Kein bestätigter Fall in Sachsen-Anhalt Lagebericht, Krisenstab, Pandemieplan: So bereitet sich Sachsen-Anhalt auf das Coronavirus vor

Die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus steigt – in den vergangenen 24 Stunden auch in Deutschland. Während Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen die ersten bestätigten Fälle melden, gibt es in Sachsen-Anhalt bislang keine Infektion mit dem Virus. Trotzdem bereiten Gesundheitsministerium und Krankenhäuser sich darauf vor. MDR SACHSEN-ANHALT erklärt, wie das in der Praxis aussieht.

Modell des Corona-Virus
Das Coronavirus Sars-CoV-2 breitet sich auch in Europa aus. In Sachsen-Anhalt gibt es bislang aber keinen Grund zur Panik. Die Behörden fühlen sich gut vorbereitet. Bildrechte: imago images/Science Photo Library

In vielen Krankenhäusern in Sachsen-Anhalt geht es am Morgen in diesen Tagen um das neuartige Coronavirus. "Wir erhalten jeden Morgen einen Lagebericht", erzählt Amtsärztin Christine Gröger aus Halle im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. Schwierigkeiten sehe sie aktuell nicht, sagt Gröber – schiebt aber hinterher: "Wobei wir nicht sagen können, wo die Reise am Ende hingeht." Klar ist: In Sachsen-Anhalt gibt es bislang keine bestätigte Infektion mit dem Coronavirus.

Im Moment sind alle gut vorbereitet und auch auf Patienten, die isoliert werden müssen, eingestellt.

Christine Gröger Amtsärztin in Halle

Sozialministerium, Gesundheitsämter und Krankenhäuser bereiten sich dennoch auf den Fall der Fälle vor – nicht erst, seit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwochabend vor dem Beginn einer Corona-Epidemie in Deutschland warnte. Auch Landesgesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) sagt: "Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir in Sachsen-Anhalt in der Zukunft einen Fall oder mehrere Fälle haben."

So viele Infektionen mit dem Coronavirus gibt es weltweit

In Deutschland gibt es inzwischen mehr als 20 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus (Stand: 27. Februar, 11:00 Uhr). In Sachsen-Anhalt sind nach den Worten von Gesundheitsministerium Petra Grimm-Benne (SPD) 90 Menschen wegen des Verdachts auf das Coronavirus untersucht worden. Das Virus sei aber in keinem der Fälle nachgewiesen worden.

Infektion: So würden Patienten in Sachsen-Anhalt isoliert

Doch was würde eigentlich passieren, wenn in einem der Krankenhäuser ein mit dem Virus infizierter Patient eingeliefert würde? Eike Hennig ist Amtsarzt in Magdeburg und erklärt: "Ein potenziell erster Erkrankter würde in der Uniklinik isoliert und vom Rettungsdienst direkt in ein Isolierzimmer gebracht werden." Auch Angehörige und andere Kontaktpersonen würden in solch einem Fall isoliert, erzählt Hennig.

Hintereingang zum Universitätsklinikum Magdeburg.
Wer sich mit dem Coronavirus infiziert hat, würde in der Uniklinik Magdeburg isoliert. (Archivfoto) Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Ein für solche Situationen existierender Pandemieplan könne auch beim Coronavirus umgesetzt werden, sagt der Magdeburger Amtsarzt und verweist auf die Schweinegrippe, wo das ähnlich abgelaufen sei. Nachteil: Die Planung sei nun schwieriger, weil nicht eindeutig klar sei, wie schwer die Krankheit sei, die das Coronavirus auslöse. Dafür fehlten Daten aus China, sagt Hennig. Laut Gesundheitsministerin Grimm-Benne wird der Pandemieplan des Landes aktuell überarbeitet. In diesem Plan stehen Empfehlungen für Gesundheitsbehörden und Krankenhäuser, wie die Bevölkerung geschützt und wie Patienten isoliert werden können.

