Jubel nach Tor zum 1:0 für Magdeburg.
Die Spieler des FCM konnten nicht nur das Tor von Felix Lohkemper, sondern auch den ersten Heimsieg feiern. Bildrechte: imago/Matthias Koch

2. Bundesliga Gegenteil-FCM feiert ersten Heimsieg gegen Aue

Der 1. FC Magdeburg schlägt Erzgebirge Aue und feiert den ersten Heimsieg der Saison. Möglich wurde dieser Erfolg, weil die Blau-Weißen in verschiedener Hinsicht das Gegenteil ihrer Auftritte der Hinrunde zeigten.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Jubel nach Tor zum 1:0 für Magdeburg.
Die Spieler des FCM konnten nicht nur das Tor von Felix Lohkemper, sondern auch den ersten Heimsieg feiern. Bildrechte: imago/Matthias Koch

Der Blick von Alexander Brunst zu Beginn der FCM-Partie gegen Aue sprach Bände. Der Torwart musste, zumindest für Außenstehende überraschend, auf der Ersatzbank Platz nehmen. Seine Mütze war ebenso schwarz wie sein Schal. Beide Sachen hatte er tief ins Gesicht gezogen, so dass nur ein schmaler Schlitz für die Augen unbedeckt blieb. Aus diesem schaute er grimmig auf das Spielfeld. Doch was er da sah, dürfte ihm zu großen Teilen gefallen haben.

Zwar hatte Aue in der zehnten Minute durch Iyoha die erste gute Chance – sein Schuss prallte an den Pfosten – in der Folge jedoch fiel den Gästen kaum noch etwas ein.

Kurz vor der Pause brachte Felix Lohkemper den 1. FC Magdeburg in Führung. In der zweiten Halbzeit verteidigten die Blau-Weißen den 1:0-Vorsprung und jubelten am Ende über den ersten Heimsieg der Saison – ihren ersten Heimerfolg in der zweiten Bundesliga überhaupt. Möglich wurde das, weil der FCM in vielerlei Hinsicht das Gegenteil von dem zeigte, was bei den vielen knappen Punktverlusten in der Hinrunde fehlte.

Weitgehend fehlerfrei

Acht Mal führte der 1. FC Magdeburg, heraus kam dabei aber nur ein Sieg – in Sandhausen. Oft genug patzte die Mannschaft kurz vor Schluss und gab so sicher geglaubte Punkte noch aus der Hand.

Nicht so gegen Aue. Die Magdeburger blieben geduldig, defensive Sicherheit stand an erster Stelle. Mit seinem Pressing ging der FCM den Auern gehörig auf die Nerven und provozierte immer wieder Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte.

In den Schlussminuten zog sich der FCM weit zurück und verteidigte mit fast allen Spielern am eigenen Strafraum. Ein Vorgehen, dass FCM-Trainer Michael Oenning später bemängelte: "Da sind wir in alte Muster zurückgefallen und haben uns viel zu tief hinten reindrängen lassen. Da haben wir nur gewartet, dass wir die Situation klären können. Hier müssen wir noch mal ansetzen."

Für die Gäste war es trotzdem fast über die komplette Spielzeit unmöglich, ernsthafte Chancen zu kreieren. Giorgi Loria im FCM-Tor musste in der zweiten Halbzeit nicht einmal richtig eingreifen. Im Gegensatz zu etlichen Spielen vor Weihnachten erlaubte sich diesmal kein Spieler einen kapitalen Aussetzer. Wenn es doch mal eng wurde, war Jan Kirchhoff mit starkem Kopfball- und Stellungsspiel zur Stelle und bereinigte die Situation.

Aus Wenig viel gemacht

Ein weiteres großes Manko war beim FCM zuletzt die Chancenverwertung. Vor Weihnachten dominierten die Blau-Weißen bei St. Pauli, verloren aber 1:4. Die Erinnerungen an viele gute Möglichkeiten in der Hinrunde, die zum Teil kläglich vergeben wurden, schmerzen noch heute.

Am Dienstagabend war auch das anders. Gegen Aue hatte der FCM, vom Tor abgesehen, nur noch zwei oder drei hochkarätige Möglichkeiten. Nach den vergangenen Partien hörte man immer wieder von Spielern und Trainer, dass man aus den Chancen mehr machen müsse.

Diesmal war der FCM vergleichsweise effizient, auch wenn Christian Beck das Spiel zehn Minuten vor dem Ende hätte entscheiden müssen. Aus gut zwölf Metern scheiterte er jedoch freistehend an Männel im Auer Tor. Doch weil das eine Tor von Lohkemper reichte, konnte der FCM-Kapitän auch über sich lachen: "Felix hat das einfach besser gemacht als ich", brachte Beck das Offensichtliche auf den Punkt.

