Eine Frau betrachtet an einem Computer eine Internetseite für Online-Wetten.
Mit Wettbetrug im Sport werden Milliarden umgesetzt. Bildrechte: dpa

Trikotsponsoren bei HFC und FCM Investigativer Journalist: "Wettanbieter wollen aus der Schmuddelecke"

Wettanbieter sind beliebte Werbepartner bei Fußballvereinen und -verbänden. Der DFB hat genauso einen Sponsor aus diesem Bereich wie die DFL. Sunmaker wirbt auf gleich sieben Trikots in der 3. Liga – auch bei FCM und HFC. Das Geld wird von allen gerne genommen, doch über die Gefahren von Spielsucht und -manipulation spricht dabei kaum jemand. Dabei sind die Probleme gerade im Nachwuchsbereich durchaus ernst, erklärt der Journalist Benjamin Best im Interview. Die Fragen stellte Oliver Leiste.

Eine Frau betrachtet an einem Computer eine Internetseite für Online-Wetten.
Mit Wettbetrug im Sport werden Milliarden umgesetzt. Bildrechte: dpa

Wettanbieter wie Tipico, bwin und Sunmaker engagieren sich zunehmend im Fußball. Wie bewerten Sie das?

Die Branche ist natürlich sehr darauf bedacht, aus der Schmuddelecke herauszukommen. Das sieht man ja auch an Werbegesichtern wie Oliver Kahn oder Lukas Podolski und auch daran, wie die Shops in den Städten aufgebaut sind. Ihre größte Klientel finden die Wettunternehmen unter Sportfans. Deshalb ist es aus strategischer Sicht einleuchtend, dass diese Unternehmen sich im Fußball engagieren. Das sieht man auch in anderen Ländern.

Doch mich beschäftigen da zwei Fragen. Inwiefern ist ein Verein Vorbild, wenn man Geld von einem Wettanbieter nimmt und gleichzeitig weiß, dass es für Spieler weitreichende Wettverbote gibt? Denn gerade jungen Fußballern wird immer eingetrichtert, dass sie nicht wetten dürfen. Das ist aus meiner Sicht eine moralische Frage und auch eine Frage der Glaubwürdigkeit.

Was genau ist das Problem?

Wie glaubwürdig sind Vereine und Verbände, wenn sie immer wieder darauf hinweisen, dass es Wettverbote gibt und Wettbetrug ein Problem im Fußball ist? Gleichzeitig nehmen sie aber Gelder und haben Partnerschaften mit den Wettanbietern.

Sonderlich glaubwürdig ist das nicht. Und natürlich erreicht diese Werbung nicht nur Fans, sondern auch Spieler. Es gibt Probleme mit Spielsucht im Fußball, das hat mir auch die Spielergewerkschaft VdV bestätigt. Und gerade das ist dann natürlich ein Einfallstor für mögliche Spielmanipulationen und Wettbetrug. Letztendlich sind es ja die Spieler, die nicht ihre beste Leistung bringen, wenn sie von Kriminellen unter Druck gesetzt werden. Und Spieler, die eine Affinität zu Sportwetten haben, sind da natürlich angreifbar.

Wo beginnt denn die Spielmanipulation?

Ich habe mich in den vergangenen Jahren viel mit Trainern, Funktionären oder den Leitern der Nachwuchsleistungszentren unterhalten. Die sagen alle – offen oder unter vorgehaltener Hand – das ist ein ziemlicher Spagat, den sie hinlegen müssen. Einerseits gibt es Aufklärungsprogramme und Warnungen, andererseits gibt es auch diese Partnerschaften. Und wenn dann mal einer, der angesprochen wird, schwach wird und Insiderinformationen weitergibt – seien es Infos über die Aufstellung, Verletzte oder womöglich schlechte Stimmung im Team – dann wird die Grenze zur Manipulation überschritten. Wenn sie dann sogar noch einen Schritt weitergehen und absichtlich schlechte Leistungen bringen, dann wird es natürlich kriminell.

Sportwettbetrug

Seit 2017 ist Sportwettbetrug in Deutschland eine Straftat. Demnach ist es allen Sportlern, Trainern und Funktionären verboten, Gegenleistungen für die Manipulation von Sportereignissen zu versprechen oder anzunehmen. Umgekehrt ist auch das Angebot von materiellen Leistungen oder die Gewährung von Vorteilen für die Manipulation von Spielen strafbar. Das gleiche gilt für Schieds- und Wettkampfrichter. Wettbetrügern drohen Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren.

Doch steigt allein durch die Werbung von Wettanbietern – und in der 3. Liga ist Sunmaker gleich auf sieben Trikots zu sehen – die Gefahr von Spielmanipulation?

Zu sagen, weil ein Verein für einen Wettanbieter wirbt, steigt automatisch die Gefahr von Spielmanipulation, würde zu weit führen. Da gibt es auch keine Studien, die das nahelegen. Dennoch ist es ein Einfallstor.

