Einblick in Sachsen-Anhalts Krankenhäuser Finanzielle Situation der Kliniken durch Corona: "Kann für uns existenzbedrohend sein"

Die Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt stehen wegen der Corona-Krise unter einer Doppelbelastung. Sie müssen Covid-19-Patienten behandeln und Operationen streichen. Deshalb bekommen sie finanzielle Probleme. Ein Einblick.

Ein leeres Krankenbett mit vielen Geräten herum
Viele Klinikbetten sind leer, da sie für Corona-Patienten freigehalten werden. Gleichzeitig müssen Krankenhäuser Operationen absagen. Dadurch bekommen sie finanzielle Probleme. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Von der Corona-Krise sind die Krankenhäuser besonders stark betroffen. Zum einen müssen sie sich um die Covid-19-Erkrankten kümmern und dafür zusätzliche Maßnahmen umsetzen, zum Beispiel weitere Intensivbetten zur Verfügung haben. Gleichzeitig müssen bereits geplante Operationen abgesagt werden, da sie derzeit nicht stattfinden können. Dadurch entstehen weniger Einnahmen und hohe Kosten, mit denen die Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt unterschiedlich gut umgehen können. Ein Überblick.

Gelder reichen im Burgenland-Klinikum

Im Burgenland-Klinikum in Zeitz mussten wegen der Corona-Krise alle planbaren Operationen abgesagt werden. Das sind mehr als die Hälfte der OPs. "Wir leben als Haus von planbaren Operationen. Natürlich haben wir ein Notfall-Management und Notfall-Patienten kommen auch weiterhin in unser Haus", sagt Geschäftsführerin Annegret Neubauer.

Für die aktuell leeren Betten, die für mögliche Corona-Fälle gedacht sind, bekommen die Kliniken eine Pauschale. Das sind täglich 560 Euro pro Bett. Neubauer kommentiert: "Wir können für unser Haus sagen, das ist gut, das reicht. Denn wir müssen sehen, dass wir neben den 560 Euro auch eine Pflegepauschale obendrauf bekommen. Und um den Dokumentationsaufwand, der damit verbunden ist, abzufedern, werden noch 50 Euro gezahlt." Finanzielle Probleme hat die gerade aus der Insolvenz geholte Burgeland-Klinik aktuell also nicht.

Finanzielle Probleme im Magdeburger Marienstift

Im Krankenhaus Sankt Marienstift in Magdeburg sieht die Situation anders aus. Dort wurden etwa 70 Prozent der Operationen verschoben, was für finanzielle Probleme sorgt. Ihr Geschäftsführer Johannes Brumm erklärt: "Wir gehen von einer Millionen-Höhe aus. Das kann für uns, wenn die Situation so bleibt, existenzbedrohend sein."

Deshalb würden bereits Pläne überlegt, wie es finanziell im Marienstift weitergeht. "Wir wollen sowohl Kurzarbeit, als auch alle anderen Maßnahmen, soweit es möglich ist, vermeiden. Wir möchten gerne mit dem auskommen, was wir bekommen", so Brumm weiter. Sollte das nicht ausreichend sein, wolle sich die Klinik an die Politik wenden. Dabei bezieht sich Brumm auf die Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Der habe angekündigt, dass kein Krankenhaus aus der Corona-Situation heraus in finanzielle Schwierigkeiten kommen wird.

Vor kurzem hatten Kliniken aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen einen offenen Brief an Spahn verfasst. Darin forderten die Beschäftigen mehr Geld für ihre Krankenhäuser.

Trotz Kurzarbeit Optimismus in der Altmark

In der Klinikdienste GmbH, einer Tochtergesellschaft des Altmark-Klinikums, musste für 26 Personen Kurzarbeit angemeldet werden. "Dies hängt jedoch nicht vordergründig mit der finanziellen Situation des Krankenhauses zusammen, sondern mit einem gesunkenen Leistungsbedarf in den Küchen und Cafeterien", sagt Pressesprecherin Franka Petzke.

Im Klinikum selbst seien alle planbaren Operationen verschoben worden. Die insgesamt 387 Betten in den Krankenhäusern in Gardelegen und Salzwedel seien durchschnittlich etwa zu 39 Prozent ausgelastet. Petzke kommentiert die vergleichsweise geringe Belegung: "Es gibt offensichtlich Patienten, die sich trotz medizinischer Behandlungsbedürftigkeit aus Angst vor einer Corona-Infektion nicht ins Krankenhaus oder in die Arztpraxis trauen. Es ist zu befürchten, dass Erkrankungen verschleppt und zu spät erkannt werden."

