Fans des 1. FC Magdeburg
"Du bist niemals alleine" – die treuen Fans halten zu ihrem FCM. Bildrechte: IMAGO

Einschätzung Bewährungsprobe für den FCM und seine Fans

Die vergangenen Erfolge verblassen für manche beim 1. FC Magdeburg allmählich. Die Talfahrt in der zweiten Bundesliga wird für den Klub und sein Umfeld zur großen Herausforderung. Wie viel Kredit haben Trainer und Mannschaft noch bei den Fans?

von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Fans des 1. FC Magdeburg
"Du bist niemals alleine" – die treuen Fans halten zu ihrem FCM. Bildrechte: IMAGO

Joachim Streich ist ein verdienter Mann. Ein Held für alle Fans des 1. FC Magdeburg. Viele hängen an seinen Lippen, wenn der DDR-Rekordspieler mit Blick auf die Lage beim FCM wie zuletzt erklärt: "Der Trainer muss sich dringend etwas einfallen lassen, was man besser machen kann." Oder: "Es fehlte Leidenschaft und Feuer."

Seine Aussagen häuften sich in letzter Zeit, anders als in der vergangenen Saison, auf Facebook oder in der Boulevardpresse. Und die Diskussionen darum sind ein Sinnbild für die aktuelle Situation bei den Blau-Weißen. Denn der FCM wandert derzeit auf einem schmalen Grat zwischen den Erfolgen der jüngeren Vergangenheit und den Sorgen um die Zukunft.

"Es ist keine Zeit mehr, um den heißen Brei herumzureden", erklärte Streich diese Woche in der BILD. "Ein Drittel der Saison ist gespielt, und wir steuern auf den Abstieg zu, wenn sich nichts ändert."

Das Umfeld wird kritischer

Der gemeine Magdeburger neigt mitunter zur Grummeligkeit und zum Pessimismus. So war das lange Zeit auch in Bezug auf seinen Fußballverein. Allerdings gab es da in den vergangenen Jahren wenig Grund zu: Drittliga-Aufstieg, Zweitliga-Aufstieg, eine Siegesfeier nach der anderen.

Doch jetzt türmen sich die Nörgler wieder auf. Vor allem in den sozialen Netzwerken zetern sie, stellen alles in Frage. Gewiss: In der Mehrheit sind sie (noch) nicht. Und manche üben so angemessene wie berechtigte Kritik. Andere übertreiben ihre Rolle als Sofa-Trainer aber. Fest steht: Das Umfeld des FCM wird immer kritischer – die öffentlichen Aussagen von Streich und zahlreicher Fans dienen als Beweis.

Sabrina Bramowski im Gespräch mit Joachim Streich 2 min
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MDR aktuell 21:45 Uhr Fr 26.10.2018 21:45Uhr 01:30 min

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Die Talfahrt in der zweiten Bundesliga wird für den Verein und seine Anhänger zur Bewährungsprobe. Doch so können sie diese Prüfung bestehen:

1.) Die Ausgangslage im Blick behalten

Der 1. FC Magdeburg ist krasser Außenseiter in der zweiten Bundesliga. Der Marktwert des Kaders beträgt 10,55 Millionen Euro. Damit ist Magdeburg das Ligaschlusslicht. Der Marktwert des Hamburger SV ist mehr als fünfmal so hoch. Die theoretischen Voraussetzungen für den Klassenerhalt könnten besser sein. Geld schießt im Saisonverlauf eben doch Tore. Diese Realität muss das Umfeld anerkennen und im Blick behalten.

Trotzdem steht nach dem ersten Saisondrittel fest: Verstecken muss und darf sich der FCM vor keinem Gegner. Auftritte wie das Heimspiel gegen den HSV als so etwas wie ein Pokalspiel anzusehen, erscheint fehl am Platz. Zweitligist ist Zweitligist. Und so groß die Unterschiede zwischen beiden Klubs auch sind: Der FCM muss Selbstvertrauen ausstrahlen. Dieses Selbstverständnis, an jedem Spieltag gegen jeden Ligakonkurrenten punkten zu können.

2.) Dem Trainer vertrauen

Am Ende der vergangenen Saison verglichen die FCM-Anhänger ihren Trainer Jens Härtel noch mit Klub-Ikone Heinz Krügel. Zwei Aufstiege hat Härtel mit Magdeburg geschafft, den abgestürzten Traditionsverein wieder nach oben geführt, weil er als Typ so hervorragend in diese Stadt und zu diesem Klub passt. Doch nun werden die Zeiten auch für ihn immer unruhiger.

Manche Fans kritisieren scharf, auch Experten fanden zuletzt deutliche Worte. Joachim Streich sagte: "Es ist nicht zu leugnen, dass Jens Härtel entscheidenden Anteil an der Entwicklung hat. Aber auch er muss dazulernen und sich weiterentwickeln." Jens Härtel weiß das.

