Fragen und Antworten Ferienende: Das müssen Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten beachten

Am Montag geht in Sachsen-Anhalt die Schule nach den Herbstferien wieder los. Derweil steigen die Corona-Zahlen an, auch in Deutschland. Was Eltern zum Schulbeginn wissen müssen: die wichtigsten Fragen und Antworten.

Erstklässer sitzen im Unterricht auf auseinandergerückten Einzelplätzen, während die Lehrerin mit Mundschutz unterrichtet.
Herbst an Sachsen-Anhalts Schulen: In vielen Landkreisen steigen die Corona-Infektionszahlen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Wir waren in den Herbstferien in einer Region, die nun als Risikogebiet eingestuft wurde. Wie müssen wir uns verhalten, wenn wir nach Sachsen-Anhalt zurückkommen?

Laut Sozialministerium Sachsen-Anhalt sind Reiserückkehrer aus Risikogebieten verpflichtet, sich direkt nach der Rückkehr für 14 Tage in Quarantäne zu begeben. Risikogebiete sind Staaten oder Regionen außerhalb Deutschlands, die zum Zeitpunkt der Rückreise nach Deutschland als Risikogebiet eingestuft sind. Eine aktuelle Auflistung aller Risikogebiete veröffentlicht das Robert Koch-Institut (RKI).

Die Quarantäne-Pflicht kann laut Landessozialministerium umgangen werden, indem ein negativer Coronatest vorgelegt wird. Dieser kann im Urlaubsland gemacht werden, dann darf das Testergebnis bei der Rückreise nach Deutschland aber nicht älter als zwei Tage sein. Alternativ können Rückreisende in Deutschland beim Arzt oder in einer Fieberambulanz innerhalb von zehn Tagen nach der Einreise einen kostenlosen Coronatest machen. Rückreisende können auch direkt Teststationen am Flughafen oder Bahnhof nutzen.

Was sind offiziell überhaupt Risikogebiete?

Corona-Risikogebiete sind ausschließlich Staaten oder Regionen im Ausland. Laut Robert Koch-Institut (RKI) entscheiden das Bundesministerium für Gesundheit, das Auswärtige Amt und das Bundesinnenministerium gemeinsam über die Einstufung als Risikogebiet. Hier noch einmal der Link zur aktuellen Auflistung der Risikogebiete vom RKI.

Innerdeutsche Gebiete mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 in den vergangenen sieben Tagen werden umgangssprachlich auch oft Risikogebiet genannt. Sie gelten aber offiziell nicht als Risikogebiete, sondern sind lediglich Regionen mit erhöhtem Corona-Infektionsgeschehen bzw. Corona-Hotspots. Es gibt nach der aktuell gültigen Achten Corona-Verordnung des Landes Sachsen-Anhalt derzeit keine Quarantäne- oder Testpflicht bei der Rückkehr aus einem innerdeutschen Corona-Hotspot. Das Land rät von touristischen Reisen in diese Gebiete allerdings trotzdem ab.

Müssen Schülerinnen und Schüler, die in Risikogebieten waren, einen negativen Coronatest vorlegen, um in die Schule zu dürfen?

Nein. Das hat am Sonnabend die Staatssekretärin im Bildungsministerium, Eva Feußner (CDU), betont. Feußner sagte bei MDR SACHSEN-ANHALT, das Ministerium appelliere an Schülerinnen und Schüler sowie an die Lehrkräfte, ehrlich zu sein: Wer während der Herbstferien in einem Risikogebiet im Ausland gewesen sei, solle das der Schule melden und sich freiwillig testen lassen. Pflicht sei das aber nicht.

Das widerspricht allerdings den Angaben, die das Bildungsministerium auf seiner Website macht. Dort steht, dass Schülerinnen und Schüler, die aus einem Risikogebiet im Ausland zurückkehren, das Schulgelände bis 14 Tage nach der Rückreise nicht betreten dürften – mit einer Ausnahme: Es liegt ein negativer Coronatest vor. Es obliege Schülern und Eltern, dafür zu sorgen, dass der Schulbesuch möglich sei. Es gelte die Schulpflicht. Schülerinnen und Schüler, die aus ausländischen Risikogebieten zurückkehren, müssen sich laut Bildungsministerium nach der Rückreise sofort in 14-tägige Quarantäne begeben. Spätestens 72 Stunden nach der Rückkehr müssten sie sich auf das Coronavirus testen lassen, so das Ministerium.

Wer in einem innerdeutschen Corona-Hotspot (also zum Beispiel im Jerichower Land oder im Burgenlandkreis) war, benötigt laut Staatssekretärin Feußner ebenfalls keinen negativen Corona-Test. Eine Testpflicht sei logistisch auch gar nicht zu handhaben, sagte Feußner.

