Leichtathletik Der große Olympiatraum von Nadine Müller

Die Leichtathletik-WM in Doha ist gerade beendet, da geht der Blick schon nach vorne – Richtung Tokio. Dort finden im Sommer 2020 die Olympischen Spiele statt. Diskuswerferin Nadine Müller will in Japan zum dritten Mal bei Olympia starten. Im Interview spricht sie über den Plan bis dahin und über ihren großen Traum.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Nadine Müller (SV Halle)
In Tokio will sich Nadine Müller ihren großen Traum erfüllen. Bildrechte: IMAGO

Bei der Weltmeisterschaft in Doha haben sie Platz 8 belegt. Ihr Minimalziel haben Sie erreicht, sagen aber selbst, dass auch etwas mehr drin gewesen wäre. Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis?

Es war ein Saisonverlauf mit vielen Höhen und Tiefen. Es gab keinen Wettbewerb, wo ich wirklich ganz vorne dabei war. Deswegen haben wir uns das Ziel Platz 8 gesetzt. In der Weltrangliste lag ich vor der WM auf Platz 10. Nun bin ich als Achte wiedergekommen. Damit kann ich für den Saisonabschluss schon ganz zufrieden sein.

Wie bewerten Sie die Saison insgesamt?

Auch wenn das etwas salopp klingt: das war für mich eine Durchgangssaison. Nach Jahren, in denen Verletzungen mich ausgebremst haben, war die letzte Saison mit der EM in Berlin herausragend. In diesem Jahr konnten wir Dinge aufbauen und an der Technik arbeiten, ohne dass Verletzungen dazwischen kamen. Das tut dem Körper gut, das tut auch der Seele gut. Darauf wollen wir jetzt mit Blick Richtung Tokio aufbauen. Zum dritten Mal an den Olympischen Spielen teilzunehmen ist mein großes Ziel.

Die Spiele beginnen Ende Juli. Wie sieht der Plan bis dahin aus?

Erstmal werde ich mich ein paar Wochen erholen. Der Körper braucht Regeneration und eine Pause. Schließlich haben wir fast ein Jahr lang durchtrainiert. Normal sind etwa neun Monate am Stück.

Ab November geht es wieder ins Aufbautraining. Das dauert etwa sechs Wochen. Neben Läufen und Krafttraining machen wir neuerdings auch viel Cross Fit. Dann geht es auch so langsam mit Werfen los. Allerdings in der Halle, denn draußen ist die Verletzungsgefahr viel zu groß, wenn es kalt ist. Ab Februar folgen dann zwei Trainingslager. Gerade im zweiten, im April, wird dann viel geworfen.

Im Mai beginnen dann die Wettkämpfe. Dann geht es Schlag auf Schlag, denn es gibt nicht viele Möglichkeiten, sich für Olympia zu qualifizieren. Die Saison wird recht kurz, da muss es von Anfang an passen.

Die klimatischen Bedingungen werden auch in Japan nicht ganz einfach sein. Waren Sie schon mal dort, um die Gegebenheiten kennenzulernen?

In Tokio speziell war ich noch nicht. Aber ich kenne den asiatischen Raum gut. Ich war schon in Peking, in Osaka oder in Südkorea. Dort habe ich auch gute Erfahrungen gemacht. Meine erste WM-Medaille habe ich im südkoreanischen Daegu gewonnen. Ich kenne Land und Leute also ein wenig.

Nach der ersten WM-Medaille in Daegu 2011 wäre es ja dann ein schöner Zufall, die erste Olympiamedaille auch in Asien zu gewinnen, oder?

Das wäre faszinierend und eine schöne runde Sache.

Nun haben Sie 2011 und 2015 jeweils in den Jahren vor Olympia WM-Medaillen gewonnen. Bei den Spielen lief es aber beide Male nicht wie erhofft. Ist das etwas, was Sie weiter antreibt?

Es ist auf jeden Fall dieser Wunsch, der mich motiviert. Die Olympiamedaille fehlt mir noch. Bei Welt- und Europameisterschaften habe ich schon Medaillen gesammelt. Aber für eine Sportlerin gibt es nichts Größeres als eine Olympiamedaille. Darauf arbeitet man jahrelang hin. Deswegen ist es mein großer Traum, das doch noch zu schaffen.

Sind die Spiele Ihr letztes großes sportliches Ziel?

Es werden auf jeden Fall die letzten Olympischen Spiele sein, denke ich. Aber ob ich dann wirklich direkt aufhöre, entscheide ich nach den Spielen. Wenn es der Körper noch mitmacht und ich noch Spaß habe – und vor allem, wenn ich die jüngeren Werferinnen noch ärgern und vor ihnen landen kann – mache ich das natürlich noch eine Weile.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 07. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2019, 17:38 Uhr

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