Franck Evina (Uerdingen) im Zweikampf gegen Tobias Schilk (Halle)
Halle war gegen Uerdingen die bessere Mannschaft, holte aber keine Punkte. Bildrechte: osnapix / Titgemeyer

Niederlage gegen Uerdingen Die alten Leiden beim HFC

Der HFC verliert zum Saisonauftakt beim KFC Uerdingen. Dabei offenbart die Mannschaft einige Probleme, die auch im vergangenen Jahr schon ständige Wegbegleiter waren.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Franck Evina (Uerdingen) im Zweikampf gegen Tobias Schilk (Halle)
Halle war gegen Uerdingen die bessere Mannschaft, holte aber keine Punkte. Bildrechte: osnapix / Titgemeyer

Die Zahlen waren eindeutig beim HFC-Spiel am Sonntag in Uerdingen. Das Eckenverhältnis sprach mit 15:1 klar für die Hallenser. Gut ein Dutzend Möglichkeiten erspielten sie sich. Und auch beim Ballbesitz dürfte der HFC deutlich vorn gelegen haben. "Das zeigt, wie der Hase hier lief", erklärte Toni Lindenhahn nach der Partie bei Magenta Sport. 

Doch im Fußball zählen nicht Ballbesitz, Ecken oder Torschüsse, sondern bekanntermaßen Tore. Und da erzielte Uerdingen eins und der der HFC keins. Und so starten die Rot-Weißen mit einer Niederlage in die Saison, die in vielerlei Hinsicht an die vergangene Spielzeit erinnerte. Denn auch da trat der HFC oft dominant auf, ließ aber häufig zu viele Chancen liegen. Und ärgerte sich gerade in der Hinrunde mehrfach über unnötige Niederlagen. Genau wie an diesem Sonntag in Uerdingen.

Flexibilität ist Trumpf

Trotzdem gibt es viel Positives, was die Mannschaft von Torsten Ziegner aus diesem ersten Spiel für die weitere Saison ziehen kann. Größtes Plus ist zweifellos die Flexibilität vieler Spieler. Entgegen aller Beteuerungen des Trainers begann Sebastian Mai nicht als Stürmer, sondern als Abwehrchef neben Tobias Schilk. Eine Reaktion auf den schwachen Test in Erfurt, wo die HFC-Abwehr bedenklich wackelte, die sich sofort auszahlte. Nach dem Führungstor der Uerdinger rückte Mai dann jedoch umgehend in den Angriff. Seinen Platz in der Innenverteidigung übernahm der eingewechselte Jannes Vollert. 

Toni Lindenhahn - im vergangenen Jahr meist rechter Verteidiger in der Dreierkette - startete im offensiven Mittelfeld. Julian Guttau wurde während der Vorbereitung meist im Sturm oder als Zehner hinter den Spitzen eingesetzt. Diesmal kam er linksaußen zum Einsatz. Eine derartige Vielseitigkeit der Spieler bietet Trainer Torsten Ziegner enorme Möglichkeiten, auf Ausfälle oder Formschwächen zu reagieren und den Gegner immer wieder zu überraschen.

Plan geht fast auf

Insgesamt agierte der HFC mit einem 4-2-3-1-System, wobei Rechtsverteidiger Patrick Göbel bei eigenem Ballbesitz weit auffrückte und zahlreiche Flanken schlug. Toni Lindenhahn war bis zu seiner Auswechslung an fast allen gefährlichen Offensivaktionen beteiligt. Allein zwischen der 50. und der 56. Minute vergab er drei Mal aussichtsreich. Defensiv ließ der HFC, vom Gegentor abgesehen, nichts zu. 

Torsten Ziegner sprach unmittelbar nach dem Spiel davon, dass der Plan, wie seine Mannschaft auftreten soll, zu 100 Prozent aufgegangen sei. Später auf der Pressekonferenz ergänzte er: "Bis dorthin, wo man Spiele gewinnt, haben wir extrem viel richtig gemacht. Es war ein tolles Spiel von meiner Mannschaft." 

Gegentor mit Ansage

Mit "bis dorthin" meinte er den Strafraum und so schloss das Lob auch eine unausgesprochene Kritik mit ein. Denn im Strafraum fehlte es meist an Durchsetzungsfähigkeit. Neben den zahlreichen Ecken schlugen die HFC-Spieler auch mindestens 20 Flanken vor das KFC-Tor. Doch Abnehmer fanden sie nur selten. Das lag zu einem Großteil an der starken Verteidigung der Gastgeber – namentlich Lukas Königshofer im Tor, den Innenverteidigern Assani Lukimya und Andreas Maxsö sowie Mittelfeldabräumer Jan Kirchhoff – die gemeinsam viele Chancen vereitelten. Dass die Flanken selten durchkamen, lag aber auch an der mitunter mäßigen Qualität der Zuspiele. Und an der bisweilen fehlenden Übersicht, den Ball lieber zurückzulegen.

Ein zweites Problem ergab sich in der Phase kurz vor dem Gegentor. Der HFC drückte auf den eigenen Führungstreffer. Mit bis zu sieben Spielern attackierten die Rot-Weißen den Gegner, der sich weit zurückgezogen hatte, an dessen Strafraum. Dadurch gab es viele Ballgewinne. Die Räume, um diese zu nutzen, waren jedoch eng. Zu eng. Und im Mittelfeld war viel Platz für die Konter der Uerdinger. Aus einem solchen entstand schließlich das Führungstor. Doch zuvor hatte es schon eine ähnliche Szene gegeben, die beinah brenzlig geworden wäre. Ein Gegentor mit Ansage also.

Torflaute, Auftaktschwäche und Wadenprobleme

Und so steht am Ende eine gute Leistung des Halleschen FC, aber kein Ertrag. Zudem verpasste Kapitän Jan Washausen, wie schon im Vorjahr, das erste Saisonspiel wegen Wadenproblemen. Und Trainer Ziegner gelang auch im vierten Anlauf in der 3. Liga kein Auftaktsieg. Es sind also einige altbekannten Probleme, die dem HFC wieder begegneten. 

Zu allem Überfluss kommt am Samstag mit Hansa Rostock eine Mannschaft nach Halle, die es in den vergangenen Jahren immer schaffte, sich gegen den HFC durchzusetzen - selbst bei drückender Überlegenheit der Hallenser. Doch vielleicht ist gerade das ein guter Gegner, um ein paar altbekannte Leiden früh in der neuen Saison loszuwerden.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. Juli 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2019, 19:43 Uhr

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2 Kommentare

22.07.2019 19:30 Ede 2

Die Mannschaft wird sich gegen Rostock anders zeigen, das Ziel heißt 2 Bundesliga

22.07.2019 11:27 tobi 1

Na dann wird es eben Zeit dass sich die Rostocker mal nicht gegen den HFC durchsetzen können...

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