Schon wieder 0:0 "Alle spielen für den HFC…"

Mit dem dritten 0:0 in Serie sorgt der HFC für lange Gesichter. Die Fans fürchten ein schnelles Ende der Aufstiegsträume. Doch Torsten Ziegner hat eine Idee, wie seine Spieler die Kehrtwende schaffen können.

Oliver Leiste
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von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

HFC Hallescher FC vs. VfL Sportfreunde
HFC-Torwart Kai Eisele sicherte mit starken Paraden den Punktgewinn gegen Lotte. Bildrechte: imago/VIADATA

Am Ende fehlte nicht viel und Bentley Baxter Bahn wäre eine besondere Ehre zu Teil geworden. Denn der HFC-Spieler war für das "Tor des Monats" Januar in der Sportschau nominiert. Die Auszeichnung bekam am Ende Marcel Hartel von der Union Berlin.

Doch so groß die Freude über den spektakulären Treffer in Köln war, so groß war auch die Enttäuschung in den Folgewochen. Denn es ist in diesem Jahr bislang das einzige Tor, welches der Hallesche FC erzielte. Danach folgten drei torlose Unentschieden gegen Jena, Kaiserslautern und Lotte. Das jüngste 0:0 gegen die Sportfreunde war dabei sicher das schwächste Spiel. Und so war die Enttäuschung bei den Fans riesig.

Ziegner setzt auf Frische

Dabei hatte Torsten Ziegner vor dem Spiel vieles verändert. In der Woche ließ er Fußballgolf trainieren, um die Treffsicherheit zu erhöhen. Bei der Aufstellung hoben viele die Augenbrauen ob der ungewöhnlichen Formation, mit der der HFC ins Spiel ging. Die defensive Dreierkette bildeten diesmal Niklas Landgraf, Christian Tiffert und Fynn Arkenberg. Moritz Heyer, normalerweise Abwehrchef, rückte dafür ins defensive Mittelfeld und ersetzte dort Björn Jopek. Zudem kehrte Braydon Manu in die Startelf zurück. Dafür spielte Pascal Sohm diesmal im Sturmzentrum. Neben ihm begann Julian Guttau.

Die Idee erklärt Torsten Ziegner so: "Wir brauchen Frische im Team. Andere Fußballspieler, aber auch geistige Frische. Deswegen dieser Wechsel." Der Plan ging nicht auf. Im Aufbauspiel hatte der HFC enorme Probleme. Als Kai Eisele in der Anfangsphase zum dritten Mal einen Ball in Strafraumnähe zum Gegner spielte, machte sich Unmut im Stadion breit. Dass der Platz im Strafraum am Anfang noch leicht gefroren war, konnten die Zuschauer nicht sehen.

Torsten Ziegner
Torsten Ziegners Plan gegen Lotte ging nicht auf. (Archivbild) Bildrechte: imago/Eibner

Plan geht nicht auf

Doch auch sonst stimmte es nicht beim Halleschen FC. Pässe über wenige Meter kamen mitunter nicht an. Bälle versprangen bei der Annahme. Weil die Bewegung der Offensivspieler fehlte, gab es für die Defensivspieler oft keine Anspielstation. Lotte stellte gut zu und lief hoch an und zwang den HFC immer wieder zu Fehlern – ernsthafte Torgelegenheiten ergaben sich dadurch jedoch kaum.

Um ein Haar wäre Halle trotzdem in Führung gegangen. Pascal Sohm traf in der 34. Minute nach guter Vorarbeit von Bentley Baxter Bahn ein Abwehrbein. Den Abpraller setzte Marvin Ajani an den Pfosten. Anschließend bekam der HFC mehr Zugriff, hatte vor der Pause aber Glück, nicht in Rückstand zu geraten. Torwart Kai Eisele klärte nach einem Freistoß gegen Chato.

Ziegner reagierte zur Halbzeit und brachte Stürmer Mathias Fetsch. Dafür blieb Christian Tiffert in der Kabine, Moritz Heyer kehrte in die Innenverteidigung zurück. Bahn und Guttau rückten ebenfalls eine Position nach hinten. Das HFC-Spiel verbesserte sich jedoch nur unwesentlich. Schüsse von Guttau und Fetsch gehörten zu den wenigen Höhepunkten, kurz vor Schluss versuchte es der eingewechselte Björn Jopek noch mal aus der Distanz. Doch es blieb beim 0:0.

