Denkmal und Kulturzentrum Von Napoleons Festsaal zum Filmkunsthaus: Das "Studiokino" in Magdeburg wird saniert

Der Gebäudekomplex des heutigen "Studiokinos" in Magdeburg stammt noch aus Napoleons Zeiten. Seit 1976 wird das Gebäude als Programmkino mit vielen Veranstaltungen zum Thema Film genutzt. Auf Grund von Schäden soll der Komplex nun denkmalgerecht saniert und zu einem Filmkunsthaus umgebaut werden. Die Kosten belaufen sich auf ca. 3,5 Millionen Euro.

Außenansicht über eine Baustelle hinweg auf die Gebäudeecke des Studiokinos Magdeburg.
Das in der Sanierung befindliche Studiokino Magdeburg ist gerade von Baustellen umgeben. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

Das "Studiokino" in Magdeburg wird in einem aufwändigen Prozess saniert und umgebaut. Das 200 Jahre alte Gebäude, das seit 1976 als Programmkino benutzt wird, soll im Zuge der Sanierung ein Filmkunsthaus werden. Frank Salender, Geschäftsführer und Programmdirektor des Kinos, möchte, dass sich dort künftig alles um das Thema bewegtes Bild dreht. Es sollen dann beispielsweise Filmreihen und Filmfestivals organisiert und ein Medienkompetenzzentrum für Schulklassen aufgebaut werden.

Für die Sanierung wurden intensive Recherchearbeiten durchgeführt. Dabei kam heraus: Der historisch bedeutsame Gebäudekomplex, in dem sich das Studiokino befindet, ist schon seit 1820 eine wichtige Zentrale für Kultur in Magdeburg. Das Gebäude wurde noch von Napoleon als repräsentatives Gesellschaftshaus mit Festsaal angelegt und soll das erste Gesellschaftshaus Magdeburgs überhaupt gewesen sein.


Feste, Ringkämpfe, Tanzveranstaltungen

Konzipiert wurde es als Teil eines ausgefeilten städtebaulichen Plans. Hier fanden gesellschaftliche Zusammenkünfte und Veranstaltungen vieler Art statt. Zwischendurch gab es sogar Ringkämpfe im großen Festsaal, bei denen mutige Magdeburger gegen Profiathleten antreten konnten. Auch große Blaskapellen spielten hier. Später wurde das Gebäude dann zum "Marktschlösschen" – vor allem für Tanzveranstaltungen. Seit 1976 wird es als Programmkino genutzt.

Studiokino in Magdeburg So sieht die Sanierung des "Studiokino" in Magdeburg aus

Ein Mann und eine Frau stehen vor einer etwas ramponierten, lila angestrichenen Wand. Darüber ein Schild, auf dem "Studiokino" steht.
Frank Salender, Geschäftsführer des "Studiokinos" und Sina Stiebler, Architektin un Denkmalpflegerin, erklärten die Sanierungspläne für das Kino. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Ein Mann und eine Frau stehen vor einer etwas ramponierten, lila angestrichenen Wand. Darüber ein Schild, auf dem "Studiokino" steht.
Frank Salender, Geschäftsführer des "Studiokinos" und Sina Stiebler, Architektin un Denkmalpflegerin, erklärten die Sanierungspläne für das Kino. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Der Innenraum eines Kinovorraums mit einer Filmtafel und Filmplakaten
Während viele nur die Kinosäle und den Kassenbereich kennen, wird im Gebäude gerade kräftig gebaut. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Aus groben Mauersteinen gemauerte Innenwände auf Betonboden
In einem ersten Bauabschnitt wurden bereits alte Gebäudestrukturen wiederhergestellt. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Eine kleine Gruppe Menschen steht in einem leeren, im Bau befindlichen Raum.
Auch ein neuer Saal im Dachgeschoss des Gebäudes wird bereits gebaut. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Ein Mann und eine Frau stehen in einem im Bau befindlichen Raum.
Hier könnten Veranstaltungen des zukünftigen Filmkunsthauses stattfinden. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Ein altes schwarz-weiß Foto mit einer Außenansicht des Gebäudes, in dem sich heute das Studiokiino Magdeburg befindet.
Zu früheren Zeiten wurde das Gebäude als ein Komplex errichtet. Gut zu sehen auf diesem Foto... Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Eine alte Postkarte in schwarzweiß, auf der oben das Gebäude des heutigen Studiokinos von außen und unten eine Innenansicht des Schankraums gezeigt wird. Auf der Karte der Aufdruck: Marktschlösschen.
... oder auf dieser alten Karte. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Blick über eine Baustelle auf die Ecke eines Gebäudes, das sich nach links und rechts die Straße hinunterstreckt.
Zu DDR-Zeiten wurde ein Gebäudeabschnitt, zu sehen hinten rechts im Bild, als Wohnhaus umfunktioniert und baulich verändert. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Eine Frau und ein Mann stehen vor einer Baustelle vor einem Gebäude, über dem ein Schild mit der Aufschrift "Studiokino" hängt.
Dieser Gebäudeteil, hier zu sehen über Frank Salender, wurde zurückgekauft und soll baulich wieder an den Rest des Gebäudes angeglichen werden. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Computererstellte Grafik mit der Außenansicht eines Gebäudekomplexes.
Das ganze Gebäude sähe dann so aus. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Ein kleiner Kinosaal mit selbstgebautem Holzpodest, Kerze und einem Durchgang mit frischen Backsteinmauern im Hintergrund.
Momentan befindet sich in dem Gebäudeteil ein kleiner Kinosaal. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Computer-Querschnitt eines Gebäudekomplexes, Erdgeschossebene.
Auf den Bauplänen gut sichtbar: Ein langer Arkadengang in der Mitte, an den sich rechts und links Kinosääle, Toiletten und der Studiogarten anschließen sollen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Blick über einen großen Innenhof auf eine Fassade. Darauf Eine mit Platten verschlossene Fensterfront. Auf den Platten sind kunstvoll Filmrollen und Poster befestigt.
Der Studiogarten ist momentan leer, soll aber wieder nutzbar gemacht werden. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Blick auf einen grob gemauerten Türdurchlass. Links der Innenhof, rechts eine langer, dunkler Flur.
Hier kann man aus der Arkarde in den Garten sehen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Ein großer Kinosaal mit Wand- und Deckenverkleidung
Im großen Festsaal ist gerade die Decke abgehangen und der Rundweg oben herum mit Holz verkleidet. Beides soll rückgängig gemacht werden. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Ein altes Werbeplakat, auf dem Bürger dazu aufgerufen werden, im Gebäude des heutigen Studiokinos am Ringkampf teilzunehmen
Ringkämpfe wie damals werden hier zwar zukünftig nicht mehr stattfinden,... Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
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Ein Mann und eine Frau stehen vor einer etwas ramponierten, lila angestrichenen Wand. Darüber ein Schild, auf dem "Studiokino" steht.
Frank Salender, Geschäftsführer des "Studiokino" und Sina Stiebler, Architektin un Denkmalpflegerin, erklärten die Sanierungspläne für das Kino. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

