Pleite gegen Zwickau Ein Anfang ohne Zauber beim FCM

Leidenschaft und guter Fußball: Damit überzeugt der 1. FC Magdeburg seine Fans gegen Zwickau – allerdings nur 55 Minuten lang. Warum das Debüt von Trainer Claus-Dieter Wollitz trotz großer Hoffnung so enttäuschend endet.

Daniel George
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von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Trainer Claus Dieter Pele Wollitz 1. FC Magdeburg
Claus-Dieter Wollitz übernahm das Traineramt beim FCM vor einem Monat von seinem entlassenen Vorgänger Stefan Krämer. Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. So schrieb es Hermann Hesse einst in seinem Werk "Stufen". Und so sollte es auch gelten für das Heimspiel des 1. FC Magdeburg gegen den FSV Zwickau. Zum ersten Mal stand Claus-Dieter Wollitz als Cheftrainer beim Drittligisten an der Seitenlinie. Dieser letzte Samstagnachmittag im Januar 2020 markierte den endgültigen Beginn der von den Verantwortlichen ausgerufenen "neuen Zeitrechnung" beim FCM. All die Ungewissheit, all das Bangen und Hoffen der Fans verblassten angesichts der Pässe, Grätschen und Abschlüsse auf dem Platz.

Endlich wurde wieder Fußball gespielt beim 1. FC Magdeburg. Doch am Ende stand die Niederlage. Trotz eines leidenschaftlichen Auftritts musste sich der FCM mit 1:2 geschlagen geben. Schmerzhaft erlebten die Profis, was das von den Verantwortlichen während der Winterpause oft zitierte Leistungsprinzip im Drittliga-Alltag bedeutet: nutzt du deine Chancen nicht, so siegst du nicht.

Doch Trainer Wollitz sagte nach seinem misslungenem Debüt: "Wenn du so verteidigst wie wir bei den Gegentoren, dann ist es mir zu billig, über vergebene Chancen zu sprechen. Die Niederlage haben nur wir zu verantworten."

Erst Leidenschaft, dann der Einbruch beim FCM

Gleich zu Beginn offenbarte die aktive Fanszene des FCM, worum es ihr ging: "Großer 1. FC Magdeburg" stand auf einem Banner geschrieben, das sich über die gesamte Nordtribüne erstreckte. Nicht die zuletzt kritisierte Führungsetage um Geschäftsführer Mario Kallnik und den sportlichen Leiter Maik Franz, nicht der von einigen Anhängern mit Skepsis beäugte neue Trainer Claus-Dieter Wollitz standen im Fokus – sondern der Verein und seine Spieler auf dem Rasen.

Das beeindruckende Banner war noch nicht final zusammengerollt, da durfte die Mehrzahl der 17.580 Zuschauer in der MDCC-Arena bereits jubeln: Zweieinhalb Minuten waren gespielt, als Christian Beck mit einem präzisen Pass den einlaufenden Sören Bertram bediente und dieser nur noch einschieben musste. Das Führungstor. Der Jubel. Es sah nach einem perfekten Einstand des neuen Cheftrainers aus.

Magdeburgs Sören Bertram erzielt das 1:0 gegen Zwickau 1 min
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Sa 25.01.2020 14:43Uhr 00:40 min

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Weil der FCM leidenschaftlich spielte, sich handlungsschnell präsentierte, die Körpersprache sehr präsent war. Weil die personellen Umstellungen von Wollitz zu funktionieren schienen: Mario Kvesic trickste im Mittelfeld. Marcel Costly wirbelte auf der Außenbahn. Dustin Bomheuer stand defensiv stabil. Und Timo Perthel war auf der linken defensiven Seite an der Entstehung des Führungstors beteiligt. "Besser hätten wir nicht starten können", sagte Torschütze Bertram, aber: "Ich hätte das zweite Tor machen müssen."

