolitik, daraus Monokulturen, das Schniennetz als größter Verbraucher von Round up, einen Blattherbizid, Hochbauten, Waldumbau, Prädatoren wie Waschbär, Fischotter und Wildschwein, Licht- Funkstrahlung, Flügelschlag und Verwirbelung, die Ursachen sind bekannt, der politische Wille zu stark vom Zeitgeist, wenig vom Grundsatz, die Natur regelt sich selbst geprägt, lassen den Umweltschutz zu oft ins Leere laufen.

Lothar Thomas vor 5 Wochen

Ja der arme Feldhamster, dieses niedliche so posierliche Tierchen ist in seiner Existenz bedroht.

Als ich vor vielen Jahren noch in der Schule war (das ist schon lange her), da wurde uns noch "eingebläut", dass der Hamster zu den Schädlingen gehört.

Damals hätte man sich über den heutigen Zustand sicher gefreut.

Wenn ich mich recht erinnere, dann waren die Tiere auf den Getreidefeldern aber auch wirklich eine Plage.

Damals war noch ein Hamsterbau neben dem Anderen zu finden und die Viechter
hatten einen noch frech angegrinst.
Die hatten nicht einmal Angst vor dem Menschen.

Wenn ich es mir so recht überlege, dann habe ich seit einigen Jahren keinen Hamster mehr in der freien Wildbahn gesehen.

Wer weiß, vielleicht kommt ja jemand auf die Idee den Hamster in einem Nachzuchtprogramm wieder anzusiedeln.

Dieses Jahr haben wir ja dafür eine ausgesprochene Mäuseplage auf den Feldern.

Harzbiker vor 5 Wochen

Es ist erst einmal gut das dieses Thema nicht einfach todgeschwiegen wird, aber was nützt es wenn auf der einen Seite Menschen sich Gedanken machen um das Absterben unserer Natur zu verhindern und auf der anderen Seite die Gier nach immer mehr Profit nicht gestoppt wird. So lange es einige Regierungen egal ist was morgen ist und diese Mächtigen dieser Welt es nicht schaffen mal wirklich etwas zu ändern.

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