Um einen Patienten zu isolieren, muss eine Infektion mit dem Virus aber erst einmal nachgewiesen werden oder mindestens ein Verdacht bestehen. Die Diagnose zu stellen, ist in Sachsen-Anhalt Aufgabe von niedergelassenen Ärzten, Notfallambulanzen oder Kliniken. Sollte ein Patient tatsächlich infiziert sein, bekommen die Gesundheitsbehörden im Land eine sogenannte Labormeldung.

#MDRklärt Sechs wichtige Tipps, die Sie vor dem Coronavirus schützen

3 wichtige Tipps, die dich vor dem Coronavirus zu schützen  Menschen mit Mundschutz in Mailand
Bildrechte: imago images/Pacific Press Agency
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1. Häufiges Händewaschen mit Seife, mindestens 20 Sekunden lang
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2. Zu hustenden/niesenden Personen 1 bis 2 Meter Abstand halten
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3. In die Ellenbeuge niesen und Husten
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4. Papiertaschentücher sofort entsorgen.
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5. Handy und Brille regelmäßig reinigen.
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6. Auf Händeschütteln verzichten.
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Quelle: MDR/mx

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT –
Das Radio wie wir | 27. Februar 2020 | 05:00 Uhr
Bildrechte: MDR/Max Schörm
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Pandemieplan des Landes wird überarbeitet

Auf Basis dieser Meldung müssen die Behörden schließlich Kontaktpersonen ermitteln und prüfen, wie die weiteren Schritte sind. Einer der Schritte ist: Bei einer Infektion wird in Sachsen-Anhalt ein Krisenstab eingerichtet. Darauf hat Gesundheitsministerin Grimm-Benne am Donnerstag hingewiesen.

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Städte abriegeln – in Sachsen-Anhalt bislang kein Thema

Ein möglicher weiter Schritt ist im Falle einer Epidemie, dass Gegenden und einzelne Städte abgeriegelt und unter Quarantäne gestellt werden. So handhaben die Behörden in Italien das derzeit. Realistisch ist das in Sachsen-Anhalt aber aktuell nicht. Deshalb gibt es laut Sozialministerium auch keine entsprechenden Pläne. Allerdings gibt es dem Ministerium zufolge ausreichend Isolationsbetten in den Krankenhäusern.

Sorge vor Coronavirus: Rockgala in Magdeburg kurzfristig abgesagt Die ausverkaufte Rockgala am Freitag in Magdeburg ist kurzfristig abgesagt worden. Wie die Veranstalter am Donnerstag mitteilten, will Hauptact Bob Geldof wegen des Coronavirus nicht kommen. Er wolle aktuell keine Reisen antreten, teilten die Veranstalter mit. Die Ticketpreise sollen demnach erstattet werden.

Der Magdeburger Amtsarzt Eike Hennig sieht mit Blick auf das Coronavirus keinen Grund zur Panik. Es brauche schon um die 100 Erkrankungen mit dem Virus, damit die Uniklinik in der Landeshauptstadt an ihre Grenzen stoße. Realistisch sei diese hohe Zahl aktuell aber nicht.

Engpässe bei Schutzausrüstung erwartet – Ministerium in Gesprächen

Eine Möglichkeit, sich vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen, ist eine persönliche Schutzausrüstung, wie sie in Krankenhäusern üblich ist. Ein Großteil dieser Ausrüstung – laut Sozialministerium in Magdeburg etwa 70 Prozent – wird in China produziert und wird aktuell nicht nach Europa geliefert. Hauptgrund: Die Ausrüstung wird in China selbst gebraucht. Schließlich gibt es dort wesentlich mehr Infektionen mit dem Virus als in Europa. Deshalb sei ein Engpass bei Schutzausrüstungen zu erwarten. Das Bundesgesundheitsministerium sei aber in Gesprächen mit anderen Herstellern, damit die ihre Produktionskapazität erweitern.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. Februar 2020 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2020, 17:39 Uhr

1 Kommentar

Steffen 1978 vor 5 Wochen

Dieser Krisenstab unter Führung dieser unfähigen Regierung wird niemals in der Lage sein uns Bürger effektiv zu schützen es mangelt schon im täglichen Leben an einfach Entscheidungen also dann warten wir es ab

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