Verbraucherportal warnt Sparkassen und Volksbanken kassieren versteckte Gebühren

Beim bargeldlosen Bezahlen sollten Kunden auf versteckte Gebühren achten. Das Verbraucherportal Biallo.de hat bundesweit Banken untersucht und ist bei Sparkassen und Volksbanken in Sachsen-Anhalt fündig geworden. Einige von ihnen gehören zu den Banken mit den höchsten Gebühren in ganz Deutschland.

Eine Person benutzt ein Lesegerät für Kreditkarten.
Bei vielen Kreditinistituten kostet die Kartenzahlung eine Gebühr (Symbolbild). Bildrechte: imago images / Westend61

Abstand halten, Mundschutz tragen und möglichst bargeldlos zahlen – in zahlreichen Supermärkten und Fachgeschäften soll aus hygienischen Gründen derzeit nur mit Karte gezahlt werden. Diese Praxis ist zwar unter dem Blickwinkel der Hygiene richtig, kann die Kunden aber teuer zu stehen kommen. Das Verbraucherportal Biallo.de hat bundesweit versteckte Gebühren bei Kartenzahlungen untersucht und ist bei Sparkassen und Volksbanken in Sachsen-Anhalt fündig geworden.

Das Portal hat 380 Sparkassen und 440 Volksbanken untersucht: Jedes zweite Institut kassiere Gebühren fürs bargeldlose Zahlen. Oft seien diese Gebühren nicht deutlich gekennzeichnet. Insbesondere würden die Gebühren bei Kontomodellen im niedrigeren Preissegment erhoben, also Basis- oder Klassikkonten mit geringeren Grundgebühren.

Kartenzahlungsgebühren gleich "Lastschriften"

Kunden sollten darauf achten, ob in Preislisten oder auf Kontoauszügen Gebühren für "beleglose Buchungen" aufgeführt sind, so das Portal. Das seien womöglich Gebühren für Kartenzahlungen.

So zum Beispiel bei der Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld: Im "Klassik-Konto" wird hier pro "belegloser Buchung" eine Gebühr von 0,50 Euro fällig. Sie gehört laut Biallo zu den Top Zehn Banken mit den höchsten Gebühren. Auch die Stadtsparkasse Magdeburg erhebt eine Gebühr für "beleglose Buchungen" und fordert dafür 0,20 Euro.

In Preislisten anderer Kreditinstitute finden sich Kartenzahlungsgebühren unter dem Begriff "Lastschriften". Für die "Einlösung von Lastschriften" erhebt beispielsweise die Sparkasse Mansfeld-Südharz eine Gebühr von 0,40 Euro pro Posten im "Sparkassen-Girokonto", einem Kontomodell mit relativ geringerer Grundgebühr. Auch sie gehört laut Biallo zu den teuersten zehn Banken in ganz Deutschland.

Gebühren für Kartenzahlung bei Basis- und Klassikmodellen

Eine Sprecherin der Sparkasse Mansfeld-Südharz erklärt, "Lastschrift" sei die rechtliche Bezeichnung. Man richte sich in der Regionalsparkasse außerdem nach Musterexemplaren für Preislisten vom Verband. Man wolle nun aber prüfen, ob die Gebühr transparenter dargestellt werden müsse.

Logo der Sparkasse
Logo an einer Sparkassenfiliale. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

Die Kreissparkasse wolle schon, dass Kunden bargeldlos zahlen und setze sich dafür ein, dass auch kleinere Betriebe wie Bäcker und Fleischer bargeldlose Zahlung ermöglichen. Gerade in der Pandemiezeit. Das Sparkasse Mansfeld-Südharz empfehle außerdem das Basiskontomodell, bei dem die Gebühr anfällt, nur Kunden, die wenig buchen.

Ähnlich argumentiert die Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld: "Das passende Konto hängt von den individuellen Bedürfnissen beziehungsweise der individuellen Nutzung ab", teilte ein Sprecher mit. Bei beiden Instituten gebe es die Gebühr schon seit langem.

Informationen können im Kleingedruckten stehen

Auf den Webseiten der Sparkassen wird für ein Kontomodell oft nur ein Auszug aus der Preisliste gezeigt. Umfangreichere Preislisten verlinken viele Sparkassen nur als schwer lesbare PDF-Dateien zum Download.