Ob die finanziellen Mittel, die beispielsweise durch die unterschiedlichen Pauschalen zur Verfügung gestellt werden, reichen, könne noch nicht gesagt werden. Pressesprecherin Franka Petzke vermute aber, dass die Hilfen ausreichen. Zusätzlich wünscht sie sich von der Politik, dass der Schutzschirm für die Krankenhäuser schnell und unkompliziert umgesetzt wird. "Alle Anstrengungen müssen darauf gerichtet sein, die Arbeits- und Zukunftsfähigkeit der Kliniken zu sichern - Krankenhäuser sollten den Kopf frei haben von finanziellen Sorgen und überbordender Bürokratie", findet sie.

Deshalb ist die Situation so unterschiedlich

Für eine Einschätzung der aktuellen Situation der Krankenhäuser hat MDR SACHSEN-ANHALT mit Professor Wolfgang Schütte von der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt gesprochen.

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Herr Schütte, woran liegt es, dass die Situation in den einzelnen Kliniken so unterschiedlich ist?

Prof. Dr. med. Wolfgang Schütte
Prof. Dr. med. Wolfgang Schütte Bildrechte: Martha-Maria Krankenhaus Halle-Dölau

Wolfgang Schütte: "Das liegt daran, dass Krankenhäuser mit Patienten, die sie behandeln, Geld verdienen. Das ist das sogenannte Fall-Pauschalen-System. Jede Krankheit und jede Behandlung hat einen bestimmten Preis. Wenn sie jetzt komplizierte Behandlunge vornehmen, dann gibt es dafür einen hohen Preis. Jetzt hat der Bundesgesundheitsminister von den Krankenhäusern gefordert, dass die Patienten heruntergefahren werden sollen, um Platz zu haben für Corona. Das haben die Krankenhäuser getan. Das führt dazu, dass die leeren Betten durch den Bund finanziert werden. Nur, wenn normalerweise ein Patient in dem Bett gelegen hätte, der sehr viel erlöst hätte, ist der Preis zu niedrig."

In welche Häusern verschärft die Corona-Pandemie die finanzielle Situation noch zusätzlich?

Die finanzielle Situation wird in den Häusern deutlich verstärkt, die sehr hochwertige Leistungen erbringen. Zum Beispiel Herz-chirurgische Leistungen. Die erlösen sehr viel, man muss aber auch sehr viel vorhalten für einen Herz-chirurgischen Eingriff. Andererseits, wenn es einfacher zu behandelnde Krankheiten sind, wie eine Infektion der Atemwege, eine Lungenentzündung – dann ist das Problem nicht groß.

[Anmerkung der Redaktion: Deshalb ist das Krankenhaus Marienstift in Magdeburg besonders stark betroffen. Es ist spezialisiert auf beispielsweise Gefäß- und Neurochirurgie, also auf eher größere, schwierigere Eingriffe.]

Wie muss zukünftig die Krankenhaus-Finanzierung aufgestellt sein, damit finanzielle Schieflagen erst gar nicht entstehen?

Wir haben ein Fall-Pauschalen-System in Deutschland, das sehr stark diskutiert wird. Ob das sehr gut oder sehr schlecht ist, ist im Normalfall nicht genau zu sagen. Ich halte es durchaus für nicht so schlecht. In einer Krisenzeit, wie der Corona-Krise, ist es meiner Meinung nach nicht geeignet, die Krankenhäuser zu finanzieren. Aus meiner Sicht müsste es für 2020 abgeschafft werden und es müsste ein anderes pauschales Finanzierungssystem herangezogen werden.

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Quelle: MDR/jd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 22. April 2020 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

ElBuffo vor 25 Wochen

Tja, das läuft dann wohl unter Coronateralschaden. Hauptsache der Risikogruppe geht es gut und muss nicht allzuviele Einschnitte hinnehmen. Na die werden dann aber auch meckern, wenn man dann in Zukunft ein paar Kilometer weiter fahren soll.
Und Frau Grimm-Benne wird dann in Zukunft auch alles auf Corona schieben, wenn es um ihre Verdienste in diesem Bereich geht. Hauptsache ganz dolle einen auf Wichtig machen, wenn es um Mundschutz beim Einkaufen und im öffentlichen Verkehr geht.

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