Umweltministerin: "Zwei wirklich harte Jahre im Forst" Erste Schätzung zu Waldschäden durch Orkan "Sabine"

Windgeschwindigkeiten von mehr als 170 Stundenkilometern und tausende umgeknickte Bäume – das Sturmtief "Sabine" hat vor allem im Harz große Schäden angerichtet. So hart wie das Orkantief "Friederike" aus dem Jahr 2018 wurde der Harz aber nicht getroffen.

Eine Straßensperre mit dem Warnschild "Sturmschäden" im Harz
Nach "Sabine" kam "Victoria" – wieder mit umgestürzten Bäumen und Straßensperren. Bildrechte: MDR/Matthias Strauss

Anfang Februar ist Orkan "Sabine" über Sachsen-Anhalt gefegt, nun hat das nächste Tief einen weiteren starken Sturm nach Sachsen-Anhalt gebracht. In der Nacht von Sonntag auf Montag sind laut Deutschen Wetterdienst durch den Sturm "Victoria" auf dem Brocken wieder Windgeschwindigkeiten mit Orkanstärke mit bis zu 172 Kilometer pro Stunde erreicht worden.

Umgestürzte Bäume haben im Harz wieder für Verkehrsbehinderungen gesorgt. So war beispielsweise die Landstraße zwischen Elbingerode und Drei Annen Hohne in beide Richtungen blockiert. Auch die Landstraße zwischen Elend und Schierke musste gesperrt werden.

Geringere Schäden durch "Sabine"

Um sich über die Schäden beider Stürme vor Ort zu informieren, hat Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) am Montagvormittag den Landesforst bei Elbingerode begutachtet.

Der Orkan "Sabine" richtete aber ingesamt weniger Schaden an als befürchtet. Das Umweltministerium ging in einer Schätzung von 500.000 Festmetern Schadholz in ganz Sachsen-Anhalt aus. Das ist deutlich weniger als bei vergleichbaren Sturmtiefs der vorigen Jahre. Das Orkantief "Friederike" beispielsweise hatte 2018 dreimal so viel Holz umgestürzt.

Im Landkreis Harz gab es mehr als 150 Einsätze von Polizei und Feuerwehr, in der Altmark knapp 80 und in Magdeburg 60. Vereinzelt liefen Keller mit Regenwasser voll. In Lüderitz bei Tangerhütte deckte der Sturm mehrere Dächer ab. Etwa 40 Einsätze gab es im Salzlandkreis. Der Fernverkehr der Deutschen Bahn musste bis zum Montagvormittag viele Verbindungen einstellen. Auch zahlreiche Flüge waren gestrichen worden.

Beispielrechnung: Knapp 160.000 beschädigte Bäume

Ein Festmeter Holz sind ein Kubikmeter Holz wenn die Stämme geschichtet sind, also ein Meter mal ein Meter mal ein Meter Holz ohne Zwischenräume. Wenn Holz mit den Zwischenräumen gemessen wird, spricht man von Raummetern.

Ein idealisierter Beispielbaum mit einer Höhe von 25 Metern und einem Durchmesser von 40 Zentimetern enthält 3,14 Kubikmeter Holz. Das heißt, ein Schaden von 500.000 Festmetern Holz würde knapp 160.000 beschädigten Bäumen in ganz Sachsen-Anhalt entsprechen.

Dalbert sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Es treibt mich ein bisschen in die Verzweiflung. Sie wissen, dass wir zwei wirklich harte Jahre im Forst und im Wald hinter uns haben, und jetzt kommen wieder Sturmschäden dazu."

Geld für Waldbesitzer

Zu den Forderungen nach mehr Geld vom Land für Waldbesitzer sagte sie: "Wir haben 11,2 Millionen Euro im Jahr extra für den Forst und um die Privatwaldbesitzer und die kommunalen Waldbesitzer zu unterstützen. Leider kann der Landesforst auf diese Gelder nicht zugreifen. Wir werden uns jetzt nochmal zusammensetzen nach den letzten Stürmen und schauen, wie wir mit dem Schaden in unseren Wäldern umgehen."

Gleichzeitig räumte die Ministerin ein, dass in den Forstbetrieben mehr Personal benötigt wird: "Wir brauchen Menschen, die im Wald arbeiten. Da kommen wir jetzt auch an den Rand."

Nach Angaben der Versicherungsberatungsgesellschaft Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) werden die Schäden durch den Orkan "Sabine" auf 40 Millionen Euro versicherten Sachschaden in Mitteldeutschland geschätzt. Das teilte die Beratungsgesellschaft dem MDR-Magazin "Umschau" mit. Die Schadensprognose für Sachsen-Anhalt liegt bei etwa 10 Millionen Euro.

Quelle: MDR,dpa/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 17. Februar 2020 | 19:00 Uhr

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