1. FC Magdeburg gegen Erzgebirge Aue in Bildern

 v.l. Mario Kallnik (Magdeburg, Manager), Michael Oenning (Magdeburg, Trainer)
FCM-Trainer Michael Oenning hoffte gegen Aue auf den ersten Heimsieg. Bildrechte: imago/Jan Huebner
 v.l. Mario Kallnik (Magdeburg, Manager), Michael Oenning (Magdeburg, Trainer)
FCM-Trainer Michael Oenning hoffte gegen Aue auf den ersten Heimsieg. Bildrechte: imago/Jan Huebner
Daniel Meyer, Erzgebirge Aue, Trainer
Aue-Coach Daniel Meyer verzichtete in der Startelf auf Winter-Neuzugänge, setzte aber Louis Samson und Ole Käuper auf die Bank. Bildrechte: imago/Jan Huebner
v. l. Pascal Testroet (Aue), Timo Perthel (1. FC Magdeburg)
FCM-Neuzugang Timo Perthel (hier gegen Pascal Testroet) stand dagegen in der Startelf. Bildrechte: imago/Matthias Koch
Jan Kirchhoff (Magdeburg, 4) am Ball.
Auch Jan Kirchhoff spielte bei den Magdeburgern von Beginn an. Bildrechte: imago/Jan Huebner
Dennis Kempe 15, FC Erzgebirge Aue, im Duell mit Marius Bülter 26, 1. FC Magdeburg.
Aue - hier mit Dennis Kempe - war zunächst aktiver. Bildrechte: imago/Eibner
Marius Buelter (Magdeburg, 26) am Ball.
Marius Bülter hatte dann eine gute Chance per abgefälschtem Distanzschuss. Bildrechte: imago/Jan Huebner
Felix Lohkemper, 1. FC Magdeburg, erzielt das Tor zum 1:0 gegen Torwart Martin Männel (nicht im Bild, Aue).
Kurz vor der Halbzeitpause gelang Felix Lohkemper die Führung für den FCM. Bildrechte: Matthias Koch
Jubel nach Tor zum 1:0 für Magdeburg.
Bei den Magdeburgern brach großer Jubel aus. Bildrechte: imago/Matthias Koch
Martin Männel,Aue, Christian Beck, 1. FC Magdeburg
Auch in der zweiten Halbzeit blieb der FCM zunächst offensiv gefährlich. Aue-Torwart Martin Männel rettete hier vor Christian Beck. Bildrechte: imago/Matthias Koch
Jan Kirchhoff (1. FC Magdeburg) und Ole Käuper (Aue)
Kritisch wurde es eine Viertelstunde vor Schluss: Kirchhoff bringt Käuper zu Fall. Der Schiri pfeift zunächst, nimmt den Elfmeter nach Rücksprache mit seinem Assisten aber wieder zurück. Bildrechte: imago/Matthias Koch
Jan Hochscheidt (Aue).
Die "Veilchen" bauten in der Schlussphase noch einmal Druck auf, doch der Ausgleich gelang ihnen nicht mehr. Bildrechte: imago/Matthias Koch
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Das Spielglück ist zurück

Es war womöglich die spielentscheidende Szene. In der 74. Minute klärte Jan Kirchhoff im FCM-Strafraum sauber gegen Ole Käuper. Doch Schiedsrichter Jöllenbeck entschied plötzlich auf Elfmeter und die FCM-Spieler verstanden die Welt nicht mehr.

Zum Glück für den FCM überstimmte der Assistent den Hauptschiedsrichter, war Christian Beck anschließend sehr froh: "Es hat jeder gesehen, dass Jan da den Ball spielt. Da muss man auch mal ganz klar ein Lob an den Linienrichter aussprechen, der den Schiedsrichter da überstimmt hat."

In der Hinrunde fehlte dem FCM bei einigen Entscheidungen dieser Art oft das Glück. Nun scheint es rechtzeitig für den Kampf um den Klassenerhalt zurückgekehrt zu sein.

Gemeinsam mitgefiebert

Die letzten Spielminuten verrannen nur langsam, die meisten im Stadion – die FCM-Spieler eingeschlossen – fürchteten den späten Ausgleich. Umso größer war die Erleichterung nach dem Schlusspfiff, beschreibt Siegtorschütze Lohkemper:  "Wir auf der Bank haben alle mitgefiebert und uns dann riesig gefreut."

Dem 1. FC Magdeburg ist somit der Start ins Jahr 2019 gelungen. In den nächsten Wochen folgen Duelle gegen die direkten Konkurrenten, schon am Freitag geht es nach Ingolstadt.  Da wird es sicher nicht schaden, wenn manches im Gegensatz zur Hinrunde besser läuft. Und auch wenn es die Fernsehkameras nicht noch mal eingefangen haben: Es ist anzunehmen, dass sich auch der grimmige Blick von Alexander Brunst mit dem Sieg ins Gegenteil verwandelt hat.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 30. Januar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2019, 07:05 Uhr

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14 Kommentare

01.02.2019 01:20 Brockhausdirk 14

Von wegen im Keller, ich lass mich von solch einem Zufallstreffer eben nicht blenden. Die Magdekinder werden schon in Bayern wieder ins allgemeine Wehklagen verfallen. Alles was ich tun muss ist abwarten und dann melde ich mich auch wieder.

31.01.2019 19:22 flo 13

Gutes Schlusswort ! ;-))

31.01.2019 18:05 TutnixzurSache 12

Leute... Der Artikel suggeriert Stress innerhalb der Mannschaft. Brunst sei 'angepisst' etc. ...

Butter bei de Fische, statt sich an dem Sieg zu 100% zu erfreuen, streuen wir ein wenig Unruhe. Frechheit, in meinen Augen.

Dazu:
Ob der MDR mehr Beiträge zum FCM erzeugt als HFC, kann doch total egal sein.
Medien verkaufen, nichts anderes, also zählt lediglich Umsatz bzw. Gewinn nach Steuern, bitte daran denken.

Fakten:
FCM gewinnt das erste Heimspiel.
FCM bestimmt das Spiel, nicht zum ersten Mal.
FCM hat personell die richtigen Entscheidungen getroffen.
Die Empörung ist größer als die Wahrnehmung.

Konzentration auf dass Wirkliche, egal welche Liga, egal welcher Verein.

Just my two cents...
Meine Meinung... GG und so weiter.

Greetz

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:

Das Alexander Brunst schlecht gelaunt war, ist ein Fakt – und nicht zu vernachlässigen für das Klima innerhalb der Mannschaft.

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