Remis gegen Kiel Der Weg des Risikos beim FCM

Mutig, schnell und agressiv: Der 1. FC Magdeburg dominiert im Heimspiel gegen das Spitzenteam aus Kiel lange Zeit. Wie Cheftrainer Michael Oenning das Unentschieden einordnet – und wie es nun weitergeht.

Daniel George
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von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

1. FC Magdeburg - Holstein Kiel emspor, v.l. Philip Tuerpitz (Magdeburg, 8) Jubel
Jubelschrei: Philip Türpitz traf zum Ausgleich. Bildrechte: IMAGO

Alles sah im ersten Moment nach Ernüchterung aus. Michel Niemeyer sank zu Boden. Dennis Erdmann stütze seine Hände auf die Knie. Auch die anderen Profis des 1. FC Magdeburg machten nach dem Abpfiff vor 19.704 Zuschauern in der MDCC-Arena zunächst einen enttäuschten Eindruck. Dann aber kam Michael Oenning auf den Platz – und applaudierte seinen Männern. Der Cheftrainer des Zweitligisten richtete seine Spieler auf. Er wusste zwar: "Natürlich hätten wir in unserer Situation drei Punkte gut gebrauchen können." Doch: "Auch dieser eine Punkt fühlt sich gut an", sagte Oenning nach dem 1:1 gegen Holstein Kiel am Sonntagnachmittag. Denn: "Wir haben wirklich ein tolles Spiel gemacht."

Der 1. FC Magdeburg blieb auch im dritten Punktspiel 2019 ungeschlagen. Auf zwei Siege folgte nun ein Remis. Sieben von neun möglichen Zählern hat Magdeburg im neuen Jahr geholt – und belegt damit aktuell den ersten Nichtabstiegsplatz. Stand jetzt heißt das: Saisonziel erreicht.

Türpitz stark wie in der Aufstiegs-Saison

Obwohl diesmal am Ende kein Sieg auf der Anzeigetafel stand: Die Formkurve des FCM zeigt doch weiter nach oben. Mit Kiel gastierte eine Spitzenmannschaft in der MDCC-Arena. Ein Team mit derzeit lediglich zwei Zählern Rückstand auf Relegationsrang drei. "Sie haben eine überragende Qualität", sagte Michael Oenning – und spielte damit auf den Kieler Führungstreffer an.

Nach fünf Minuten ließ Keeper Kenneth Kronholm, der mit seinen waghalsigen Aktionen ein ums andere Mal für Raunen auf den Rängen sorgte, zunächst FCM-Stürmer Christian Beck per Dribbling aussteigen. Wenige Stationen später musste Janni Luca Serra im Magdeburger Strafraum nur noch einschieben – ein Konter wie aus dem Fußballlehrbuch. Doch: "Davon haben wir uns nicht aus der Ruhe bringen lassen, immer weiter nach vorne gespielt", sagte Oenning. Und so kam Magdeburg zwei Minuten vor dem Pausenpfiff zum verdienten Ausgleich durch Philip Türpitz.

Michael Oenning (Magdeburg, Trainer)
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Die Zuschauer haben honoriert, dass wir diesen Mut hatten in unserer Situation alles rauszuhauen. Wir haben immer wieder versucht, mit Risiko zu spielen. Das ist unser Weg – und der ist alternativlos.

FCM-Trainer Michael Oenning

Der Offensivmann hämmerte den Ball in die Maschen – und erinnerte mit seinem Schuss voller Wucht und Überzeugung an die vergangene Saison. Da war Türpitz mit 16 Toren und acht Vorlagen einer der entscheidenden Aufstiegshelden in Liga drei. Unter Oenning blüht der 27-Jährige nach schwierigem Saisonstart nun auch eine Spielklasse höher wieder auf. Beim 1:0-Erfolg in Ingolstadt hatte Türpitz in der Vorwoche den Siegtreffer erzielt.

"Die Mannschaft macht mich stark, einer alleine kann gar nichts ausrichten", sagte er nun und richtete den Fokus zurück auf das große Ganze: "Ein Sieg wäre heute verdient gewesen, gerade wenn wir die Anzahl an Chancen für uns sehen", meinte er. "Zufrieden sind wir also nicht, aber wir können mit dem Punkt gegen Kiel leben."

Auswärtsspiel in Bielefeld: "Wir sind bereit!"

Der FCM setzte Kiel von Beginn an unter Druck. Immer wieder erzwangen die Magdeburger so Fehler. "Sie waren sehr griffig, sehr aktiv", lobte auch Holstein-Coach Tim Walter. "Wir dagegen waren schläfrig, zu hektisch am Ball und haben zu langsame Entscheidungen getroffen." Der Fußball des FCM aber machte Spaß. Schöne Kombinationen, schnelle Abschlüsse und die aggressive Jagd nach dem Ball: "Die Zuschauer haben das honoriert, das hat man an ihren Reaktionen gemerkt", sagte Michael Oenning. "Dass wir diesen Mut hatten in unserer Situation alles rauszuhauen. Dass wir immer wieder versucht haben, mit Risiko zu spielen. Das ist unser Weg – und der ist alternativlos."

Ohne den angeschlagenen Star-Einkauf Jan Kirchhoff, der mit muskulären Probleme passen musste und für das wichtige Auswärtsspiel in Bielefeld geschont wurde, überzeugten andere beim FCM. Nico Hammann zum Beispiel, der Kirchhoff auf der defensiven Mittelfeldposition vertrat. "Ich bin sehr zufrieden mit seiner Leistung", sagte Trainer Oenning. "Er ist ein außergewöhnlich guter Fußballer und hat sich in den vergangenen Wochen stetig weiterentwickelt."

Genau wie Marius Bülter, der als linker Defensiver erneut eine sehr starke Vorstellung zeigte – und sich am Ende doch als tragischer Held fühlte. Kurz vor Schluss vergab der 25-Jährige eine große Chance zum Sieg – genau wie wenig später auch Offensivmann Felix Lohkemper. "Ich ärgere mich mega, dass ich das Ding nicht gemacht habe", sagte Bülter später. "Normalerweise mache ich den." Doch bei aller Enttäuschung stand schlussendlich doch Realismus: "Wir haben gesehen, dass wir auch gegen ein Topteam mithalten, sogar das Spiel bestimmen können", sagte Bülter. "Auf dieser Leistung können wir weiter aufbauen."

Das Auswärtsspiel am kommenden Sonntag gegen Arminia Bielefeld gilt als enorm wichtig. Mit einem Erfolg könnte sich der FCM weiter Luft verschaffen – und die Arminia, derzeit Zehnter, mit in den Abstiegskampf verwickeln. "Das wird ein heißer Tanz", sagte Michael Oenning am Sonntag und war sich nach dem couragierten Auftritt gegen Kiel sicher: "Wir sind bereit!"

Daniel George
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Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung als Sportredakteur und berichtete hauptsächlich über die besten Fußballklubs Sachsen-Anhalts: den 1. FC Magdeburg und den Halleschen FC.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

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Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 10. Februar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2019, 17:50 Uhr

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