So zum Beispiel bei der Saalesparkasse, die nur im Modell Klassikkonto eine Gebühr von 30 Cent pro Kartenzahlung erhebt. Das Institut teilte MDR SACHSEN-ANHALT mit, die Kosten würden deutlich unter Hinweis auf die Kartenzahlung dargestellt. Wer sich auf der Webseite über das Klassikkonto informiert, findet diese Gebühr aber nur versteckt bei "Weitere Informationen". Sparkassen weisen zudem darauf hin, dass die Gebühren monatlich abgerechnet werden und beispielsweise auf dem Kontoauszug sichtbar werden.

Volksbanken informieren unterschiedlich

Das Logo der Volks- und Raiffeisenbanken
Das Logo der Volks- und Raiffeisenbanken (Symbolbild). Bildrechte: dpa

Die Volks- und Raiffeisenbank Eisleben erhebt laut Biallo.de die höchsten Gebühren in Sachsen-Anhalt: 0,55 Euro pro Kartenzahlung. Wer sich über die Entgelte, Kosten und Leistungen informieren möchte, muss das Preis-Leistungsverzeichnis in einer Filiale anfragen: "Dieses können Sie in unseren Geschäftsstellen einsehen und auf Nachfrage wird es Ihnen auch ausgehändigt", so die Aussage auf der Webseite.

Transparenter ist im Internet die Volksbank Gardelegen – auch hier kann eine Kartenzahlung bis zu 0,50 Euro kosten. Wer auf der Webseite der Regionalbank den Girokonto-Vergleich öffnet, sieht das auf den ersten Blick.

Keine Beschwerden bei der Verbraucherzentrale

Der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt (VZSA) sagt, bisher habe sich niemand über die Gebühren beschwert. Es habe noch keine Anfragen zum Thema gegeben. Wer erst wegen der Pandemie angefangen habe, vermehrt mit Karte zu zahlen, würde eventuelle Gebühren erst mit der nächsten Abrechnung sehen.

Wer feststelle, dass aufgrund des aktuell häufigeren Karteneinsatzes zusätzliche oder erhöhte Gebühren in Rechnung gestellt wurden, solle mit der Bank in Kontakt treten. Ein Wechsel des Kontomodells könne dann sinnvoll sein.

Quelle: MDR/jh

7 Kommentare

ElBuffo vor 6 Tagen

Vielleicht verbucht man das unter Lehrgeld. Man sollte schon in wesentlichen Zügen den Inhalt eingegangener Verträge kennen. Eventuell wechselt man auch nicht bloß das Kontomodell, sondern gleich die Bank. Die Sparkassen haben nunmal einen hohen Fixkostenanteil, der auch irgendwie reinkommen muss. Nicht zuletzt müssen da auch Versorgungsposten für abgehalfterte Politiker unterhalten werden. In der Regel eher nicht in den unteren Gehaltsgruppen.

ElBuffo vor 6 Tagen

Solche gebührenfreie Konten gibt es. Ich befürchte aber, dass die von der lokalen Sparkasse nicht empfohlen werden. Macht übrigens kaum ein Unternehmen, Produkte von der Konkurrenz zu empfehlen. Nicht mal wenn die besser sind.
Davon abgesehen, verursacht nunmal die Arbeit der Banken auch Kosten. Insofern ist es auch gar nicht neues, dass Sparkassen und Volksbanken versteckte Gebühren (wobei schon dieser Begriff irgendwie suggerieren soll, dass es sich um etwas unvermeidliches handelt) kassieren. Das haben die schon immer gemacht. Früher vielleicht etwas subtiler, so dass es die Masse nicht gemerkt hat. Aber auch als der Leitzins noch 3 oder 4% lag, haben die wenigsten für ihre Guthaben eine Verzinsung bekommen. Die Banken haben aber damit gearbeitet und die Zinsspanne kassiert. Selbst auf Sparbücher und ähnliches gab es da oft nur lächerliche Zinsen. Da, wo es ein klein wenig mehr gab, wurden die Verträge ganz schnell gekündigt oder es wurden den Kunden was anderes aufgeschwatzt.

zenkimaus vor 7 Tagen

Die Banken und Sparkassen werden immer kreativer um an Geld zu kommen. Erst online Banking um Personal einzusparen. Jetzt das. Ich stelle das gesamte System infrage. Ich werde gezwungen Bargeldlos mein Gehalt zu bekommen. Ich muss auf dritte Anbieter ausweichen. Für ein normales Gehaltskonto darf es keine Gebühren geben. Das muss kostenlos los. Egal wie oft ich Abbuchung habe. Das wäre im Sinne der Menschen

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