Abgestorbene Bäume
Bildrechte: IMAGO

Waldzustandsbericht 2019 So schlecht geht es dem Wald in Sachsen-Anhalt

Dürre, Stürme, Borkenkäfer: 2019 war für die Wälder in Sachsen-Anhalt ein verheerendes Jahr. Welches Ausmaß die Schäden im Einzelnen haben und welche Strategien den Wäldern künftig helfen sollen, hat MDR SACHSEN-ANHALT in vier Fakten zusammengefasst.

Abgestorbene Bäume
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2019 war für Sachsen-Anhalts Wälder ein verheerendes Jahr. Das geht aus dem neuesten Bericht zum Waldzustand hervor, der am Montag vorgestellt wurde. Welches Ausmaß die Schäden haben und welche Strategien den Baumbestand künftig schützen sollen, hat MDR SACHSEN-ANHALT in vier Fakten zusammengefasst:

Fakt 1: 2019 war das bislang schlimmste Jahr

Für den Wald in Sachsen-Anhalt war 2019 das schlimmste Jahr seit Beginn der systematischen Waldzustandserhebung im Jahr 1991. Sowohl der Anteil der Bäume mit starken Schäden, als auch die Anzahl abgestorbener Bäume ist jeweils auf einem neuen Höchststand:

Ein weiteres Kriterium für den Gesundheitszustand von Bäumen ist die sogenannte Kronenverlichtung. Dabei werden die Kronen ausgewählter Bäume verschiedener Arten begutachtet. Je dichter ihr Laub beziehungsweise Nadelkleid, desto besser. Die sogenannte mittlere Kronenverlichtung soll also möglichst gering ausfallen.

In Sachsen-Anhalt ist dieser Wert 2019 im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozentpunkte angestiegen. Die begutachteten Baumkronen waren demnach zu 26 Prozent gelichtet – ebenfalls der höchste Wert seit Beginn der Zeitreihe. Dass Baumkronen sich lichten, kann verschiedene Gründe haben: Lange Trockenheit oder Käferbefall zum Beispiel sorgen dafür.

Besonders von Kronenverlichtung betroffen sind Bäume, die schon länger als 60 Jahre in Sachsen-Anhalts Wäldern stehen. Bei Fichten und Buchen lagen die Werte bei 43 bzw. 49 Prozent, bei Eichen bei 34 Prozent. Lediglich bei alten Kiefern lag die Verlichtung mit 16 Prozent deutlich niedriger.

Fakt 2: Extreme Witterung belastet Baumbestand

Der Wald in Sachsen-Anhalt wurde bereits im Jahr 2018 durch Orkantief "Friederike" im Januar und die extreme Trockenheit im Sommer stark vorbelastet. Da die anschließenden Winter-Niederschläge nicht ausreichend waren, um den Bodenwasserspeicher der Waldböden wieder aufzufüllen, standen die Vorzeichen für den Sommer 2019 denkbar schlecht.

Dieser wiederum war überdurchschnittlich warm bis hin zu neuen Temperaturrekorden, gleichzeitig aber auch erneut sehr niederschlagsarm:

Langanhaltende Trockenheit stresst die Bäume. Kurzfristige Folgen sind das Einrollen der Blätter und vorzeitiger Blattfall. Langfristig passen sich die Bäume den ungünstigen Bedingungen an, indem sie vorwiegend kleinere Blätter ausbilden und generell das Wachstum verringern.

Fakt 3: Borkenkäfer schaden dem Wald zusätzlich

Aus dem aktuellen Waldzustandsbericht geht hervor, dass schon 2018 – verschuldet durch personelle Engpässe – schadhaftes Holz nicht in ausreichendem Maß aufgearbeitet oder aus den Wäldern abtransportiert werden konnte. Dadurch konnten sich Borkenkäfer ungehindert vermehren. Eine außerordentlich große Zahl an Käfern überwinterte auch.

Diese Käfer-Massen schwärmten dann ab April 2019 wieder aus und trafen auf Bäume, die sich in den Wintermonaten nicht ausreichend vom Trockenstress erholen konnten. Die Folge: Der Schadensumfang durch den Buchdrucker – eine Borkenkäfer-Art, die die meisten Schäden anrichtet – ist so hoch wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr.

Warum Borkenkäfer für Bäume gefährlich sind Massenhafter Borkenkäfer-Befall kann für Bäume tödlich sein. Die Käfer bohren sich durch die Rinde und beginnen, Gänge in den Baum zu fressen. Dabei kappen sie die sogenannten Saftstromleitungen im Baumstamm. Dadurch wird die Nährstoffversorgung gestört, die Bäume können kein Wasser mehr aufnehmen und sterben ab, weil sie gewissermaßen "verdursten".

Fakt 4: Neue Bäume sollen Wälder klimastabil machen

Angesichts der klimatischen Veränderung wird laut Waldzustandsbericht geprüft, ob durch gezieltes Anbauen der Weiß-Tanne die Wälder stabilisiert werden könnten. Die Baumart sei aufgrund ihrer Eigenschaften in der Lage, Wasser auch aus tieferen Erdschichten zu erschließen.

Allerdings stehen die Forschungen dafür noch am Anfang und normalerweise vergehen mindestens 20 bis 30 Jahre, ehe es wissenschaftlich-fundierte Anbauempfehlungen gibt. Allerdings müssten schon jetzt vorhandene Schäden in den Wäldern durch nachhaltige Wiederaufforstung behoben werden.

Keine leichte, dafür eine umso wichtigere Aufgabe für die Zukunft. Das schreibt auch Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert im Vorwort des neuen Waldzustandsberichts:

In Anbetracht der massiven Schäden werden erhebliche Verjüngungsmaßnahmen erforderlich sein. Der Waldumbau ist in vollem Gange. Es ist jetzt unsere Aufgabe, klimastabile Wälder aufzubauen. Die Forschung wird uns dabei unterstützen und Antworten auf die Fragen geben, welche Baumarten auf welchen Standorten geeignet sind. Unser Wald ist das erste Opfer der Klimakrise. Wenn wir unsere Wälder kurzfristig schützen wollen, müssen wir das Klima schützen.

Claudia Dalbert, Landwirtschaftsministerin Waldzustandsbericht 2019

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 18. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. November 2019, 20:57 Uhr

5 Kommentare

Peter W. vor 3 Wochen

Dumm nur, wenn selbst die jungen Bäume wegen Sturm, Dürre und Käfer schon nach nicht mal 20 Jahren eingehen. So geschehen in unserem Wald mit ca. 50% der Anpflanzung.

Steffen 1978 vor 3 Wochen

Wenn jeder der für besseres Klima und Nutzung fossiler Energien auf die Straße geht einen Baum pflanzen würde hätte unsere Natur mehr nutzen als ständig Verbote zu fordern

Rein vor 3 Wochen

Es sind die Folgen der Gier, endlose Fichten Schläge in den Bergen, endlose Kiefer Wälder nördlich der Elbe. Schnellwachsend und schnell zu Geld zu machen. Die Weiß Tanne ging mit dem sauren Regen ein, ob dieser Baum den deutschen Wald retten kann? Glaube kaum, auch heute werden Wälder gekalkt, weil der Boden sauer ist.

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