Unwetterschäden in Sachsen-Anhalt Mann stirbt nach Blitzeinschlag – Schlammlawine in Grasleben

Heftige Gewitter und Starkregen haben in Sachsen-Anhalt für zahlreiche Feuerwehreinsätze gesorgt. Es kam zu Schlammlawinen und Unterspülungen. In Höhnstedt starb ein Mann nach einem Blitzeinschlag.

Schäden nach Schlammlawine in Grasleben
In Grasleben in der Börde haben heftige Regenfälle eine Schlammlawine ausgelöst. Bildrechte: MDR/ Matthias Strauß

Schwere Gewitter mit Starkregen haben am Samstag und Sonntag in vielen Orten in Sachsen-Anhalt erhebliche Schäden angerichtet.

Mann stirbt nach Blitzeinschlag in Höhnstedt

In Höhnstedt im Saalekreis starb ein Mann infolge des Unwetter. Wie ein Polizeisprecher MDR SACHSEN-ANHALT mitteilte, handelt es sich um einen 44-Jährigen Mann, der am Samstag auf einer Gartenfeier war. Als die schweren Gewitter einsetzten, stellte sich der Mann unter einen Hochspannungsmast. Kurze Zeit später wurde er von einem Blitz getroffen. Mitfeiernde versuchten ihn anschließend zu reanimieren, jedoch ohne Erfolg.

Schlammlawine trifft Haus in Grasleben

Die Landstraße 20 bei Oebisfelde-Weferlingen in der Börde ist wegen Unterspülung gesperrt. Und auch sonst sorgte ein Wolkenbruch in der Börde für erhebliche Schäden. An etwa 100 Einsatzorten liefen auch am Sonntag noch die Aufräumarbeiten, berichtet ein Reporter von MDR SACHSEN-ANHALT. Neben den Feuerwehren ist auch das Technische Hilfswerk im Einsatz.

Ganze Straßenzüge seien betroffen. An einer Stelle ist die Straße so weit abgesackt und unterspült, dass die Gasleitung freiliegt, heißt es. In Grasleben wurde ein Einfamilienhaus von einer Schlammlawine schwer beschädigt. Verletzt wurde dabei niemand, doch das Haus ist nicht mehr bewohnbar.

Blitzeinschlag löst Dachbrand aus

In Gutenswegen in der Börde schlug ein Blitz in ein Wohnhaus ein und setzte den Dachstuhl in Brand. Der Hauseigentümer stand gerade unter der Dusche, als es knallte: "Ich habe mich gerade geduscht, da hat es furchtbar gescheppert", so Siegfried Stakelies. Das Feuer breitete sich schnell unter dem Dach aus. Feuerwehren aus mehreren Ortschaften mussten anrücken. Verletzt wurde niemand. Es entstand ein Schaden von rund 35.000 Euro.

Feuerwehrleute stehen vor einem Einfamilienhaus und löschen.
In dieses Haus schlug ein Blitz ein – während der Besitzer gerade duschte. Bildrechte: MDR/ Matthias Strauß

Rekord-Regenmengen in vielen Orten

Meist musste die Feuerwehr im Land wegen umgestürzter Bäume und vollgelaufener Keller ausrücken. In Magdeburg waren die Rettungskräfte allein am Samstag 45 Mal im Einsatz. Bei Flottshöhe in der Nähe von Oschersleben stand die B246 unter Wasser.

Die Gewitter haben an vielen Orten im Land für neue Regenrekorde gesorgt: So fielen in einem Ortsteil von Wanzleben in der Börde binnen 24 Stunden 133,4 Liter pro Quadratmeter, teilte der Deutsche Wetterdienst mit. Das war nicht nur die Spitzenmenge am Samstag in Sachsen-Anhalt, sondern der höchste Wert, den der DWD für seine Station in Klein Germersleben bisher verzeichnet hatte. Auch in Drewitz bei Burg (100,4 Liter je Quadratmeter), Röblingen am See in Mansfeld-Südharz (91,5 Liter), Hakeborn in der Börde (81,8 Liter) oder Ballerstedt im Kreis Stendal (55,0 Liter) führte der Starkregen am Samstag zu neuen Allzeit-Tagesrekorden.

Drei Verletzte auf der A2

Behinderungen gab es auch auf der Autobahn 2 zwischen Magdeburg und Braunschweig durch Aquaplaning und geringe Sichtweiten. An der Grenze zu Niedersachsen kam es zu einem Unfall, bei dem drei Menschen verletzt wurden. Aufgrund der Rettungs- und Bergungsarbeiten kam es bis in die Nacht zu langen Staus auf der A2. 

Auf der Autobahn 14 bei Naundorf wurden am Samstagabend fünf Menschen leicht verletzt, weil ein 34-Jähriger mit seinem Wagen auf regennasser Fahrbahn ins Schleudern kam und mit einem neben ihm fahrenden Auto zusammen stieß.