Lähmt Aufstiegstraum den HFC?

Die Fans hatten ihr Urteil da längst gefällt: "Alle spielen für den HFC. Nur der HFC nicht" monierten sie. Hintergrund: Neben dem HFC ließen auch die Konkurrenten Osnabrück, Karlsruhe und Uerdingen Federn im Kampf um die vorderen Plätze. Ähnliches ereignete sich auch schon in den Vorwochen. Der Hallesche FC hätte seine Position in der Tabelle also deutlich verbessern können. Stattdessen fürchten die Fans, dass sich die Aufstiegsambitionen bald erledigt haben könnten.

Lähmt dieser Aufstiegstraum womöglich den HFC? "Schon möglich" sagt Sportdirektor Ralf Heskamp. "Aber eigentlich sollte das ja eine Freude sein, weil keiner das erwartet hat", so der Sportdirektor. Trotzdem sieht er aktuell eine "kleine Blockade".

"Ein Tor erkämpfen"

Diese zu lösen wird die Aufgabe für die kommende Woche. Am Samstag gastiert der HFC bei Spitzenreiter Osnabrück. Torsten Ziegner weiß jedenfalls, worauf es nun ankommt: "Es gibt Phasen, wo es fußballerisch nicht so läuft. Wir müssen uns damit arrangieren, dass es bei uns gerade so ist." Momentan würden seiner Mannschaft keine spielerischen Lösungen helfen. "Viel mehr müssen wir Tore erkämpfen und mal einen einfachen Ball über die Linie drücken." Dabei denkt er an den Treffer von Mathias Fetsch in der Hinrunde. Der traf gegen Würzburg aus einem Zentimeter Torentfernung und war in den Folgewochen nicht zu stoppen.

Nun hofft Ziegner auf ein ähnliches Erlebnis – bei der ganzen Mannschaft. Und betont dann das Positive: "Die anderen Teams im ersten Drittel – Wehen Wiesbaden ausgenommen – erzielen alle keine Ergebnisse. Darüber sollten wir sicherlich froh sein, sonst wären wir jetzt Neunter. So sind wir mitten dabei und alles ist gut." Denn auch wenn es in den vergangenen Wochen wirklich nicht so aussah: Der Hallesche FC befindet sich nach wie vor in aussichtsreicher Position und kann sich und seinen Fans am Saisonende einen großen Traum erfüllen.

Oliver Leiste
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Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. Februar 2019 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2019, 09:57 Uhr

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5 Kommentare

18.02.2019 09:52 flo 5

@1 7000 ist doch für 3. Liga nicht soooo schlecht. Schau Dir mal eure Statistiken in dieser Saison an und Du wirst feststellen ,daß es Spiele gab, wo keine 7000 die Blauen sehen wollte. Aber in erster Linie zählt wohl die sportliche Leistung und nicht irgendwelche Statistiken.

18.02.2019 08:32 pickering 4

@1
Und täglich grüsst....
Ich empfehle allen, die es immer wieder mit den Zuschauerzahlen haben, mal einen Blick auf die Entwicklung Selbiger bei Vereinen zu schauen, die in den letzten Jahren den Sprung in eine höhere Liga geschafft haben, z.B. Heidenheim, Sandhausen, Paderborn, Braunschweig, RB Leipzig (auch 1.FC*),
da sollte dann selbst mässig Intelligenten schnell klar sein, dass zwischen Ligazugehörigkeit und Zuschauerzahlen eine Dependenz besteht.
Wie man darauf kommt, dass ausgerechnet der Hallesche FC jetzt laut dir "erstmal" (also offensichtlich vor einem möglichen Aufstieg), seine Zuschauerzahlen verbessern muss, geht wahrscheinlich nur mit einer gehörigen Portion Weltfremdheit.

17.02.2019 18:13 Mahner 3

Alle spielen für den HFC....... Blödsinn. Die Gegnerschaft hält durch ihre eigene derzeitig fehlende Konstanz das Hirngespinst vom Aufstieg in Halle am Leben.
Was derzeit an der Saale geboten wird ist maximal Ligadurchschnitt. In den nächsten beiden Spielen, gegen wirkliche Spitzenteams, gibt es auf die Ohren und dann wird es endlich leiser. Am Ende wird es maximal Platz 5. Für mehr reicht es nicht.