Die Mannschaft macht alles andere als den Eindruck, führungslos zu sein. Der Trainer kann seine Spieler noch motivieren. Er hat bewiesen, dass er zu entscheidenden Umstellungen bereit ist – zum Beispiel mit dem frühen Torwartwechsel von Jasmin Fejzic zu Alexander Brunst. Er spürt noch die Rückendeckung der Verantwortlichen. Und das sollte auch so bleiben.

FCM-Trainer Jens Härtel + Video
Bildrechte: MDR/Max Schörm

Trainerdiskussionen sind an der Tagesordnung im Fußballgeschäft. Aber warum sollte ein Verein nicht auch mal anders handeln als die breite Masse in diesem Geschäft, das oft stinkt?

Um das nicht falsch zu verstehen: Über Taktik oder Aufstellung sollte, ja muss diskutiert werden – allerdings sachlich. Die Schwächen – zum Beispiel die fehlende Durchschlagskraft in der Offensive – müssen analysiert und im Winter vielleicht in Form von Zugängen ausgemerzt werden. Bis dahin haben die etablierten Akteure jedoch Zeit, sich zu beweisen.

3.) Zusammenstehen

Die gute Nachricht: Aktuell belegt der FCM den ersten Nichtabstiegsplatz. So gesehen: Soll erfüllt. Trotzdem herrscht Unzufriedenheit. Weil eben mehr drin gewesen wäre bislang. Weil dieser eine Sieg so unbefriedigend ist. Was bei aller, ob berechtigter oder übertriebener, Kritik jedoch nicht verloren gehen darf, ist der Zusammenhalt. Denn das war die große Stärke des FCM in den vergangenen Jahren.

Die Fans sollten weiterhin beweisen, dass sie auch in schweren Zeiten zu ihrem Verein stehen. Das darf nicht in blindes Vertrauen aufgrund vergangener Erfolge ausarten. Doch die Talfahrt darf die Fans nicht spalten. Die Verantwortlichen, das Trainerteam und die Spieler haben schließlich bewiesen, dass sie wissen, was es bedeutet, für den FCM zu spielen – und als Einheit mit den Fans werden sie den Klub auch wieder zum Erfolg führen. Im besten Fall bereits am Sonnabend im Auswärtsspiel gegen Darmstadt.

Daniel George
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Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung als Sportredakteur und berichtete hauptsächlich über die besten Fußballklubs Sachsen-Anhalts: den 1. FC Magdeburg und den Halleschen FC.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine wunderschöne Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport- und Social-Media-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

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Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 29. Oktober 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Oktober 2018, 18:42 Uhr

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17 Kommentare

02.11.2018 10:18 flo 17

Ich hätte auch gedacht, daß MD den selben Weg nimmt wie R oder KI. Denn in Liga 3 waren sie ja souverän Meister. Aber man kann ja außer vllt gegen HH nicht sagen ,daß MD nicht mithalten kann. Meiner Meinung nach fehlt das Quäntchen Glück welches oft gefehlt hat. Die Abgänge nach Paderborn konnte man mit den Neuzugängen nicht kompensieren. Aber Kopf hoch es wird werden. Ich wünsche es Euch. RWG aus dem Süden

02.11.2018 09:14 Atze FCM 16

@10 HDL
Ich stimme dir voll und ganz zu.
Hier geht es immer noch um Spiele und Menschen, das sollte man nicht vergessen!
Ansonsten begeben wir uns in den allgemeinen geldorientierten Fußballrummel wie er sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat.
MK, MF und JH sind gut beraten ihren eingeschlagenen Weg ohne Not weiterzugehen.
Kritiker wird es immer geben, aber Fans die auch in "schwierigen" Zeiten zu ihrem Verein halten auch!!
In diesem Sinne.
Kritiker ins HKS - Fußball (er)leben!!!

01.11.2018 23:55 Sortfreund 15

kallnik muss sich fragen, ob er für dieses Niveau, dass er weder als spieler noch als funktionär ansatzweise kennt, der richtige mann, sprich fähig ist, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Genau das ist der springende Punkt!
Kallnik sitzt auf dem Geld, allein 15 Millionen TV Gelder, er bekommt aber nicht mit, dass mit dieser Mannschaft die 2. Liga nicht zu halten ist. Es fehlt ein Kopf der in der Lage ist eine Mannschaft zu führen, jemand der ein Spiel lesen kann.
Der Trainer stellt teilweise die falschen Spieler auf, andere die mehr drauf haben sitzen auf der Bank. Er schnallt es nicht, dass sein System in der 3. Liga gut funktionierte, in der 2. aber eben nicht.
In der Winterpause braucht man keine Verstärkungen mehr holen, denn aus der Winterpause kommt der FCM seit Jahren mit einem Formtief.

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