Wenn man zurückblickt, gab es viele Verfahren in Deutschland und anderen Ländern. Und immer wieder war es so, dass Fußballspieler beteiligt waren, die auch eine Affinität zu Sportwetten hatten oder spielsüchtig waren. Es besteht eine gewisse Gefahr bei Sponsoringterminen oder Ähnlichem, dass das Angebot des Wettanbieters beim Sportler auf fruchtbaren Boden fällt. Deswegen sollte sich jeder Verein gut überlegen, ob er dieses Geld annimmt.

2021 wird der Glücksspielstaatsvertrag geändert. Deshalb versuchen sich viele Anbieter bereits jetzt zu positionieren. Welche Auswirkungen könnte ein veränderter Staatsvertrag haben?

Damit soll der Sportwettenmarkt neu geregelt und für private Anbieter liberalisiert werden. Die waren bisher nur geduldet. Das ist eher ein rechtlicher Aspekt, der da geklärt werden muss. Für die Normalbürger wird sich gar nicht viel ändern. Und er wird auch nicht dazu führen, dass weniger manipuliert wird.

Benjamin Best
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Benjamin Best Der Journalist und Autor Benjamin Best recherchiert seit gut 15 Jahren zu den Themen Sportwetten und Spielmanipulationen. Dazu hat er mehrere Filme und ein Buch veröffentlicht. Bei seinen Recherchen auf der ganzen Welt hat Best nicht nur mit Sportlern und Funktionären gesprochen, sondern auch mit Polizei, Hintermännern und verurteilten Wettbetrügern.

Weitere Probleme mit Wettunternehmen

Neben dem angesprochenen Glaubwürdigkeitsproblem von Vereinen und Verbänden, drohender Spielsucht und der möglichen Manipulation von Fußballspielen gibt es zwei weitere Probleme, die mit der umfangreichen Bewerbung von Wettportalen verbunden sind:

  • Verbot von Online-Casino-Werbung

Neben Sportwetten bieten viele Unternehmen der Branche auch Online-Casinospiele an. Werbung dafür ist in Deutschland verboten. Eine Trennung der beiden Bereiche ist jedoch schwierig. Sunmaker hat bereits reagiert und sein Logo auf den Trikots seiner Partner um den Slogan „Dein Wettportal“ ergänzt.

Die Bezirksregierung Düsseldorf hat wegen unerlaubter Werbung für Online-Casinos ein Verfahren gegen Borussia Dortmund eingeleitet. Auch der DFB wurde deshalb schon ermahnt. Da Online-Glücksspiel in der EU aber erlaubt ist, könnte das Werbeverbot bald fallen.

  • Angst vor zweitem Fall "Kinowelt"

Ende der neunziger Jahre stieg das Unternehmen Kinowelt über eine Tochterfirma bei zahlreichen Traditionsvereinen in ganz Deutschland ein. Als die Firma von Michael Kölmel dann in finanzielle Schieflage geriet, bekamen auch die meisten Vereine große Probleme. Einige von ihnen, darunter der 1. FC Magdeburg, mussten sogar Insolvenz anmelden. Viele Fans fürchten nun eine  Wiederholung, sollte Sunmaker plötzlich nicht mehr zahlen können.

Der große Unterschied zu damals: Die Wettfirma ist bei HFC und FCM nur ein Sponsor von vielen. Einen Ausfall der Zahlungen könnten die Vereine also wahrscheinlich kompensieren. Dagegen hatte Kölmels Firma gegen Millionenbeträge die Vermarktungsrechte der Vereine erworben – in der Hoffnung, an Fernseherlösen und dem Verkauf von Fanartikeln mitzuverdienen. Der Plan ging nicht auf. Vergleichbare Strategien verfolgen heutzutage Unternehmen wie Infront (u.a. Hansa Rostock) oder Lagardé (u.a. Preußen Münster).

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

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Quelle: MDR/olei

Zuletzt aktualisiert: 24. Juli 2019, 16:39 Uhr

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2 Kommentare

25.07.2019 14:27 Chemieschwein 2

Wetten das Chemie absteigt. Und im Sachsenpokal fliegen wir gegen Lok raus. Wetten! Aber das weiß ja jeder.

25.07.2019 10:20 Peter 1

Wettanbieter sind das Eine,alle Anderen das Zweite.
Was ist mit dem Zuckerwasserdrinks?
Hier geht es schon bei den Kindern los,ohne Altersbegrenzung. Da wundert man sich dann warum es so viele ungesunde Kinder gibt. Beim wetten muß man ja wohl ein bestimmtes Mindestalter haben. Also nicht nur eine Seite der Medaille betrachten. Werbung ist Werbung. Freie Marktwirtschaft. Was nicht verboten ist,ist erlaubt.
Sicher ist das alles nicht in Ordnung,aber momentan ist es eben so. LEIDER !!!!

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