Collage: Ein Zehn-Euro-Schein mit einem Sparschwein
Sachsen-Anhalts Privathaushalte besitzen im Durchschnitt ein Geldvermögen von etwa 32.000 Euro. Bildrechte: Imago/MDR/Max Schörm

Rücklagen Wie die Sachsen-Anhalter sparen

Sparen: für die Altersvorsorge, die Kinder oder eine große Anschaffung wie ein Haus. In Zeiten von niedrigen Zinsen ist Sparen aber gar nicht mehr so einfach. Wie viel Geld haben Sachsen-Anhalter zurückgelegt und wie verteilen sich die Ersparnisse über die Haushalte? Antworten auf diese Fragen liefert Teil 1 unserer Serie zu den Themen Sparen und Vermögen.

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Maria Hendrischke, MDR SACHSEN-ANHALT

Collage: Ein Zehn-Euro-Schein mit einem Sparschwein
Sachsen-Anhalts Privathaushalte besitzen im Durchschnitt ein Geldvermögen von etwa 32.000 Euro. Bildrechte: Imago/MDR/Max Schörm

Worauf sparen Sachsen-Anhalter?

Es gibt zwar keine Daten dazu, wofür Sachsen-Anhalter sparen. Aber der Verband der Privaten Bausparkassen hat deutschlandweit Sparmotive abgefragt. Das Ergebnis: Die meisten der Befragten gaben an, für die Altersvorsorge oder eine größere Anschaffung wie ein Auto zu sparen (je 53 Prozent). Etwa ein Drittel legt Geld für den Kauf oder die Renovierung einer eigenen Wohnung oder eines Hauses zurück. Vier Prozent der Befragten gaben außerdem an, für die Ausbildung ihrer Kinder zu sparen.

Wie viele Sachsen-Anhalter können sparen?

Laut einer Befragung aus dem Jahr 2019, dem Vermögensbarometer des deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), gaben 37 Prozent der Sachsen-Anhalter an, gar nicht zu sparen bzw. sparen zu können. Der Anteil lag leicht über dem bundesweiten Durchschnitt von 33 Prozent Nichtsparern, der in der Befragung ermittelt wurde.

Eine Befragung durch Union Investment aus dem Jahr 2016 kam jedoch auf einen deutlich kleineren Nichtsparer-Anteil: Demnach gaben lediglich neun Prozent der Sachsen-Anhalter an, gar nicht zu sparen.

Wie viel sparen Sachsen-Anhalter in einem Jahr?

Was Sparen genau bedeutet, ist aus Sicht von Statistikern gar nicht so einfach zu bantworten. Das Statistische Bundesamt zählt vor allem den Teil des Einkommens dazu, der nicht für den Konsum draufgeht, also nicht ausgegeben wird. Hinzu kommen aber auch noch die Ansprüche für die Altersvorsorge, die der Betroffene erwirbt. Rechnet man beides für alle Menschen in Sachsen-Anhalt zusammen, kommen 2,75 Milliarden Euro im Jahr 2017 heraus.

Dies klingt nach einer großen Summe. Sie verteilt sich aber auf 1,2 Millionen Haushalte. Im Durchschnitt konnte ein Haushalt 2017 also etwa 2.300 Euro ansparen. Da es sich um einen Durchschnittswert handelt, können die einzelnen Haushalte unter den 2.300 Euro liegen – oder deutlich darüber. Seit 1993 haben Sachsen-Anhalter gemeinsam jährlich stets einen Betrag zurücklegen können, der zwischen zwei und rund 2,8 Milliarden Euro liegt. 2008 wurde der bisherige Spitzenwert von 2,79 Milliarden Euro erreicht.

Sachsen-Anhalts Sparquote unter bundesweitem Durchschnitt

Werden die Ersparnisse von 2,75 Milliarden Euro aus dem Jahr 2017 zum verfügbaren Einkommen sowie den gestiegenen Altersversorgungs-Ansprüchen ins Verhältnis gesetzt, haben Sachsen-Anhalter eine sogenannte Sparquote von 6,2 Prozent erreicht. Das ist unter allen Bundesländern die niedrigste Sparquote: Baden-Württemberger erzielten im Durchschnitt eine Sparquote von etwa 11,6 Prozent – also eine fast doppelt so hohe Quote wie in Sachsen-Anhalt. Der deutschlandweite Anteil liegt bei 9,9 Prozent.

Wie viel Geld haben einzelne Haushalte gespart?

Über wie viel Vermögen Sachsen-Anhalts Privathaushalte verfügen, wird im Fünf-Jahres-Rhythmus mit der Einkommens- und Vebrauchsstichprobe (EVS) abgefragt. Wie das Statistische Landesamt MDR SACHSEN-ANHALT auf Anfrage mitteilte, hatte 2018 ein Haushalt in Sachsen-Anhalt ein durchschnittliches Nettogeldvermögen von fast 32.000 Euro angespart – zehn Jahre zuvor waren es durchschnittlich etwa 24.000 Euro. Jeder Haushalt hat damit im Durchschnitt zusätzlich knapp 8.000 Euro Geldvermögen aufgebaut.

Nettogeldvermögen

Nettogeldvermögen ist das Bruttogeldvermögen, was aus Guthaben etwa auf Sparbüchern und Anlagen in Wertpapieren besteht, abzüglich laufender Kredite für Konsumgüter – beispielsweise für ein Auto – sowie Bildungskredite wie beispielsweise BaFöG.

Im Deutschlandvergleich sind diese Vermögenswerte jedoch niedrig. Schon 2008 lag der Durchschnittswert je Haushalt deutschlandweit bei etwa 46.000 Euro Nettogeldvermögen. Im vergangenen Jahr war der Betrag auf mehr als 55.000 Euro angewachsen. Allerdings war der Vermögenszuwachs in Sachsen-Anhalt prozentual höher als in Gesamtdeutschland.