Auf eine Szene kurz nach dem ersten Treffer spielte Bertram an. Um zwei Meter verfehlte der Angreifer das Tor – und war damit in bester Gesellschaft. Sein Offensivpartner Marcel Costly vergab ebenfalls aussichtsreiche Möglichkeiten. Mehrfach verpasste der FCM auch nach dem Seitenwechsel das zweite Tor, das ohne Frage verdient gewesen wäre.

"Nach der ersten Halbzeit hätten wir nicht gedacht, dass wir hier noch gewinnen", sagte Zwickaus Fabio Viteritti. "Magdeburg hätte eigentlich deutlich führen müssen." Hätte. Eigentlich. Doch nach 65 Minuten traf der ehemalige FCM-Angreifer zum Ausgleich. Nur zwei Minuten später netzte sein Teamkollege Gerrit Wegkamp zum Endstand ein. In dieser Phase und bis zum Schlusspfiff offenbarte sich, wie fragil das Gebilde FCM in dieser Saison weiterhin ist.

Verpflichtet der FCM noch nach?

"Es gibt viele Schlüsse aus dem Spiel, die ab Sonntag aufgearbeitet werden", sagte Claus-Dieter Wollitz nach der Partie. Sein Debüt, das wurde deutlich, hatte er sich ganz anders vorgestellt. Doch der FCM verpasste es, sich an die vorderen Tabellenplätze heranzuspielen. Weiterhin rangiert die Mannschaft auf dem zwölften Tabellenplatz, nun punktgleich mit dem FSV Zwickau. Das kann nicht der Anspruch eines Klubs sein, der "so schnell wie möglich", wie es Geschäftsführer Kallnik formulierte, zurück in die zweite Bundesliga will. Daheim gegen Zwickau? Das wäre dementsprechend ein Pflichtsieg.

Und was nun? Legt der FCM auf dem Transfermarkt noch einmal nach? Das alte bekannte Problem namens Chancenverwertung bleibt offensichtlich. Auch Zugang Daniel Steininger, der nach 72. Minuten eingewechselt wurde, konnte daran noch nichts ändern. Bis zum 31. Januar bleibt noch Zeit für mögliche Verpflichtungen. "Wir sind wie alle anderen in Gesprächen", sagte Maik Franz, der sportliche Leiter. "Schauen wir mal, was in den nächsten sechs Tagen noch passiert."

Zweierlei ist nach der Zwickau-Pleite jedenfalls klar: Der in der Winterpause selbst aufgebaute Druck für alle Beteiligten wächst. Und: Doch nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

Daniel George
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Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung.

Im April 2017 zog es ihn zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 25. Januar 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2020, 17:41 Uhr

4 Kommentare

Gustaf vor 3 Wochen

Halten wir fest. Nach diesem WE kann man sagen.Halle und Magdeburg werden noch öfter gegen einander spielen. Als Fussballfan in ST muss man realistisch sein. Wenn man höherklassigen Fussball schauen möchte, ob im Stadion oder vor dem Fernseher, muss man Mannschaften besuchen/schauen die von Magdeburg oder Halle betrachtet in Reichweite sind.

August vor 3 Wochen

Der Wille ist da aber wie immer unglücklich verloren eine Standart Auftaktniederlage so der Kommentar. Die Mannschaft gild als Rekordhalter in den Remies das Hatt den 2 Liga Abstieg verursacht und ohne Punkte ist auch in der Dritten Liga ein dahinvegetieren vorprogramiert. Die 2 Halbzeit ist in vielen Spielen das Problem wo oft der Sieg förmlich vergeigt wird in den letzten Minuten.

Altmagdeburger vor 3 Wochen

Herr Wollitz
Habe ich was falsches gehört oder gelesen, war das mit den Aufstieg in die 2 Bundesliga oder meinten sie den Abstieg in die Regionalliga, dann haben sie ja den ersten richtigen Schritt gemacht und dies hätte ihr Vorgänger auch hinbekommen. Noch viel Spaß in die richtige Richtung, die sie immer gemeint haben.

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