Sanierungspläne à la Napoleon: Studiogarten, Saal im Dachgeschoss, Arkadenfenster

Mit der Sanierung betraut wurde die auf Denkmalpflege spezialisierte Architektin Sina Stieber, die von dem Bau schwärmt: "Gerade die Vermauerung der Arkadenfenster, der Arkadenemporen, die Wiederherstellung der Rapiddecken, historisch, darauf freue ich mich sehr! Das ist etwas ganz Spannendes!". Nach intensiven Recherchen wurde ein Plan entwickelt, der vorsieht, die ursprünglichen Raumzusammenhänge des Gebäudes wiederherzustellen.

Es hat die Kriegszerstörung überlebt, es hat die schlechten Umbauten aus DDR-Zeiten zu Wohnraum überlebt, und dadurch unterstützen auch Stadt und Land, wenn wir diese klassizistichen Bauelemente erhalten.

Sina Stieber, Architektin

Dass das "Studiokino" bald wieder fast aufgebaut sein soll wie zu Napoleons Zeiten, ist für die Planung des Filmkunsthauses kein Nachteil. "Das Gebäude wurde sehr klug geplant", erzählt Stieber bei einem Rundgang. Die Ursprungsstruktur käme dem zukünftigen Nutzen sehr entgegen. Wie früher soll das Dachgeschoss des Hauses wieder nutzbar gemacht und als zusätzlicher Saal eingerichtet werden.

Blick über einen großen Innenhof auf eine Fassade. Darauf Eine mit Platten verschlossene Fensterfront. Auf den Platten sind kunstvoll Filmrollen und Poster befestigt.
Nur wenige wissen, dass dieser Garten zum "Studiokino" gehört. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert


Ebenso soll der große, zum Gebäude gehörende Studiogarten, der derzeit brachliegt, wieder hergerichtet werden. Hier könnten beispielsweise ein Sommerkino und Gastronomie entstehen. Auch die Außenseite des klassizistischen Baus, die in der DDR teilweise verändert wurde, soll originalgetreu umgebaut werden.


Umbaukosten: Ca. 3,5 Millionen Euro

Für die denkmalgerechte Sanierung, die Salender und Stieber als bedeutend für die Stadt Magdeburg einschätzen, werden ca. 3,5 Millionen Euro benötigt. Frank Salender ist zuversichtlich, dass Stadt, Land und Bund den Bau der beiden verbleibenden Bauabschnitte aufgrund der städtebaulichen und historischen Bedeutung fördern werden.

Eine denkmalgerechte Sanierung sei natürlich wegen zahlreicher Auflagen teuer, würde der Stadt und den Menschen aber auch unheimlich viel zurückgeben, sagte Sina Stieber MDR SACHSEN-ANHALT. "Unsere Vorfahren haben uns hier so etwas Tolles hingebaut, da habe ich einen ganz leichten Job, hier etwas zu bauen, wo man sich wohlfühlt", freut sie sich.

Kinofans müssen vorerst übrigens nicht auf ihr "Studiokino" verzichten. Die Sanierung ist in drei Bauabschnitten geplant, die es erlauben, den Kinobetrieb die meiste Zeit aufrecht zu erhalten. In einem späteren Umbauschritt sollen dann Ausweichspielorte in der Stadt genutzt werden.

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Ein hohes Baugerüst an einer der Seitenschalen der Hyparschale auf der Magdeburger Elbinsel.
Die Dachschalen der Hyparschale in Magdeburg werden durch ein spezielles Verfahren saniert. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

Quelle: MDR/ls

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03. September 2020 | 19:00 Uhr

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