Ist mein Kind vom Schulunterricht entschuldigt, während wir auf das Corona-Testergebnis warten?

Nein. Hierzu schreibt das Bildungsministerium: "Fehlzeiten die daraus resultieren, dass eine Testung bei Rückkehr nicht rechtzeitig erfolgen konnte, gelten als unentschuldigtes Fehlen." Die Folgen privater Reisen ins Ausland seien selbst zu tragen.

Gelten an Schulen in Landkreisen mit vielen Corona-Neuinfektionen besondere Regeln?

In Sachsen-Anhalt haben der Landkreis Jerichower Land sowie der Burgenlandkreis die Marke der 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen bereits überschritten. Für die Schulen im Burgenlandkreis gelten daher besondere Regeln zur Eindämmung der Pandemie, wie der Landkreis am Freitag mitteilte. Alle Personen auf Schulgeländen, in Schulgebäuden oder Horten müssten nun einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Die Maskenpflicht gelte nur für diejenigen nicht, die im Unterricht an ihrem Platz oder am Arbeitsplatz sitzen. Die Maskenpflicht an allen Schulen und Horten im Burgenlandkreis bleibt bis einschließlich 6. November bestehen.

In den Schulen der Stadt Halle, die die 50er-Marke am Sonnabend überschritten hat, gilt ebenfalls eine Maskenplicht. Nur im Klassenraum dürfen die Masken abgesetzt werden.

Für das Jerichower Land gelten bislang keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen an den Schulen. Allerdings läuft an einer Schule in Burg noch die Kontaktnachverfolgung, nachdem dort eine Person positiv auf Corona getestet wurde.

Lüften
Wichtig: Im Unterricht soll regelmäßig stoßgelüftet werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Drohen neue Schulschließungen?

Flächendeckend nicht, sagt Staatssekretärin Eva Feußner. Das sei der "allerallerletzte Weg", betonte sie. Möglich sei aber, dass einzelne Schulen zwischenzeitlich geschlossen werden müssten, wenn dort mehrere Fälle aufträten. "Ich glaube und hoffe aber, dass die Schulen gut gerüstet sind", erklärte Feußner.

Wie sieht es mit dem Lüften im Unterricht aus?

Das funktioniert laut Ministerium bislang gut. Staatssekretärin Eva Feußner sagte, Maßgabe sei, dass alle 20 Minuten gelüftet werde. Wenn es nun kälter werde, könnten die Kinder sich Jacken anziehen oder für fünf Minuten das Klassenzimmer verlassen, während stoßgelüftet werde. Schulen könnten dafür auch die 45-Minuten-Schiene je Unterrichtsstunde aufweichen, betonte sie.

Was ist, wenn mein Kind erkältet ist?

Das Bildungsministerium sieht da in erster Linie die Eltern in der Pflicht. Sie müssten am Ende entscheiden, ob sie ihr Kind bei einer leichten Erkältung zum Unterricht schickten – oder zum Arzt. Staatssekretärin Eva Feußner betonte, man könne da nichts vorschreiben. So oder so brauche es eine Bescheinigung vom Arzt, wenn das Kind zu Hause bleibe. Die Schulpflicht gelte auch weiterhin. Wenn Schülerinnen und Schüler im Unterricht dagegen über typische Covid-19-Symptome wie Geschmacklosigkeit oder Fieber klagen, dann sollten sie von den Lehrkräften nach Hause geschickt werden und einen Corona-Test machen.

Nachrichten

Ein Porträt-Foto von Virologe Alexander Kekulé. 52 min
Bildrechte: MDR/dpa

MDR AKTUELL Fr 23.10.2020 15:45Uhr 52:06 min

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Quelle: MDR/mh,ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 24. Oktober 2020 | 10:00 Uhr

2 Kommentare

Grosser Klaus vor 5 Wochen

Dass der Lockdown damals bundesweit beschlossen wurde, weil man nicht wusste, wie viele Menschen intensiv medizinisch hätten betreut werden müssen und man keine italienischen Verhältnisse hier haben wollte. Damals war einfach ein ganz anderer Kenntnisstand als heute.
Aber jetzt geht es doch darum, zu schauen, wie groß die Durchseuchung ist und wie viele Intensivbetten für die sogenannten Risikopatienten nötig sind plus der geringen Anzahl derer, die es auch hart trifft, obwohl sie ansonsten gesund erscheinen. Ansonsten überstehen ja die meisten Leute, Gott sei Dank, Covid-19 recht glimpflich. Um einen erneuten Lockdown abzuwenden, sind Zahlen, die den Krankheitsverlauf berücksichtigen, einfach notwendig. Alles andere ist verantwortungslos.

Normalo vor 5 Wochen

Die Schüler werden es Ihnen danken 👍

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