Ein Rettungswagen steht mit Blaulicht auf der A2
Während des Unwetters kam es auf der A2 zu einem Unfall. Drei Menschen wurden verletzt. Bildrechte: MDR/ Matthias Strauß

Auch in Halle und vielen anderen Regionen kam so viel Regen herunter, dass Straßen zwischenzeitlich überflutet wurden. Das Nordbad in Halle bleibt bis auf Weiteres gesperrt, weil Erdreich in das Schwimmbecken gespült wurde. Für die Flüsse Bode, Aller und Weiße Elster sowie ihre Nebenflüsse wurden Hochwasserwarnungen ausgegeben. Bei Polleben in Mansfeld-Südharz rutschte ein Erdhang ab und blockiert die Landesstraße 151. Auch für Sonntag hat der Wetterdienst Unwetterwarnungen herausgegeben.

Naturschauspiel und vollgelaufene Keller Schwere Gewitter richten Schäden an

Ein Blitzeinschlag bei Aschersleben
Über weite Teile Sachsen-Anhalts sind am Sonnabend und in der Nacht zu Sonntag schwere Gewitter hinweggezogen. Das Bild hat MDR SACHSEN-ANHALT-User Matthias Günther von Ermsleben mit Blick auf Aschersleben aufgenommen. Bildrechte: Matthias Günther
Ein Blitzeinschlag bei Aschersleben
Über weite Teile Sachsen-Anhalts sind am Sonnabend und in der Nacht zu Sonntag schwere Gewitter hinweggezogen. Das Bild hat MDR SACHSEN-ANHALT-User Matthias Günther von Ermsleben mit Blick auf Aschersleben aufgenommen. Bildrechte: Matthias Günther
Blitzschlag über Quedlinburg
Auch im Harz zogen die Blitze viele Fotografen an. Stefanie Schütze hat dieses Bild in Quedlinburg aufgenommen. Bildrechte: Stefanie Schütze
Blitzschlag bei einem Gewitter über Harzgerode in Sachsen-Anhalt
Natur- und Wetterfotograf Torsten Brehme war mit der Kamera am späten Abend in Harzgerode unterwegs. Bildrechte: Torsten Brehme
Blitzschlag bei einem Gewitter über Harzgerode in Sachsen-Anhalt
Auch dort waren zahlreiche Blitze am Himmel zu sehen. Bildrechte: Torsten Brehme
Pflastersteine liegen nach einem Unwetter in Halle auf einer Straße herum.
Schon am Sonnabend wurden aber die ersten Schäden des Unwetters deutlich: In Halle hat der starke Regen mehrere Pflastersteine angehoben. Bildrechte: MDR/Paula Kautz
Autofahrer sind nach Gewitter und Starkregen auf überfluteten Straßen unterwegs.
Einige Straßen von Halle waren am Sonnabend überflutet. Bildrechte: dpa
In der Schrote in Magdeburg-Stadtfeld schwimmt nach einem Unwetter Unrat.
Der Tag danach: Am Sonntagmorgen schwimmt in der Schrote im Magdeburger Stadtteil Stadtfeld allerlei Geäst.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 14.06.2020 | 07:00 Uhr

Quelle: MDR/ld
Bildrechte: MDR/Mario Köhne
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Quelle: dpa, MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 14. Juni 2020 | 10:00 Uhr

4 Kommentare

W.Merseburger vor 14 Wochen

Ironie des Schicksals: Der MDR hat erst kürzlich eine umfangreiche Serie über die Folgen der Trockenheit erstellt, die uns jetzt befallen hat und die wahrscheinlich unvermeidlich weitergehen wird. Nun hat es Extremregen und Unwetter gegeben, wahrscheinlich aufgrund einer sogenannten 5b Wetterlage, die aber gar nicht so selten ist. Die früher durchschnittliche Regenmenge für den Monat Juni beträgt für S-A laut DWD 63 Liter/m². Da kann sich jeder ausmalen, was in einigen Gebieten los war. Ungerecht ging es auch zu. Während in Halle Straßen unter Wasser standen, fiel in Merseburg bis 14. 06. früh ca. 1,0 Liter/m² Regen. Positiv ist, dass die Wälder, Wiesen und Äcker "gründlich" gewässert wurden und so eine Entspannung der Dürresituation eingetreten sein muss. Das ist aber obigem Bericht keine Zeile wert!

Steffen 1978 vor 14 Wochen

Überflutetete Straßen und Bäche haben wir allein dem Sparwahn unserer Entscheidungsträger zu verdanken Straßengräben Fluß und Bachufer werden nur unzureichend oder garnicht gereinigt oder Instand gesetzt auch die intensive Landwirtschaft ohne Tiefpflügen trägt einen erheblichen Anteil dazu bei aber es ist ja leichter es auf den Klimawandel zu schieben

Freb vor 14 Wochen

Klar, das geht auf die Kappe von Angela.
Im Zweifel auf den Staat und seine Entscheidungsträger schimpfen. Etwas simpel- oder?

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