Heimsieg gegen Aalen Das Miteinander funktioniert beim HFC

Der Hallesche FC erarbeitet sich einen Erfolg gegen den VfR Aalen. Fest steht nach dem vierten Saisonsieg: Die Rot-Weißen kämpfen wieder füreinander – und zwar auf unterschiedlichenen Ebenen.

von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

 Jan Washausen (Halle, 21) gegen Marcel Bär (Aalen) zweikampf
HFC-Kapitän Jan Washausen grätscht gegen den Aalener Marcel Bär. Bildrechte: imago

Ralf Heskamp wurde am Sonnabend 53 Jahre alt. Grund zum Feiern. Oder zum Arbeiten. Denn was machte der Sportdirektor des Halleschen FC an seinem Ehrentag? Er schaute sich den 2:0-Erfolg der U19 des Klubs gegen Merseburg an, der HFC-Profis von morgen also. Nun ist das nur eine kleine Randnotiz – doch sie verrät viel über die Entwicklung des Halleschen FC.

An der Saale arbeiten sie nicht erst seit diesem Wochenende detailbesessen. Nicht nur Sportdirektor Heskamp, auch Trainer Torsten Ziegner opfert des Öfteren seine Freizeit, um den HFC voranzubringen. Und das gelingt: Der 1:0-Erfolg am Sonntag im Heimspiel gegen den VfR Aalen war vor 7.012 Zuschauern bereits der vierte Saisonsieg. Halle steht in der dritten Liga nun auf dem fünften Tabellenplatz.

HFC dreht den Trend um

Dass das Verhältnis zwischen Sportdirektor und Trainer ein schwieriges sein kann, haben sie beim Halleschen FC in der Vergangenheit schmerzlich erfahren müssen. Da verstanden sich Sportchef Stefan Böger, inzwischen in China tätig, und Fußballlehrer Rico Schmitt, aktuell ohne Trainerjob, so gar nicht. Am Ende mussten beide gehen – der eine, nämlich Böger, früher, der andere später.

Heskamp und Ziegner – das passt jetzt anscheinend. Bereits bei ihrer Vorstellung am Ende der vergangenen Saison betonten beide, wie wichtig ihnen Zusammenarbeit sei. Zum einen bei der Kaderzusammenstellung, zum anderen im alltäglichen Geschäft, der Hatz nach Punkten von Wochenende zu Wochenende. Nach acht Partien haben sie zunächst jedenfalls bewiesen, dass ihr Miteinander funktioniert. Heskamp überzeugt mit unaufgeregten Analysen und Sachlichkeit. Ziegner stellt seine Mannschaft ganz prima auf die Gegner ein, weiß seine junge Truppe zu motivieren.

Tor zum 1:0 für Halle durch Marvin Ajani (HFC) und Jubel der Mannschaft
HFC-Torschütze Marvin Ajani (vorn) bejubelt seinen Siegtreffer. Bildrechte: imago

Und die Mannschaft funktioniert ebenfalls im Verbund: Gegen Aalen wirkte der HFC von Beginn an unheimlich willensstark. Bereits nach zwei Minuten traf Marvin Ajani per Kopf zur Führung. Es war sein erstes Saisontor. Und der vierte Saisonsieg des HFC war auch deshalb bemerkenswert, weil das Team den Trend umdrehte: Halle hatte zuvor zweimal in Serie nicht gewonnen, Aalen zweimal nicht verloren. Auffälig ist in dieser Saison: Anders als in den vergangenen Spielzeiten erlaubt sich die Mannschaft kaum längere Durststrecken, findet nach Rückschlägen schnell wieder in die Erfolgsspur zurück. Heskamp und Ziegner haben augenscheinlich Spieler mit anständiger Mentalität verpflichtet.

Gegen Aalen hielt der HFC der Schlussoffensive der Gäste stand, auch dank ganz viel Einsatz. Man darf demnach feststellen: Beim HFC kämpfen sie in dieser Saison wieder miteinander – auf dem Rasen und in der sportlichen Führungsebene. "Am Ende war der Sieg ein bisschen glücklich für uns, weil Aalen nochmal alles nach vorn geworfen hat", sagte Siegtorschütze Marvin Ajani und spielte damit auch auf einen Pfostentreffer des VfR in der Nachspielzeit an. "Aber das ist auch eine Genugtuung, das wir auch solche Spiele gewinnen, wo es am Ende vielleicht mal ein bisschen glücklich ist."

Emotionaler Abschied von Vereins-Urgestein Brauer

Eine große Geste des Miteinanders hatte es bereits vor dem Anpfiff gegeben: Der Erdgas Sportpark trauerte gemeinsam um Eckbert Brauer. Der Tod des Vereins-Urgesteins hatte den Klub geschockt. Brauer war am 13. September nach einer schweren Krankheit im Alter von 66 Jahren gestorben. Am Sonntag wurde ihm mit einer Abschiedschoreografie und einer Schweigeminute gedacht, Präsident Michael Schädlich hielt auf dem Rasen eine Rede. Brauers Konterfei zierte das Cover des Stadionmagazins. "Mit Eckbert Brauer ist ein Mensch von uns gegangen, der Unermessliches für den Verein geleistet hat", sagte Präsident Schädlich. Außerdem wurde ein Kondolenzbuch ausgelegt, in dem sich jeder HFC-Fan von Brauer verabschieden konnte.

Dr. Michael Schädlich (Präsident, HFC) gedenkt den in der vergangenen Woche verstorbenen Vereinsmitglied Eckbert Brauer
HFC-Präsident Michael Schädlich hielt eine emotionale Rede für den verstorbenen Eckbert Brauer. Bildrechte: imago

Sportlich geht es für den HFC jetzt mit einem echten Höhepunkt weiter: dem Heimspiel gegen Hansa Rostock am kommenden Sonnabend im Erdgas Sportpark. Eine Partie mit großer Historie und mit großem Zuschauerpotenzial. Und die perfekte Bühne für den nächsten Erfolg im Miteinander.

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung als Sportredakteur und berichtete hauptsächlich über die besten Fußballklubs Sachsen-Anhalts: den 1. FC Magdeburg und den Halleschen FC.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport- und Social-Media-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 23. September 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2018, 17:46 Uhr

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