Durchschnitt vs. Median

Eine andere Möglichkeit, um die zentrale Tendenz eines Datensatzes – in diesem Fall das Geldvermögen der Privathaushalte – zu berechnen, ist der Median. Für den Durchschnitt werden alle Werte addiert und dann durch ihre Anzahl geteilt, was dafür sorgen kann, dass wenige extreme Ausreißer den Durchschnitt stark nach unten oder nach oben ziehen können. Dagegen ist der Median der Wert, der in der Mitte der Datenreihe liegt.

Zum besseren Verständnis ein Beispiel mit folgenden Werten: 1.000, 2.000, 3.000, 4.000, 10.000. Der Durchschnitt ist in diesem Fall 4.000. Der Median, also der Wert in der Mitte der Zahlenreihe, ist hingegen 3.000.

Hälfte der Haushalte mit Vermögen unter 9.000 Euro

Im Vergleich zum Durchschnitt vermittelt der Median ein besseres Verständnis von der Verteilung des Geldvermögens in Sachsen-Anhalts Privathaushalten. Der Median ist ein Mittelwert, der das Nettogeldvermögen aller Haushalte Sachsen-Anhalts in zwei Hälften teilt: 50 Prozent der befragten Haushalte haben weniger als den Median an Ersparnissen, während die anderen 50 Prozent mehr als den Median erspart haben.

Der Median für das Nettogeldvermögen pendelt den Zahlen des Statistischen Landesamts zufolge seit 2008 um 9.000 Euro. 2018 betrug er glatte 9.000 Euro. Das bedeutet: Die Hälfte der Privathaushalte hatte also lediglich bis zu 9.000 Euro Erspartes. Der Median lag 2018 somit um Einiges unter dem Durchschnitt des Nettogeldvermögens; immerhin 32.000 Euro. Das legt eine Ungleichverteilung des Vermögens nahe, sodass einzelne Haushalte über Vermögen verfügen könnten, die noch deutlich über den Durchschnitt liegen.

Wie legen Sachsen-Anhalter ihr Geld an?

mehrere Münzen liegen auf einem Papier, welches einen (Aktien)-Kurs anzeigt.
Nur wenige Deutsche legen ihr Geld in Aktien an. (Symbolbild) Bildrechte: colourbox.com

Es gibt keine Statistik, die direkt für Sachsen-Anhalt erhebt, in welcher Anlageform Geld zurückgelegt wird. Doch der Verband der Privaten Bausparkassen hat das für Gesamtdeutschland abgefragt; dabei waren Mehrfachnennungen möglich. Demnach liegt das Sparbuch bei den Deutschen ganz vorne (45 Prozent), gefolgt vom Sparen auf dem Girokonto (40 Prozent) – fast die Hälfte der Befragten nutzt mindestens eine dieser beiden Anlageformen. Etwas abgeschlagen dahinter folgen Renten- und Kapitallebensversicherungen (29 Prozent) sowie Bausparverträge (28 Prozent). In Aktien investieren nach eigenen Angaben nur 15 Prozent der Befragten.

Wie zufrieden sind Sachsen-Anhalter mit ihrer finanziellen Lage?

Laut DSGV-Vermögensbarometer schätzen 38 Prozent der befragten Sachsen-Anhalter ihre finanzielle Situation als "gut" oder "sehr gut" ein. Deutschlandweit trifft das auf 42 Prozent der Befragten zu. 15 Prozent in Sachsen-Anhalt wiederum finden ihre finanzielle Situation "eher schlecht" oder "schlecht".

Trotz der derzeit sehr niedrigen Zinsen halten 40 Prozent der befragten Sachsen-Anhalter das Sparbuch nach wie vor für eine geeignete Geldanlage. Aktien wiederum stehen Sachsen-Anhalter kritisch gegenüber: 31 Prozent würden in diese Geldanlage investieren. In Thüringen wären 36 Prozent der Befragten dazu bereit, in Sachsen 43 Prozent.

Das deckt sich mit den Erfahrungen des Ostdeutschen Sparkassenverbands. So zögen die meisten Kunden kurzfristig verfügbare Geldanlagen wie etwa ein Tagesgeld- oder Festgeldkonto vor – oder sparten auf dem Girokonto, sagte eine Sprecherin MDR SACHSEN-ANHALT. Trotz der anhaltenden Niedrigzinsen würden die Kunden die Anlage in Aktien meiden.

Maria Hendrischke
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Über die Autorin Maria Hendrischke arbeitet seit Mai 2017 als Online-Redakteurin für MDR SACHSEN-ANHALT - in Halle und in Magdeburg. Ihre Schwerpunkte sind Nachrichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts, Politik sowie Erklärstücke und Datenprojekte. Ihre erste Station in Sachsen-Anhalt war Magdeburg, wo sie ihren Journalistik-Bachelor machte. Darauf folgten Auslandssemester in Auckland und Lissabon sowie ein Masterstudium der Kommunikationsforschung mit Schwerpunkt Politik in Erfurt und Austin, Texas. Nach einem Volontariat in einer Online-Redaktion in Berlin ging es schließlich zurück nach Sachsen-Anhalt, dieses Mal aber in die Landeshauptstadt der Herzen – nach Halle. Ihr Lieblingsort in Sachsen-Anhalt sind die Klausberge an der Saale. Aber der Harz ist auch ein Traum, findet sie.

Quelle: MDR/mh

Zuletzt aktualisiert: 07. November 2019, 20:39 Uhr

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