Remis gegen Duisburg Der FCM zwischen Enttäuschung und Erleichterung

Wieder nicht gewonnen, dafür spät den Ausgleich bejubelt: Der 1. FC Magdeburg wandelt nach dem Heimspiel gegen den MSV Duisburg zwischen den Gefühlen. Warum Cheftrainer Stefan Krämer optimistisch ist.

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von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

1. FC Magdeburg - MSV Duisburg 1 min
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MDR aktuell 21:45 Uhr Fr 13.09.2019 21:45Uhr 01:17 min

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Eigentlich war Tobias Müller der Held. Doch so richtig zum Feiern war dem 25 Jahre alten Innenverteidiger am Freitagabend nicht zumute. Ja, er hatte dem 1. FC Magdeburg mit seinem Treffer zum 1:1 in der Nachspielzeit doch noch zum Punktgewinn verholfen. Aber nein, so richtig glücklich waren sie beim Drittligisten nach dem fünften Unentschieden im achten Saisonspiel trotzdem nicht.

"Wir wollten natürlich unbedingt drei Zähler holen, sind jetzt aber auch mit dem einen Punkt nicht unzufrieden, so wie das Spiel gelaufen ist", sagte Müller. Zwar wieder nicht gewonnen, dafür aber wieder Moral bewiesen – eine wirre Mischung aus Enttäuschung und Erleichterung machte sich breit. Doch der Torschütze gab die Richtung vor: "Wir müssen das Positive mitnehmen: Dass wir seit sieben Spielen ungeschlagen sind."

Zu uncool nach dem Gegentor

Vor den weiteren Partien des Wochenendes belegt der FCM in Liga drei den achten Platz. Erst einmal hat der Klub verloren, zum Saisonauftakt daheim gegen Braunschweig mit 2:4. Doch auf der Habenseite stehen eben auch erst zwei Siege, ein 3:1 in Meppen und ein 5:1 daheim gegen 1860 München. Magdeburg hat so viele Unentschieden geholt wie keine andere Mannschaft der Liga.

"Es ist brutal schwer in der dritten Liga", sagte Mannschaftskapitän Christian Beck am Freitagabend. "Heute fühlt sich der Punktgewinn im Vergleich zu den anderen aber gut an. Vielleicht kann das bei uns auch nochmal neue Kräfte freisetzen vor dem schweren Spiel nächste Woche in Kaiserslautern."

Warum es wieder nicht mit einem Sieg geklappt hat? "Wenn du in den ersten 15 Minuten so Gas gibst, wie wir es getan haben, unbedingt das Tor schießen willst, dann aber so eine Backpfeife kriegst, dann ist das nicht einfach", sagte Beck mit Blick auf das Gegentor.

Stefan Krämer
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Diese letzte Geilheit auf Tore, diese letzte Durchschlagskraft, der finale Pass, das fehlt mir bei uns noch.

FCM-Cheftrainer Stefan Krämer

Leroy-Jacques Mickels schoss Duisburg nach einer Viertelstunde mit einem sehenswerten Treffer in Führung. Der FCM, bis dahin die spielbestimmende Mannschaft, verlor daraufhin komplett seinen Rhythmus. "Duisburg hat das dann sehr erwachsen gespielt", sagte FCM-Cheftrainer Stefan Krämer – und implizierte damit zugleich auch, dass sich seine Mannschaft in dieser Phase des Spiels eher jugendlich beeindruckt präsentierte.

Kein Wunder, sagte Krämer: "Uns haben vier Spieler aus der ersten Elf gefehlt. Erfahrene Jungs, die nach dem Gegentor vielleicht cooler geblieben wären." Torwart Alexander Brunst, die Abwehrmänner Timo Perthel und Jürgen Gjasula sowie Offensivspieler Mario Kvesic fielen verletzungs- oder krankheitsbedingt aus. Ersetzt wurden sie durch Spieler wie Keeper Morten Behrens, Abwehrmann Brian Koglin oder Angreifer Sirlord Conteh, die in dieser Saison bislang kaum Einsatzzeit bekamen.

Erstes Pflichtspieltor für Müller seit fast fünf Jahren

Was positiv auffiel: Komplett zusammen brach das Team nicht. Der FCM fing sich wieder, bewies wie schon beim 1:1 in Jena vor zwei Wochen große Moral – und belohnte sich mit dem Fernschuss-Tor von Tobias Müller in der Nachspielzeit. Der Teamgeist stimmt offensichtlich, entwickelt sich auch durch solch ein spätes Erfolgserlebnis weiter.

"Unsere Moral ist top, unsere körperliche Fitness ist top. Die Jungs haben sich wieder reingebissen, das muss man ihnen hoch anrechnen. Wir sind auf dem Weg, eine richtige Mannschaft zu werden", sah Krämer eine hoffnungsvolle Entwicklung. Doch er sagte auch: "Diese letzte Geilheit auf Tore, diese letzte Durchschlagskraft, der finale Pass, das fehlt mir bei uns noch."

Ausgerechnet Abwehrchef Müller machte es den Stürmern vor: Aus 20 Metern zog der 25-Jährige einfach ab und netzte ein. Es war sein erstes Pflichtspieltor seit fast fünf Jahren. "Wurde auch mal wieder Zeit, dass der Ball reingeht", scherzte Müller. "Vielleicht sollte ich das in Zukunft häufiger probieren."

Und vielleicht auch zu Beginn der Spiele. Denn: "Wenn wir hier das Führungstor gemacht hätten, Chancen hatten wir ja, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass wir das Spiel gewinnen", sagte Christian Beck. "Dann hätten wir mehr Räume gehabt." Alles wäre einfacher gewesen. So wie beim 5:1-Schützenfest vor drei Wochen daheim gegen den TSV 1860 München. Aber: "Hätte, wenn und aber", so Beck. "Wir müssen das Unentschieden akzeptieren." Und weiterarbeiten – bis im besten Fall aus der Ungeschlagen-Serie eine Sieges-Serie wird.

Daniel George
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Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

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Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 14. September 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2019, 09:25 Uhr

2 Kommentare

Rychlik vor 8 Wochen

BWG - Hauptsache nicht verloren ^^ Saalestädter sind als Tabbenerste siegesbewusster und werden wohl auch mal im Haifischbecken der 2. Liga planschen

fcm-magdeburg vor 9 Wochen

Noch mal mit dem Blaueauge davon gekommen.
Nächstes mal klappt es besser.

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